Tipps für Ihre Geldanlagen

Newsletter vom 27. Januar 2021

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

Starker Euro hält Inflation zurück: In der Eurozone dürfte die lockere Geldpolitik in den kommenden Monaten und Jahren die Norm bleiben. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihr Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent wohl auch in den kommenden Jahren verfehlen (siehe Grafik). Ein Grund dafür ist der sich seit Mitte 2020 aufwertende Euro. Ein starker Euro macht die Importe billiger, was die Inflation nach unten drückt. Und das ist genau das, was die EZB derzeit überhaupt nicht gebrauchen kann. Denn aufgrund der Folgen der Pandemie sinken die Preise im Euroraum bereits seit fünf Monaten schon. Daher will die EZB an den günstigen Finanzierungskonditionen festhalten. Das hatte der EZB-Rat an seiner ersten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr beschlossen. Dies wiederum dürfte das Risikosentiment an den Finanzmärkten weiterhin stützen.

Inflationsprognosen für Eurowährungsgebiet
Die Inflation wird im Euroraum wohl auch die nächsten Jahre unter der Zielvorgabe der EZB von knapp 2 Prozent liegen.
Inflationsprognosen für Eurowährungsgebiet

Quelle: EZB, Survey of Professional Forecasters (SPF)

IWF hebt Konjunkturprognose an – auch für Schweiz: Trotz der global weiterhin angespannten Lage in der Coronakrise zeigt sich der Internationale Währungsfonds (IWF) optimistischer für die Konjunktur als bisher. Seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr hob der IWF um 0,3 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent an. Der IWF erklärt das mit der positiven Wirkung der anlaufenden Impfkampagnen und den jüngst zusätzlich beschlossenen Konjunkturspritzen in den USA und Japan. Der Einbruch der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr mit einem geschätzten Minus von 3,5 Prozent sei zudem nicht so schlimm ausgefallen wie bei der letzten Prognose im Oktober befürchtet, als von 4,4 Prozent ausgegangen worden war. Für die Schweiz sagen die IWF-Ökonomen nach dem Taucher des Bruttoinlandproduktes um 5,3 Prozent in 2020 eine Erholung der Wirtschaft um 3,6 Prozent im laufenden Jahr voraus.

Geschäftsklima in Deutschland verschlechtert sich: In Deutschland trübte sich die Unternehmensstimmung zu Beginn des Jahres überraschend deutlich ein. Vor dem Hintergrund der Verlängerung der Corona-Beschränkungen sank der vom Ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex im Januar um 2,1 Punkte auf 90,1 Zähler. Im Dezember hatte sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen nach zwei Rückgängen in Folge noch verbessert. "Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet", schreibt Ifo-Präsident Clemens Fuest in der Mitteilung. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten für das nächste halbe Jahr wurden durch die befragten Unternehmen schlechter bewertet.

Ehemalige Notenbankchefin wird US-Finanzministerin: Das US-Finanzministerium wird künftig von einer Frau geführt – zum ersten Mal in der Geschichte. Der US-Senat hat die von Präsident Joe Biden vorgeschlagene Wirtschaftswissenschaftlerin Janet Yellen für diesen Posten bestätigt. Ihr dürfte im Kampf gegen die wirtschaftlichen Pandemiefolgen eine zentrale Rolle zukommen. Yellen war von 2014 bis 2018 Vorsitzende der US-Notenbank Fed. Sie gilt als Anhängerin der Theorien des Ökonomen John Maynard Keynes, nach denen Regierungen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung wirtschaftlicher Krisen zukommt – etwa durch höhere Staatsausgaben.

Sinkendes Preisniveau in Japan – Sorge vor Deflation: In Japan steht die Notenbank unter Handlungsdruck. Der Grund: Die Konsumentenpreise sind im Dezember so stark gefallen wie zuletzt im Jahr 2010. Unter Ausschluss der schwankungsanfälligen Lebensmittelpreise sank das allgemeine Preisniveau laut Regierungsangeben im Vergleich zum Vorjahr um 1,0 Prozent. Wenn die Konsumentenpreise sinken kann das eine Deflationsspirale in Gang setzen, weil die Unternehmen ihre Verkaufspreise ebenfalls senken müssen und Investitionen deswegen aufschieben oder zurückfahren. Es droht die Gefahr einer gesamtwirtschaftlichen Rezession. Als Folge der Preisentwicklung steigen die Erwartungen an die japanische Notenbank, effektivere Wege zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie einzuschlagen.

Fokus: Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Nachhaltige Anlagen können dazu beitragen, ein Depot widerstandsfähiger zu machen und bei einem Markteinbruch mehr Stabilität bieten.

Das Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage erhält nicht nur bei Anlegerinnen und Anlegern immer stärkeren Zuspruch. Während der Börsenturbulenzen im Coronajahr 2020 zeigte sich zudem, dass nachhaltige Geldanlagen relativ widerstandsfähig sind und vergleichbare oder teilweise sogar leicht höhere Renditen erzielt werden konnten als mit klassischen Anlagen.

Vor allem in der Anlageregion Schwellenländer machte sich im vergangenen Jahr ein Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit bezahlt. Wer zum Beispiel über einen ETF oder Indexfonds in dem MSCI Emerging Markets ESG Leaders Index investiert war, schnitt besser ab als der Gesamtmarkt MSCI Emerging Markets (siehe Grafik). Das gleiche gilt für den SRI-Index für diese Anlageregion, der noch etwas strengere Nachhaltigkeitsregeln befolgt.

Nachhaltig positionierte Indizes schneiden besser ab
Die nachhaltig positionierten Indizes SRI und ESG Leaders für die Anlageregion Emerging Markets von MSCI erholten sich nach der Coronakrise rascher als der Gesamtmarkt MSCI Emerging Markets.
Nachhaltig positionierte Indizes schneiden besser ab

Quelle: MSCI, Bloomberg

Der "strengere" MSCI Emerging Markets SRI-Index hatte 2020 zwar eine etwas höhere Rendite erzielt als der ESG Leaders-Index. Dafür ist das Schwankungsrisiko bei dem SRI-Index im Vergleich zum MSCI Emerging Markets höher. ETF oder Indexfonds auf diesen Index können also von der Marktrendite durchaus deutlicher abweichen als Produkte auf den MSCI Emerging Markets ESG Leaders – sowohl nach oben wie nach unten.

Vielzahl von nachhaltigen Anlageansätzen

Inzwischen existiert in der Vermögensanlage eine Vielzahl an verschiedenen Anlageansätzen beim Thema Nachhaltigkeit. Aufgrund unterschiedlicher Wertvorstellungen gibt es allerdings keine universell gültige Beurteilungsmethode für nachhaltige Anlagen. Es besteht häufig Unklarheit über die verschiedenen Anlageansätze und deren Wirkung. Die derzeit etablierten Anlageansätze können grundsätzlich in fünf Kategorien unterteilt werden.

1. Ausschlüsse

Die älteste und einfachste Form nachhaltiger Anlagen ist die der Ausschlüsse. Dabei liegt der Fokus darauf, bestimmte Geschäftsaktivitäten oder Branchen zu vermeiden, die nicht den eigenen Wertvorstellungen entsprechen. Der Einfluss auf die Rendite- und Risikoeigenschaften von Anlagen spielt dabei keine spezifische Rolle. Verbreitet sind beispielsweise Ausschlüsse von Unternehmen, die einen signifikanten Umsatzanteil mit der Herstellung von kontroversen Waffen oder Tabak erzielen.

2. Integration

Bei der Integration werden, basierend auf messbaren quantitativen und qualitativen Kriterien, Risiken und Chancen zur Beurteilung von Unternehmen in die traditionelle Finanzanalyse und Anlageentscheide miteinbezogen. Es wird eruiert, wie die betroffenen Unternehmen oder Organisationen in den Dimensionen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung abschneiden.

3. Best-in-Class

Wird ein Best-in-Class-Ansatz angewendet, so bedeutet dies, dass nur in diejenigen Unternehmen investiert wird, welche ihre ökologische, soziale und unternehmerische Verantwortung besonders gut wahrnehmen. Sie weisen dementsprechend innerhalb ihrer Branche ein überdurchschnittliches ESG-Profil auf.

4. Positiver Einfluss

Der Ansatz des positiven Einflusses wird auch oft als thematisches Investieren bezeichnet. Damit ist eine Investition in jene Unternehmen gemeint, die mit ihrer Geschäftstätigkeit einen besonders positiven Beitrag leisten. Dies ist der Fall, wenn ihre Kerntätigkeiten in Bereichen liegen, die einen nachhaltigen Einfluss in den Punkten Umwelt und Gesellschaft ausüben. In der Schweiz sind Anlagen in erneuerbare Energiequellen inklusive Energieeffizienzlösungen sowie in Wasser die beiden am weitesten verbreiteten Themenanlagen.

5. Impact Investing

Als strengste Form nachhaltiger Geldanlage gilt das sogenannte Impact Investing. Es ist eine akzentuierte Form des positiven Einflusses. Angestrebt wird die Finanzierung von nachhaltigen Projekten, und es wird explizit danach angelegt, wie stark sich diese Projekte auf gezielte Aspekte, wie die Armutsbekämpfung, auswirken. Impact Investments können direkt in die jeweiligen Projekte erfolgen oder indirekt via Finanzprodukte, wie beispielsweise grüne Anleihen (Green Bonds).

Die verschiedenen Anlageansätze können einzeln oder kombiniert zur Anwendung kommen. ETF oder Indexfonds, welche die oben erwähnten Indizes abbilden, verwenden beispielsweise die Ansätze Ausschlüsse, Integration und Best-in-Class.

Immer mehr Anlegerinnen und Anleger fragen sich, ob sie in ihren Portfolios vermehrt auch solche neuartigen Nachhaltigkeitsprodukte einsetzen sollen. Das VZ hat diese Frage zum Anlass genommen, die nachhaltigen Aktienindizes und Aktien-ETF in einer Studie detailliert zu untersuchen und zu beschreiben.

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