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Newsletter vom 29. Juli 2020

Informieren Sie sich jede Woche aktuell über die neuesten Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Aktuelles zu Börsen & Märkten

Erholung am US-Arbeitsmarkt gerät ins Stocken: Vom US-Arbeitsmarkt kommen mitten in einer Welle von Neuinfektionen beunruhigende Signale. Die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist in der Woche vom 18. Juli zum ersten Mal seit dem Peak im März wieder angestiegen (siehe Grafik). Insgesamt beantragten in der Woche 1,42 Millionen US-Bürger erstmals Arbeitslosenhilfe, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Analysten hatten nur mit etwa 1,3 Millionen Anträgen gerechnet, womit das Niveau der beiden Vorwochen gehalten worden wäre. Die Stimmung der Marktteilnehmer wurde durch diese Entwicklung getrübt. Noch ist nicht klar, ob damit der Trend der fallenden Antragszahlen gebrochen ist (der Anstieg liegt wohl innerhalb der aktuellen Messungenauigkeit) – und die Zahl der Anträge auf fortgesetzte Arbeitslosenunterstützung sank in der Woche vom 11. Juli noch immer deutlich. Aber der Optimismus der Börsianer hat doch einen empfindlichen Dämpfer erlitten.

Anträge auf Arbeitslosenunterstützung
Im Juli sind die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend gestiegen. Die Anträge auf fortgesetzte Arbeitslosenunterstützung zeigten sich zuletzt aber weiter rückläufig.
Anträge auf Arbeitslosenunterstützung

Quelle: US Department of Labour

Europäische Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs: Die Wirtschaft im Euroraum ist nach dem Corona-Schock zurück in der Wachstumsspur. Darauf deuten die Umfragewerte unter den Chefeinkäufern der Unternehmen hin. So hat der vom Marktforschungsinstitut IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex die Wachstumsschwelle von 50 Punkten überschritten. Damit legt die Eurowirtschaft erstmals seit Februar wieder zu. Konkret stieg der Index von 48,5 Punkten im Juni auf 54,8 Zähler. Damit wurden nicht nur die Analystenerwartungen klar übertroffen. Es handelt sich ausserdem um den höchsten Wert seit gut zwei Jahren. Sowohl in der Industrie als auch unter Dienstleistern besserte sich die Stimmung deutlich. Ähnlich ermutigende Signale kommen auch aus den beiden grössten Volkswirtschaften des Währungsgebietes. Für Deutschland ergab die Umfrage einen Anstieg des Gesamtindexes 47,0 auf 55,5 Punkte, für Frankreich von 51,7 auf 57,6.

Geschäftsklima in Deutschland verbessert sich weiter: Die Stimmung deutscher Unternehmen hat sich im Juli den dritten Monat in Folge aufgehellt. Das Ifo-Geschäftsklima stieg gegenüber dem Vormonat um 4,2 Punkte auf 90,5 Zähler. Im April war der Indikator – belastet durch die Coronavirus-Krise – auf ein Rekordtief von 74,3 Punkte gefallen. Die Unternehmen bewerteten im Juli vor allem ihre Zukunftsaussichten besser. Der entsprechende Indikator stieg 5,4 Punkte auf 97,0 Punkte. Aber auch die Bewertung der aktuellen Lage hellte sich auf. Der Wert legte um 3,2 Punkte auf 84,5 Punkte zu. "Die deutsche Wirtschaft erholt sich schrittweise", lässt sich Ifo-Präsident Clemens Fuest in der Mitteilung zitieren.

Streit über neues Corona-Hilfspaket in USA: Die Republikaner im US-Senat haben ihr Hilfspaket im Umfang von einer Billion US-Dollar vorgestellt. Der Plan sieht eine weitere einmalige Runde an Direktzahlungen in der Höhe von 1200 US-Dollar pro Erwachsenem vor. Bisher galt eine wöchentliche Arbeitslosenhilfe des Bundes von 600 US-Dollar, die letzte Zahlung erfolgte am letzten Wochenende. Um keine falschen Anreize zu setzen soll es gemäss den Republikanern keine Wochenpauschalen mehr geben, sondern Lohnersatzzahlungen in Höhe von 70 Prozent. Über das neue Hilfspaket gibt es jedoch bereits Streit zwischen den Parteien. Die Demokraten werfen den Republikanern vor, ein neues Paket verzögert zu haben. Sie plädieren für ein Hilfspaket im Umfang von drei Billionen US-Dollar, das unter anderem eine Fortsetzung der wöchentlichen Arbeitslosenhilfe des Bundes in Höhe von 600 Dollar beinhaltet. Die Zeit für die Verhandlungen wird allerdings bereits knapp. Ohne neues Paket laufen die meisten Elemente der Sonderhilfen für die Arbeitslosen bis Ende Monat aus und in zwei Wochen beginnt die Sommerpause für den Kongress.

Fokus: Tech-Aktien profitieren von der Krise

Technologie greift in alle Bereiche der Wirtschaft und unseres Lebens ein. Diese Entwicklung hat sich in der derzeitigen Krise noch beschleunigt. Bei Anlegerinnen und Anlegern sind Aktien von Technologie-Firmen sehr beliebt, und die voranschreitende Digitalisierung dürfte dafür sorgen, dass solche Titel auch in Zukunft gefragt bleiben.

Die Coronavirus-Pandemie führte zu einer scharfen Korrektur in der Börsenrally, die seit der Finanzkrise andauert. Panikartige Verkäufe führten dazu, dass der Weltaktien-Index bis Mitte März innert weniger Wochen massiv an Wert verlor. Schon während der Korrektur machten sich zwischen den Branchen Unterschiede bemerkbar: Im Technologie-Sektor und in technologie-nahen Bereichen waren die Verluste deutlich kleiner als anderswo. Und in der anschliessenden Erholung legten Titel von Technologie-Firmen überdurchschnittlich stark zu.

Auf die US-amerikanischen Börsen trifft diese Beobachtung in besonderem Mass zu. Während der Technologie-Index Nasdaq 100 bereits im vergangenen Quartal ein neues Allzeithoch erreichte, erholt sich der breiter gefasste S&P 500 noch vom scharfen Einbruch (siehe Grafik 1).

Der Nasdaq 100 erholt sich schneller als der S&P 500
Der Nasdaq 100 erholt sich schneller als der S&P 500

Quelle: Bloomberg (Werte in US-Dollar, inkl. Dividenden, indexiert)

Technologie-Unternehmen sind heute viel robuster als während der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende. Sie erwirtschaften stabilere Erträge, weil sie ihre Produkte und Dienstleistungen vermehrt im Abo-Modell anbieten, und sie sind konjunkturellen Zyklen weniger stark unterworfen. Mit diesen Eigenschaften gelten sie als Qualitätsunternehmen.

Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google und Co.

Das Akronym FAANG fasst Facebook, Amazon, Apple, Netflix und den Google-Betreiber Alphabet zusammen, die fünf beliebtesten Titel aus dem Technologie-Sektor. In der Krise gewannen alle fünf Titel weiter an Zulauf. Auch bei den chinesischen Technologie-Titeln zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort heissen die Börsen-Lieblinge Baidu, Alibaba und Tencent, kurz BAT.

Im S&P 500 spielen Technologie-Titel seit Jahren eine wichtige Rolle. Weil ihr Gewicht stetig zunimmt, prägen sie zunehmend die Kursentwicklung des gesamten Indexes (siehe Grafik 2).

Das Gewicht der Technologie-Firmen nimmt zu
Das Gewicht der Technologie-Firmen nimmt zu

Quelle: Bloomberg, Anteil der Technologie- und Kommunikationsdienstleister am S&P 500

Aus technischen Gründen nahm das Gewicht der Technologie-Aktien 2018 vorübergehend ab, als die Sektoren neu definiert wurden. Mit Google und Facebook wurden gleich zwei FAANG-Aktien aus dem Technologie-Sektor in einen Sektor verschoben, der in Kommunikationsdienstleistungen umbenannt wurde. Zusätzlich zu diesen beiden Index-Schwergewichten wurden weitere Technologie-Firmen neu klassifiziert. Damit wollten die Index-Betreiber MSCI und S&P Veränderungen der letzten Jahre abbilden. Google und Facebook zum Beispiel haben sich von traditionellen Technologie-Unternehmen zu Werbe-Giganten entwickelt, Amazon mauserte sich zu einem der bekanntesten Nicht-Basiskonsumgüterwerte.

Die Krise verändert unsere Gewohnheiten

In der Corona-Krise haben sich einige Gewohnheiten geändert, und die Digitalisierung beschleunigte sich spürbar. Während vor dem Lockdown erst wenige Menschen zu Hause arbeiteten, wurde das Home-Office praktisch über Nacht zur Normalität. Unternehmen und Arbeitnehmende mussten sich zügig an die neuen Umstände anpassen.

Heute arbeiten unzählige Menschen zu Hause, wo sie Videokonferenzen und andere Hilfsmittel nutzen, um mit Arbeitskollegen und Geschäftspartnern in Kontakt zu bleiben. Damit geht eine steigende Nachfrage nach Notebooks und anderer Hardware einher. Da über Distanz gearbeitet wird, steigt auch die Nachfrage nach zuverlässigen Netzwerken, und die Unternehmen investieren viel in ihre Infrastruktur. Die Lancierung der 5G-Technologie dürfte diesen Trend noch verstärken. Cloud-Dienste und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Sicherheit im Netz werden darum weiter an Bedeutung gewinnen. Cyber Security wird immer wichtiger, um sensible Daten zu schützen.

Nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch im Privatleben ist der Wandel weitreichend. Die Vorteile des Online-Shoppings waren in dieser Gesundheitskrise besonders offensichtlich. Schon vor der Krise hatte der stationäre Handel Jahr für Jahr Marktanteile an Online-Shops verloren, doch diese Entwicklung dürfte sich nun noch beschleunigen. Auch andere Plattformen, die Hausliefer- oder Fahrdienste online anbieten, gehören immer mehr zu unserem Alltag. Erwähnenswert sind auch die stark wachsenden Kundenzahlen von Streaming-Diensten wie Netflix. Diese Entwicklungen bedeuten zwar nicht, dass sich alles ändern wird, aber viele neue Gewohnheiten werden sich wohl dauerhaft etablieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Technologie-Aktien nicht zufälligerweise so beliebt sind. Auch wenn Aktien von Technologie-Unternehmen hoch bewertet sind, bleiben die strukturellen Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum gegeben. Sie dürften die Kurse auch in Zukunft weiter antreiben.

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