2015 dürfte die Zinswende erfolgen

Basler Zeitung, 03.01.2015

Von Karl Flubacher, Niederlassungsleiter VZ VermögensZentrum Basel

Aktien bleiben im neuen Jahr die aussichtsreichste Anlageform – Kurse von Anleihen unter Druck.

Im Januar des neuen Jahres wird sich alle Aufmerksamkeit auf die Europäische Zentralbank (EZB) richten. In den vergangenen Monaten hat der EZB-Präsident die Erwartung geschürt, dass ein breit angelegtes quantitatives Lockerungsprogramm bevorstehe.

Die Marktteilnehmer hoffen auf einen grossen Wurf, ähnlich dem im September 2012 aufgelegten Aufkaufprogramm QE3. Anleger sollten aber bedenken, dass ein grosser Teil des erwarteten Effekts in den gestiegenen Aktienkursen wohl bereits enthalten ist.

Die grossen Erwartungen an das Januartreffen der EZB könnten auch unerfüllt bleiben, oder das Programm könnte seine Wirkung verfehlen. Und schliesslich handelt die EZB aus einer volkswirtschaftlichen Bedrängnis, denn die Gefahr einer Deflationsspirale nimmt laufend zu.

Die Zinspolitik der US-Notenbank wird zur zweiten geldpolitischen Zerreissprobe für die Märkte werden. Seit Monaten bereitet die Vorsitzende des Offenmarktausschusses, Janet Yellen, die Anleger darauf vor, dass die Leitzinsen 2015 steigen werden. Ob der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik gelungen ist, steht erst dann fest, wenn sich die Wirtschaft anhaltend aus eigener Kraft erholen kann. 

Dramatischer Einkommensverlust

Neben diesen geldpolitischen Hochseilakten bestimmen auch wichtige Marktströmungen den Anlageerfolg im neuen Börsenjahr, insbesondere die Entwicklung der Energiepreise. In den vergangenen sechs Monaten hat sich der Ölpreis halbiert. Dieser Preiszerfall hilft zwar allen Volkswirtschaften, die Energie importieren, und ist eine wichtige Stütze für den Binnenkonsum dieser Länder.

Für Ölexporteure - Unternehmen wie Nationen bedeutet er einen dramatischen Einkommensverlust. So wird zum Beispiel die US-amerikanische Schieferölindustrie unter massiven Druck geraten, und zahlreiche Firmen werden aufgeben müssen. Der fallende Ölpreis erhöht die Deflationsgefahr, was insbesondere für die Eurozone bedrohlich ist.

Auch China leidet zunehmend unter sinkenden Preisen. Um das Wachstum der eigenen Wirtschaft zu stützen, wird China die Preise seiner Exportgüter tief halten. Damit erhöht sich der deflationäre Druck weiter, der vor allem die Eurozone hart treffen kann.

Das neue Börsenjahr dürfte mit einem eher turbulenten Start beginnen und auch weitere Kursrücksetzer mit sich bringen. Im weiteren Verlauf des Jahres sollten sich die Aktienmärkte dann aber wieder von ihrer positiven Seite zeigen, denn die Unternehmen sind für einen Aufschwung bestens positioniert. Dies trifft für die meisten Anlageregionen zu, wobei die Ausgangslage für die USA im Aktiengeschäft besonders gut ist.

Der US-Dollar dürfte relativ zu anderen Währungen weiterhin zulegen, und das Wachstumspotenzial der amerikanischen Wirtschaft bleibt hoch. Im historischen Vergleich werden die Zinsen zwar auch im angebrochenen Jahr tief bleiben.

Sowohl die USA als wahrscheinlich auch Grossbritannien werden aber im Lauf des Jahres mit Leitzinserhöhungen beginnen. Die Kurse von Anleihen werden in der Folge unter Druck geraten. Deshalb sollten Anleger Papiere mit längeren Laufzeiten meiden.

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