Ältere Erwerbstätige werden oft zuerst entlassen

Basler Zeitung, 12.03.2015

Von Daniel Saladin, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Wenn Unternehmen Stellen streichen, entlassen sie oft als Erstes ihre ältesten Mitarbeitenden in die Frühpension. In der aktuellen Wirtschaftslage denken deshalb mehr ältere Erwerbstätige als sonst darüber nach, sich freiwillig früher aus dem Erwerbsleben zurückzuziehen. Schon die Gewissheit, dass sie früher aufhören könnten, ist für viele beruhigend.

Die wichtigsten Themen bei einer freiwilligen oder unfreiwilligen Frühpensionierung sind die Finanzierung der verbleibenden Jahre bis zur regulären Pensionierung und die Koordination der ersten, zweiten und dritten Säule. Vor allem gilt es die Einkommenslücke bis zur ordentlichen Pensionierung so zu überbrücken, dass das Einkommen nach der Pensionierung möglichst nicht sinkt. 

Die AHV-Rente kann man schon ein oder zwei ganze Jahre vor dem regulären Rentenalter beziehen. Die meisten Pensionskassen lassen einen Bezug der Altersleistungen ab 58 oder 60 Jahren zu. Beide Renten fallen bei einem Vorbezug aber lebenslang tiefer aus.

Wenn man seine Pensionskassenleistungen vorzeitig bezieht, ist das Alterskapital kleiner als bei einer ordentlichen Pensionierung, weil Beitragsjahre und Zinsgutschriften wegfallen. Zudem wird der Umwandlungssatz gekürzt, mit dem das Guthaben in eine lebenslange Rente umgerechnet wird. Die meisten Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionären um fünf bis sieben Prozent pro Vorbezugsjahr. Wer mit 63 Jahren statt mit 65 in Rente geht, verzichtet demnach auf zehn bis 14 Prozent Rente. Ein vorgezogener Bezug um ein Jahr führt bei der AHV zu einer Rentenkürzung von 6,8 Prozent pro Jahr. Bei einem Vorbezug um zwei Jahre fällt die Rente jedes Jahr 13,6 Prozent kleiner aus. Rein rechnerisch lohnt sich ein AHV-Vorbezug deshalb nur für Pensionierte, die von einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung ausgehen

Frühpensionierung finanzieren

Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können. Meistens müssen sie diese Überbrückungsrente aber selbst finanzieren: Die ausbezahlten Renten werden von ihrem Pensionskassenguthaben abgezogen. Frühpensionierte überbrücken die Zeit bis zur ordentlichen Pensionierung deshalb in der Regel am besten mit privaten Ersparnissen. Säule-3a-Guthaben zum Beispiel kann man schon fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters ohne Weiteres beziehen.

Eine gestaffelte Pensionierung kostet deutlich weniger als eine Frühpension, spart AHV-Beiträge und eröffnet Möglichkeiten zum Steuernsparen. In der Regel kann man Pensionskassenguthaben dann gestaffelt beziehen und zahlt insgesamt weniger Steuern als bei einem einmaligen Bezug des gesamten Guthabens. Versicherte, die ihr Pensum nach 58 reduzieren und bis zu 50 Prozent weniger verdienen, können oft bis zum regulären Pensionsalter weiter mit ihrem vollen bisherigen Lohn in der Pensionskasse versichert bleiben. Damit fallen die Altersleistungen gleich hoch aus wie ohne Arbeitszeitreduktion, und die Steuerbelastung sinkt deutlich.

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