Aktive Anlagestrategie lohnt sich fast immer

Basler Zeitung, 25.6.2015

Von Daniel Saladin, Anlageexperte beim VZ VermögensZentrum Basel

Die wenigsten Fonds brillieren und können ihren Vergleichsindex übertreffen.

Aktiv gemanagte Anlagefonds versuchen, mit dem Kauf und Verkauf von Titeln eine Mehrrendite gegenüber dem Vergleichsindex (Benchmark) zu erzielen. Viele Studien belegen jedoch: Einem Grossteil der Fondsmanager gelingt es nicht, den Vergleichsindex nach Kosten zu übertreffen. Das betrifft praktisch alle Anlageklassen und Marktphasen.

Manche Fonds verpassen die Rendite des Benchmarks sogar deutlich. Per Ende 2014 schlugen zum Beispiel nur 16 Prozent der aktiven Fonds auf US-Aktien den Benchmark, sofern der Anleger fünf Jahre investiert war, über einen Zeitraum von 15 Jahren waren es sogar nur zehn Prozent. Der überwiegende Teil der Fonds lag hinter dem Benchmark zurück.

Übertraf ein Fonds in der Vergangenheit seinen Benchmark, heisst das noch lange nicht, dass er das auch in Zukunft tun wird. Die Rangliste der besten Fonds ändert nämlich laufend. Je länger ein Anleger einen aktiven Fonds hält, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fonds hinter der Indexrendite zurückbleibt.

Modell der relativen Stärke

Die Selektion von Anlagefonds, die den Benchmark übertreffen, ist daher mit einem aufwendigen Prozess verbunden und nur im Rahmen eines professionellen Vermögensverwaltungsmandates sinnvoll. Für Privatanleger, die ihr Vermögen selbst verwalten, ist das Risiko hingegen hoch, auf einen schlechten Fonds zu setzen und die Rendite des Indexes deutlich zu verfehlen. Privatanleger verfügen in der Regel nicht über die notwendigen Kenntnisse und Instrumente, um im riesigen Angebot die wenigen Erfolg versprechenden Fonds zu finden. Sie sollten stattdessen besser in ETF investieren und sich mit der Rendite des Benchmarks abzüglich Kosten zufrieden geben.

ETF haben zum Ziel, einen Index (z. B. den SMI) möglichst eins zu eins abzubilden. Sie sind wesentlich günstiger als aktive Fonds. Die jährlichen Verwaltungsgebühren von Anleihen-ETF betragen durchschnittlich nur rund 0,2 Prozent, bei ETF auf einen Aktien-Index im Schnitt rund 0,3 Prozent. Für einen aktiven Anlagefonds zahlt der Anleger oft 1,5 bis 2 Prozent Gebühren pro Jahr. Eine Investition in aktive Fonds empfiehlt sich für Privatanleger in der Regel nur, wenn sie im Rahmen eines breit diversifizierten Portfolios spezielle Themen abdecken wollen, für die es keine ETF gibt.

Eine interessante Alternative zu aktiven Fonds ist eine aktive Anlagestrategie, umgesetzt mit ETF. Der Anleger kann sein ETF-Portfolio beispielsweise aktiv steuern, indem er die Positionen mit den Signalen eines gleitenden Durchschnitts in einem Abwärtstrend vollständig verkauft. Er kann damit das Vermögen vor massiven Verlusten schützen. Oder er nutzt das Momentum einer Anlage und investiert immer in jene Anlageklassen, die sich in der Vergangenheit am besten entwickelten.

Dieses sogenannte Modell der relativen Stärke bietet ebenfalls die Chance auf eine Mehrrendite gegenüber dem Index. Es basiert auf der Annahme, dass ein Markttrend sich fortsetzt, solange sich die kursentscheidenden Faktoren nicht ändern.

Diese Seite teilen