Aktien sind nach der Pensionierung sinnvoll

Basler Zeitung, 30.7.2015

Von Ersin Norkaya, Anlageexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Rheinfelden

Auch im Ruhestand sollte ein Teil des Vermögens risikoreicher investiert bleiben.

Eine der wichtigsten Anlegerregeln lautet: Wer in Aktien investieren will, benötigt einen langen Anlagehorizont. Viele Experten empfehlen eine Haltedauer von mindestens acht Jahren, weil mit zunehmender Haltedauer das Risiko eines Verlusts sinkt. Wer Schweizer Aktien zwischen Ende 1987 und Ende 2014 während zehn Jahren hielt, erzielte immer eine positive Rendite. Die höchste erreichte Rendite bei einer Haltedauer von zehn Jahren betrug 20 Prozent pro Jahr, die tiefste 0,2 Prozent.

Ältere Erwerbstätige und Pensionierte schrecken oft davor zurück, Geld in Aktien anzulegen. Sie glauben fälschlicherweise, dass ihr Anlagehorizont zu kurz sei, um Kursverluste auszusitzen. 65-jährige Männer haben statistisch gesehen noch rund 19 Lebensjahre vor sich, 64-jährige Frauen können noch mit 23 Lebensjahren rechnen. Ihr Anlagehorizont beträgt bei der Pensionierung also etwa 20 Jahre.

Auch im Ruhestand sollte ein Teil des Vermögens in Aktien investiert bleiben, damit das Vermögen einen ausreichenden Beitrag an das Einkommen leistet. Die AHV- und Pensionskassenrenten allein reichen normalerweise nicht aus, um den gewohnten Lebensstil nach der Pensionierung fortzuführen. Wichtig ist, dass die Aktienquote auf die Risikobereitschaft des Anlegers, auf seine Wertschwankungsreserven und auf den Kapitalbedarf für die Sicherstellung des Einkommens abgestimmt ist.

Angenommen, die monatlichen Ausgaben betragen nach der Pensionierung 8000 Franken, die Rente deckt jedoch nur 5000 ab. 3000 Franken müssen somit aus dem Vermögen erwirtschaftet werden. Hierzu liesse sich das gesamte Vermögen in wertbeständige Anlagen wie Staatsanleihen und Immobilien investieren. Ihre Jahresrendite ist jedoch gering, circa zwei Prozent. Bei dieser Variante müsste das Vermögen bei einer Restlebenserwartung von 20 Jahren bei Pensionsantritt rund 589'000 Franken betragen.

Pensionierte sollten das verfügbare Geld stattdessen in einen Verbrauchs und einen Wachstumsteil aufteilen. In den Verbrauchsteil fliesst der Betrag, der nötig ist, um den Einkommensbedarf für die erste Planungsetappe von zehn Jahren zu decken. Dieses Geld wird sicher und ausschliesslich kurzfristig angelegt (etwa Sparkonten, Festgelder und Franken-Obligationen) und schrittweise aufgebraucht. Der Rest fliesst in den Wachstumsteil und sichert das Einkommen für die folgenden zehn Jahre. Einen Teil des Kapitals im Wachstumsteil kann man in risikoreichere Anlagen wie Aktien investieren. Diese versprechen eine höhere Rendite.

Dieser zweite Topf wird nach dem ersten Jahrzehnt in sichere Anlagen mit zwei Prozent Rendite umgeschichtet und sukzessive aufgebraucht, um die Ausgaben bis ans Lebensende zu bedienen. Dank dieser Aufteilung in zwei Töpfe ist das zu Pensionsbeginn benötigte Vermögen mit 504'000 Franken gegenüber der ersten Variante um rund 85'000 Franken tiefer.  

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