Finanztipps vom LGBT-Desk

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Newsletter vom März 2021

Informieren Sie sich regelmässig rund um das Thema Pensionierung, Immobilien, Nachlassplanung und erfahren Sie, worauf Sie als gleichgeschlechtliches Paar und Single achten müssen.

Ein eigenes Feriendomizil: Das sollten Sie beachten

Die schönste Zeit des Jahres in der eigenen Ferienresidenz verbringen – das wünschen sich viele. Der Kauf eines Ferienhauses oder einer Ferienwohnung will aber gut überlegt sein.

Gerade in der Frühlingszeit spielen viele mit dem Gedanken daran, sich ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung zu kaufen. Und die Reisebeschränkungen haben gezeigt, dass es durchaus Vorteile haben kann, wenn man einen festen Zweitwohnsitz in den Schweizer Bergen hat, in den man sich zurückziehen kann, wenn man eine Auszeit braucht oder einfach mal im Grünen Durchschnaufen möchte. Wie auch immer der Grund lautet, wichtig ist: beim Kauf eines Ferienhauses oder einer Ferienwohnung nur ja nichts überstürzen. Denn das könnte einem später die Ferienfreude gründlich verderben.

Zunächst einmal gilt es zu beachten, dass die Finanzierungsrichtlinien der Banken beim Kauf von Ferienobjekten strenger sind als sonst. Das hat auch seinen Grund: Denn wenn das Geld knapp wird, gehört das Chalet zum Ersten, wovon man sich trennt – notfalls sogar unter dem Anschaffungspreis. Und das gefällt der Bank natürlich überhaupt nicht. Deswegen vergeben die meisten Institute nur eine Hypothek bis 50 oder 60 Prozent des Kaufpreises statt der üblichen 80 Prozent. Den Rest muss man mit eigenen Mitteln finanzieren. Dabei kann man aber nicht auf die Guthaben in der Pensionskasse und in der Säule 3a zurückgreifen. Denn diese lassen sich nur für ein Eigenheim vorzeitig beziehen, nicht aber für Ferienobjekte.

Bei der Tragbarkeit gelten aber grundsätzlich dieselben Regeln wie für Eigenheime: Hypothekarzinsen, Amortisationen sowie Unterhaltskosten dürfen auch dann ein Drittel des Bruttoeinkommens nicht übersteigen, wenn die Zinsen auf fünf Prozent steigen.

Auch wenn es scheinbar trivial klingt: Ein Ferienhaus verursacht laufende Kosten – und mehr als die meisten denken. Viele unterschätzen das (siehe Tabelle).

So viel kostet eine Ferienwohnung pro Jahr

Beispiel: Ferienwohnung in Graubünden mit 3,5 Zimmern und Garage, Verkehrswert 900'000 CHF, Hypothek 500'000 CHF, Eigenmietwert 14'400 CHF; ohne Vermögenssteuern
Unterhaltskosten (inkl. Erneuerungsfonds) 5480 CHF
Nebenkosten1 2790 CHF
Hypothekarzinsen2 5000 CHF
Einkommenssteuern3 1370 CHF
Ausgaben pro Jahr 14640 CHF
Entgangene Kapitalerträge4 8000 CHF
Gesamtkosten pro Jahr 22640 CHF
  1. Strom, Wasser, Heizung, Abfallentsorgung usw.
  2. Annahme: 1%
  3. Eigenmietwert abzüglich Unterhaltskosten und Hypothekarzinsen (Grenzsteuersatz: 35%)
  4. Wenn man die 400'000 Franken Eigenkapital anlegen würde, könnte man bei 2% Nettorendite 8000 Franken pro Jahr einnehmen.

Ist die Liegenschaft schon etwas älter oder in einem schlechten Zustand, dann lassen Sie den Renovations- und Unterhaltsbedarf unbedingt von einer Fachperson abschätzen. Bei einer Ferienwohnung ist zudem wichtig, dass Sie vor dem Kauf prüfen, ob der Erneuerungsfonds ausreichend gefüllt ist. Wenn bei teuren Sanierungen von gemeinschaftlichen Teilen des Hauses wie etwa der Fassade, des Dachs oder der Heizung zu wenig Geld im Fonds ist, können Eigentümer zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Da kann schnell ein schöner Batzen zusammenkommen, der ihre Finanzplanung kräftig durcheinanderwirbelt.

Lesen Sie sich vor dem Kauf einer Ferienwohnung auch das Reglement der Stockwerkeigentümergemeinschaft und die Protokolle der bisherigen Eigentümerversammlungen durch. Im Reglement steht, wie die Unterhaltskosten verteilt sind und welche Mehrheiten bei Abstimmungen an Eigentümerversammlungen gelten.

Bleiben Sie realistisch

Viele gehen davon aus, dass sie einen grossen Teil der Kosten ihrer Ferienwohnung oder ihres Ferienhauses durch die Vermietung wieder reinholen können. Das gelingt allerdings nur in den wenigsten Fällen. Eine grosse Nachfrage und attraktive Mieterlöse gibt es jedoch meist nur wenige Wochen im Jahr während der Hauptsaison – also genau zu der Zeit, in der Sie die Wohnung oder das Haus selber nutzen möchten. Damit bleibt nur noch die Nebensaison für die Vermietung. Und da ist die Nachfrage schwach.

Hier liegt ein wichtiger Grund, weshalb viele mit ihrem Feriendomizil auf die Dauer auf keinen grünen Zweig kommen: sie machen sich unrealistische Vorstellungen von den Einnahmen. Wer eine Ferienimmobilie kauft, sollte dies tun, um seine freie Zeit dort zu geniessen – und nicht, um damit Geld zu verdienen. Denn das rechnet sich nach Abzug aller Kosten in den meisten Fällen nicht.

An die Zukunft denken

So eine Investition ist eine anspruchsvolle Angelegenheit und birgt einige Risiken. Wer die Fallstricke bei einem Immobilienkauf nicht kennt, kann sich viel Ärger einhandeln. Deshalb machen Sie sich zusammen mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner auch Gedanken, was mit dem Ferienhaus oder der Ferienwohnung passieren soll, wenn es zu einer Trennung kommt oder wenn einer von Ihnen beiden stirbt oder invalid wird. Das Einkommen reicht in solchen Fällen häufig nicht mehr, um den bisherigen Lebensstandard zu behalten. Es bietet sich also an, dass Sie vor dem Kauf Ihre Vorsorgesituation überprüfen und Ihren Nachlass regeln: Wie viel Invalidenrente erhältst Sie, wie viel erhält Ihre Partnerin/Ihr Partner? Bekommt sie/er eine Rente, wenn Sie sterben? Wie viel steht Ihrer Partnerin/Ihrem Partner gemäss Erbrecht von Ihrem Vermögen zu? Wie können Sie sich gegenseitig optimal absichern?

Wenn Sie Hilfe brauchen bei der Beantwortung dieser Fragen oder Unterstützung wüschen bei Ihrer Zukunftsplanung, dann kommen Sie vorbei: Beim VZ in Zürich berät ein spezialisiertes Team gleichgeschlechtliche Paare und Singles zu allen Geldfragen. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin – bitte im Feld Mitteilung den Vermerk "LGBT" ergänzen.

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