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Newsletter vom 10. Februar 2021

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Fokus: Stehen Value-Aktien vor einem Comeback?

Unternehmen, die überdurchschnittlich wachsen, sind die Lieblinge der Anleger. Weniger gefragt sind Firmen mit überdurchschnittlicher Substanz. Dieser Trend hat sich 2020 weiter verstärkt. Allerdings gibt es auch Anzeichen dafür, dass sich das bald ändern könnte.

Technologie-Unternehmen sind die grossen Gewinner der Corona-Pandemie. Das ist ein wichtiger Grund, warum sogenannte Growth-Aktien 2020 einen Kursschub erlebten. Tech-Titel gehören nämlich zu den prominentesten Vertretern des wachstumsorientierten Anlagestils. Das Zinsumfeld verleiht Wachstums-Unternehmen zusätzlichen Rückenwind: Dank der anhaltend tiefen Zinsen können sie so günstig wie nie zuvor in ihr Wachstum investieren. Auf der anderen Seite rechtfertigen sinkende oder tiefere Diskontsätze, dass diese Unternehmen an der Börse höher bewertet sind.

Dagegen liessen Anleger Value-Aktien letztes Jahr einmal mehr links liegen. Denn aus ihrer Sicht gehören solche Unternehmen zu den typischen Verlierern der Krise. Damit hat sich die Schere zwischen der Kursentwicklung beider Anlagestile weiter geöffnet. Während der MSCI World Growth Index einen neuen Höchststand erreicht hat, notiert der MSCI World Value Index tiefer als vor dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühling 2020 (siehe Grafik).

Value versus Growth
Value-Titel sind im Vergleich mit Growth-Aktien ins Hintertreffen geraten.
Value versus Growth

Quelle: Bloomberg (Werte in CHF, inkl. Dividenden)

Ein typischer, als Value geltender Sektor sind Bankaktien. Die Titel wurden im Coronajahr 2020 unter anderem deshalb gemieden, weil Banken von einer Zunahme der Konkurse direkt betroffen wären. Und die extrem tiefen Zinsen belasten ihre Profitabilität zusätzlich. Aus ähnlichen Gründen machen Anleger auch einen Bogen um die Versicherungsbranche.

Ein weiteres Beispiel sind Unternehmen im Energiesektor, die ebenfalls dem Value-Anlagestil zugeordnet werden. Der weltweite Rückgang der Nachfrage Anfang Jahr liess den Ölpreis einbrechen, was die Profitabilität dieser Unternehmen schwer belastet. In der Folge verloren Energieaktien deutlich an Wert.

Auf unterbewertete Aktien setzen

Die Idee des Value-orientierten Anlagestils ist, werthaltige und unterbewertete Aktien zu kaufen, weil sich ihr Aktienkurs über kurz oder lang dem intrinsischen beziehungsweise fairen Wert annähern wird. Im Unterschied zu Unternehmen, bei denen Anleger dem Wachstum besonders viel Wert beimessen, bewerten sie bei Value-Titeln die Substanz des Unternehmens. Um unterbewertete Aktien zu identifizieren, stützen sich Anleger auf Kennzahlen wie das Verhältnis zwischen Kurs und Gewinn beziehungsweise Kurs und Buchwert, die Dividenden-Rendite sowie weitere Kennzahlen. 

Der berühmteste Value-Investor ist Warren Buffett. Sein Handwerk lernte er von Benjamin Graham, der als Erfinder des Value-Ansatzes gilt. Mit diesem Ansatz wuchs der Wert von Buffetts Finanzkonglomerat Berkshire Hathaway in rund 60 Jahren auf die astronomische Summe von mehr als 500 Milliarden US-Dollar. In den letzten Jahren investierte allerdings auch Berkshire Hathaway vermehrt in Unternehmen wie Amazon und Apple, deren Aktien als Growth-Titel gelten. Apple-Aktien sind heute sogar eine der grössten Positionen in Berkshire Hathaways Portfolio. Die Kardinalsfrage ist also: Zeichnet sich eine Trendwende ab?

Immer wieder Marktphasen mit Value-Vorteil

Es gab in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Marktphasen, in denen sich der Value-Anlagestil besser bewährte als der Growth-Stil; sie waren aber nur von kurzer Dauer. Früher zählte Value hingegen zu den erfolgreichen Anlagestilen. Nachdem im Jahr 2000 die Dotcom-Blase geplatzt war, wandten sich viele Anleger von Wachstumstiteln ab und konzentrierten sich auf Substanzwerte. Es folgte eine längere Phase, in welcher der Value-Stil dominierte. Auch nach der Finanzkrise von 2008/2009 war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. In den 14 weltweiten Rezessionen seit 1998 führten stets Value-Aktien die Erholung an.

Daraus könnte man ableiten, dass die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass Value-Titel auch derzeit vor einem Aufschwung stehen, weil viele Volkswirtschaften mit einer Wachstumsschwäche kämpfen. Allerdings muss man bei dieser Überlegung auch die aktuellen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Von steigenden Zinsen profitieren Value-Aktien

Normalerweise gehen mit einer Wirtschaftserholung steigende Zinsen oder zumindest eine steigende Inflationserwartung einher. Davon profitieren üblicherweise vor allem Unternehmen, die eher dem Value-Bereich zuzuordnen sind. Ein weiterer Faktor ist, dass sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verschlechtern, wenn die Zinsen steigen. Wachstumsunternehmen, die auf frisches Kapital angewiesen sind, dürften es in so einem Umfeld schwerer haben als werthaltige Unternehmen. 

Es sprechen also tatsächlich einige Faktoren für einen neuen Trend hin zu Value-Anlagen. Dazu zählen neben den bereits erwähnten auch die relativ hohe Bewertungsdifferenz zwischen beiden Anlagestilen. Solange die Notenbanken aber an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten und ein Zinsanstieg unwahrscheinlich bleibt, ist es zu früh, von einer echten Trendwende zu sprechen.

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