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Newsletter vom 2. Juni 2021

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

Schweizer Wirtschaft erklimmt neues Stimmungshoch: Die Aussichten für die Schweizer Konjunktur hellen sich weiter auf. Einige wichtige Frühindikatoren erreichten jüngst Höchststände. Das KOF Konjunkturbarometer stieg im Mai um 6,8 Punkte auf 143,2 Punkte (siehe Grafik). Dies entspricht einem neuen Rekordwert. Fast sämtliche Indikatoren konnten gegenüber dem Vormonat zulegen. Insbesondere im von der Corona-Krise arg gebeutelten Gastgewerbe verbesserten sich die Bedingungen. Auch die Einkaufsmanagerindizes (PMI) entwickelten sich stark. Der Index für den Industriesektor verbesserte sich im Mai von 69,5 auf 69,9 Punkte. Er liegt damit auf dem höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995. Verbessert hat sich die Stimmung offenbar nicht nur in der Industrie, sondern auch im Dienstleistungssektor. Der entsprechende Index stieg von 57,6 auf 58,8 Punkte. In der Krise war er noch auf rund 20 Punkte zurückgefallen. All diese vorlaufenden Indikatoren weisen darauf hin, dass sich die Schweizer Wirtschaft wohl weiterhin rasch erholen wird.

Schweizer Wirtschaft steht im Aufwind
Die Stimmung in der Schweizer Wirtschaft verbessert sich weiter. Das zeigt die Entwicklung der wichtigsten Frühindikatoren.
Schweizer Wirtschaft steht im Aufwind

Quelle: KOF, procure.ch

Geschäftsklima im Euro-Raum so gut wie seit Jahren nicht mehr: Angesichts sinkender Infektionszahlen hat sich die Stimmung in der Eurozone überraschend deutlich verbessert. Das von der EU-Kommission erhobene Stimmungsbarometer stieg im Mai um 4,0 Zähler auf 114,5 Punkte. Das ist deutlich über dem langjährigen Durchschnittswert. Fast hätte es gar gereicht, das Hoch von Dezember 2017 zu erreichen. Die Erholung zeigte sich insbesondere bei den Dienstleistern. Aber auch im Einzelhandel, in der Industrie, am Bau und bei den Verbrauchern hellte sich die Stimmung auf. Im Ländervergleich verbesserte sich die Laune insbesondere in Italien überdurchschnittlich. Aber auch in Ländern wie Deutschland, Spanien oder den Niederland ging es bergauf.

Frankreich kämpft mit einer Rezession: Die Wirtschaftsleistung Frankreichs schrumpfte im ersten Quartal leicht. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ging um 0,1 Prozent zurück. Das zeigen neue Daten des nationalen Statistikamtes Insee. In einer Schätzung hatte die Behörde noch mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent gerechnet. Bereits im Schlussquartal 2020 war die zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone um 1,5 Prozent geschrumpft. Frankreich befindet sich somit in einer technischen Rezession. Ökonomen sprechen davon, wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes zwei Quartale in Folge kleiner wird.

Biden will sechs Billionen Dollar für US-Haushalt: Der US-Präsident will Medienberichten zufolge den Haushalt stark ausweiten. Biden möchte für das Fiskaljahr 2022 – sein erstes volles Regierungsjahr – sechs Billionen US-Dollar ausgeben. Die Summe solle bis 2031 auf 8,2 Billionen US-Dollar steigen, schreiben US-Medien. So hohe Ausgaben habe es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Vor allem Sozialleistungen und Infrastrukturprojekte sollen so bezahlt werden. Finanzieren will Biden die Mehrausgaben insbesondere durch höhere Steuern für Unternehmen und Reiche. Das Haushaltsdefizit soll im kommenden Jahr 1,8 Billionen Dollar betragen. Die gesamte Staatsschuld der USA würde sich damit auf fast 30 Billionen Dollar erhöhen. Der Vorschlag des Weissen Hauses ist aber noch lange nicht gegessen: Die Vorlage ist traditionell erst der Beginn zu einem langwierigen Verfahren, bei dem der Kongress die Oberhand hat. Da die Demokraten in beiden Parlamentskammern nur knappe Mehrheiten haben, müssen sie sich auf Verhandlungen mit den Republikanern einlassen.

Fokus: Obligationen auch bei steigenden Zinsen unverzichtbar

Obligationen sind ein wichtiger Bestandteil in jedem Portfolio, weil sie vor Korrekturen am Aktienmarkt schützen. Anleger sollten aber beachten, dass die Titelauswahl anspruchsvoller wird, wenn die Zinsen steigen.

Die Inflation kommt immer stärker in Gang. In der Schweiz ist davon zwar noch nichts zu spüren. Die Teuerungsentwicklung in der Eurozone und den USA lässt jedoch aufhorchen. So stieg das allgemeine Preisniveau in der Eurozone vom Mai 2020 bis Mai 2021 bzw. in den vergangenen zwölf Monaten um 2,0 Prozent. Das ist nicht nur der höchste Wert seit November 2018. Die Inflationsrate hat damit – wenn auch nur leicht – das Niveau überschritten, welches die Europäische Zentralbank (EZB) für ideal hält. In den USA lagen die Lebenshaltungskosten im April – die Zahlen für den Mai liegen noch nicht vor – sogar um 4,2 Prozent über dem Vorjahr und auch klar über dem von der US-Notenbank angestrebten Bereich.

Furcht vor steigenden Zinsen

Viele Investoren sind aufgrund dieser Entwicklung beunruhigt. Auch wenn die Mitglieder der Notenbanken dies- wie jenseits des Atlantiks bei jeder Gelegenheit betonen, dass es sich bei der Inflationsentwicklung aufgrund der Pandemiefolgen nur um einen temporären Effekt handle und sich die Preisentwicklung bereits im kommenden Jahr wieder auf tieferen Niveaus einpendeln werde: An den Finanzmärkten geht die Angst um, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik dennoch straffen und die Leitzinsen erhöhen könnten, um eine aus dem Ruder laufende Inflation wieder unter Kontrolle bringen zu können.

Das Thema "Zinsängste" wird in den Medien gerne aufgegriffen. Häufig ist in diesem Zusammenhang zu lesen, dass Obligationen in einem Umfeld steigender Zinsen ein sicheres Verlustgeschäft seien. Doch das stimmt so nicht. Es ist zwar richtig, dass in der Theorie der Kurs einer festverzinsten Obligation sinkt, wenn die Zinsen steigen und umgekehrt. Die Kursentwicklung von Obligationenanlagen hängt jedoch noch von anderen Faktoren ab. Zwei weitere wichtige Einflussgrössen sind beispielsweise die Höhe der Kreditrisikoprämie und die Restlaufzeit einer Obligation.

Geringere Schwankungen bei High Yield-Bonds

Grundsätzlich gilt: Auch bei steigenden Marktzinsen gehören Obligationen in ein Portfolio. Allerdings sollte dann eher auf Titel gesetzt werden, die weniger stark auf die Zinsentwicklung reagieren. Dazu zählen Bonds, welche beispielsweise eine höhere Kreditrisikoprämie bieten, wie jene im High-Yield-Segment. Denn der Coupon bzw. der regelmässig anfallende Ertrag des Investors besteht zum grössten Teil aus der Kreditrisikoprämie. Je höher der Kreditaufschlag desto geringer der Zinsanstiegseffekt auf dem Obligationenkurs. Deswegen reagieren die Kurse von High Yield-Bonds viel geringer auf Änderungen der Marktzinsen (siehe Grafik).

Geringe Wertschwankungen im US High Yield-Segment
Das US High Yield-Segment ist von der Entwicklung der Marktzinsen – hier am Beispiel der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen dargestellt – relativ unabhängig.
Geringe Wertschwankungen im US High Yield-Segment

Quelle: Bloomberg

Wandelanleihen reagieren ebenfalls weniger stark auf Zinsänderungen, weil deren Kurs auch stark von der Geschäftsentwicklung des jeweiligen Unternehmens bzw. Emittenten abhängt. Bei steigenden Marktzinsen gilt es auch, auf Papiere mit kürzeren (Rest)Laufzeiten zu setzen, weil sich Zinsänderungen dann weniger stark im Kursverlauf niederschlagen.

In Hinblick auf die Diversifikation im Portfolio sind Katastrophenanleihen – kurz Cat Bonds – eine interessante Alternative. In diesen Bonds werden die finanziellen Risiken von Naturkatastrophen verbrieft. Ein Anleger macht sich damit praktisch unabhängig von der Entwicklung der Marktzinsen.

Flexibilität schaffen

Beim Obligationen-Anteil im Portfolio ist es ausserdem wichtig, dass man sich als Investor Flexibilität schafft, um rasch auf Opportunitäten reagieren zu können. Zudem ist es in einem volatilen Umfeld mit steigenden Zinsen sinnvoll, eine aktive Durationssteuerung im Portfolio zu implementieren – die Zinsrisiken also aktiv zu verwalten.

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