Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 20. November 2019

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Die aktuelle Lage

Die schlechten Nachrichten aus der Schweizer Maschinenbau- und metallverarbeitenden Industrie reissen nicht ab. Die Auftragseingänge der im Verband Swissmem zusammengeschlossenen Unternehmen fiel im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um knapp 15 Prozent. Damit verzeichnet die Branche nun bereits fünf Quartale in Folge sinkende Bestellungseingänge. Bemerkenswert sei, dass der Rückgang fast ausschliesslich auf das Konto der Auslandsaufträge geht, welche fast 80 Prozent des Volumens ausmachten, schreibt Swissmem. Der rückläufige Bestellungseingang schlägt auch immer mehr auf die Umsatzentwicklung durch. Im dritten Quartal resultiert hier ein Minus von 7,4 Prozent. Die negative Entwicklung hat sich bisher noch nicht auf die Beschäftigung in der MEM-Industrie ausgewirkt. Diese stieg im ersten Halbjahr um 5000 Stellen auf 325'500 Mitarbeiter.

In der Eurozone ist die Inflation auf ein Dreijahrestief gefallen. Für den Oktober hat das Statistikamt Eurostat einen durchschnittlichen Anstieg der Konsumentenpreise im Vergleich zum Oktober vor einem Jahr von 0,7 Prozent ermittelt. Die schwache Inflation hatte die Europäische Zentralbank im September zu einer Lockerung ihrer bereits sehr expansiven Geldpolitik veranlasst. Neben der Teuerung soll damit auch das schwächelnde Wirtschaftswachstum stimuliert werden.

In den USA ist die Industrieproduktion im Oktober zum zweiten Mal in Folge und zudem unerwartet deutlich zu rückgegangen. Gemäss US-Notenbank lag die Gesamtherstellung in der Industrie 0,8 Prozent niedriger als im Vormonat. Das ist der stärkste Rückgang seit fast eineinhalb Jahren. Analysten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, allerdings nur um 0,4 Prozent. Eine Rolle dürfte der Streik beim grossen Autohersteller General Motors gespielt haben. Die Autoproduktion ging jedenfalls stark zurück.

Aus der chinesischen Wirtschaft kommen weiterhin Schwächesignale. Die Industrieproduktion legte im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar um 4,7 Prozent zu, wie die Regierung mitteilte. Das war allerdings weniger, als Analysten erwartet hatten. Im September war die Industrieproduktion noch um 5,8 Prozent gestiegen. Und auch der Einzelhandelsumsatz blieb mit +7,2 Prozent im Jahresvergleich klar hinter den Erwartungen zurück. Die Investitionen in Sachanlagen – ein wichtiger Indikator dafür, wie die Manager die künftige Wirtschaftsentwicklung einschätzen – erhöhten sich im laufenden Jahr bis Ende Oktober um lediglich 5,2 Prozent. Das ist die geringste Wachstumsrate seit über 20 Jahren.

In Japan werden die Folgen der Handelskonflikte und der weltweiten Konjunkturflaute immer dramatischer. Im Oktober gingen die Ausfuhren das elfte Mal in Folge zurück. Das Minus von 9,2 Prozent fiel dabei deutlich höher aus als zuletzt und als Analysten erwartet hatten. Es war zudem der grösste Rückgang seit drei Jahren.

Deutschland schrammt an Rezession vorbei

Schlittert Europas grösste Volkswirtschaft in eine Rezession? Diese Frage beschäftigte die letzten Wochen und Monate zahlreiche Ökonomen und Wirtschaftsanalysten. Die meisten waren dabei nicht besonders optimistisch angesichts der Herausforderungen durch die Handelskonflikte sowie die Schwierigkeiten in der Automobil- und Maschinenbauindustrie, die einen grossen Anteil am deutschen Wirtschaftswachstum haben.

Jetzt die Entwarnung: Allen Unkenrufen zum Trotz ist die deutsche Wirtschaft in den Sommermonaten gewachsen, wenn auch nur minim.

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stieg das Bruttoinlandprodukt (BIP) im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent (siehe Grafik). Dies nach einem Minus von 0,2 Prozent im zweiten Jahresviertel und einem Plus von 0,5 Prozent zum Jahresauftakt.

Starke Impulse kamen dabei vor allem vom privaten Konsum. Ein Grund: Sehr viele Menschen in Deutschland haben eine Beschäftigung und damit ein Einkommen. Gemäss der Bundesagentur für Arbeit steigt die Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von einem Allzeithoch zum nächsten; die Arbeitslosenquote verharrt mit 4,8 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Aber auch die Bauwirtschaft war eine grosse Stütze.

Tendenziell steigende Tariflöhne dürften den Konsum weiterhin ankurbeln, niedrige Zinsen den Boom in der Bauwirtschaft verlängern.

Reihenweise waren die Prognosen für das BIP-Wachstum für das Gesamtjahr 2019 in den vergangenen Monaten heruntergeschraubt worden. Nun wird ein Wirtschaftswachstum von etwa 0,5 Prozent erwartet. 2018 hatte die deutsche Wirtschaftsleistung noch um 1,5 Prozent zugelegt.

In der Schweiz werden die BIP-Zahlen für das dritte Quartal am 28. November von Staatssekretariat für Wirtschaft veröffentlicht. Im zweiten Quartal 2019 war das BIP um 0,3 Prozent gewachsen und im ersten Quartal um 0,4 Prozent.

Fazit: Deutschland entging knapp einer technischen Rezession. Davon sprechen Ökonomen, wenn sich das BIP zwei Quartale hintereinander negativ entwickelt. Solange die Unsicherheit wegen der Handelskonflikte und der Gefahr eines ungeregelten Brexits anhält, wird das Wirtschaftswachstum gebremst, denn die deutsche Industrie ist stark exportorientiert.

Deutsche Wirtschaft wächst wieder
In Deutschland stieg das BIP im dritten Quartal um 0,1 Prozent.
Deutsche Wirtschaft wächst wieder

Quelle: Statistisches Bundesamt

Im Fokus

Fed-Chef signalisiert erneut Zinspause: Der Präsident der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, hat die Aussicht auf eine Zinspause in den USA bekräftigt. Die derzeitige Geldpolitik bleibe voraussichtlich angemessen, sagte er in der vergangenen Woche vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses. Dies gelte so lange die konjunkturelle Entwicklung in etwa der Erwartung eines weiter moderaten Wachstums, eines robusten Arbeitsmarktes und einer Inflationsrate nahe der anvisierten Zielmarke von zwei Prozent entspreche. Die US-Notenbank hatte zuletzt Ende Oktober das Zielband für den Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 bis 1,75 Prozent gesenkt.

Schwächere Ölnachfrage: Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet wegen der Zunahme von Elektroautos und energiesparenden Fahrzeugen einen starken Rückgang beim Wachstum der Ölnachfrage. Allerdings werde die schwächere Nachfrage voraussichtlich erst ab den 2030er Jahren wirksam werden, heisst es in dem veröffentlichten Jahresbericht der IEA. Für die kommenden fünf Jahre sei dagegen mit einem unverändert starken Wachstum der Nachfrage zu rechnen.

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