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Newsletter vom 6. November 2019

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Die aktuelle Lage

Die Eurozone steckt weiterhin in einer Konjunkturflaute. Für das dritte Quartal hat das europäische Statistikamt Eurostat zwar einen leichten Anstieg des Bruttoinlandprodukts um 0,2 Prozent im Quartalsvergleich ermittelt. Im historischen Vergleich ist das allerdings relativ mager. Dennoch konnte trotz Brexit-Unsicherheit und den Handelskonflikten das Wachstumstempo aus dem zweiten Quartal gehalten werden, was einige Analysten überrascht hat. Auf dem Arbeitsmarkt schlägt sich die Konjunkturschwäche bislang nicht nieder. Die Arbeitslosenquote im Euroraum verharrte im September bei 7,5 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit Sommer 2008.

In besserer Verfassung präsentiert sich die US-Wirtschaft. Wie das US-Handelsministerium mitteilte, wuchs die weltgrösste Volkswirtschaft im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 1,9 Prozent. Das ist nur geringfügig weniger als das Wachstum von 2,0 Prozent, das im zweiten Vierteljahr erzielt wurde. In den USA werden Wachstumszahlen auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben damit an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese Methode verzichtet, weshalb Wachstumszahlen aus den beiden grossen Wirtschaftsräumen nicht unmittelbar miteinander vergleichbar sind.

Auch vom US-Arbeitsmarkt kommen positive Signale. Insgesamt entstanden im Oktober ausserhalb der Landwirtschaft 128'000 neue Jobs. Das war deutlich mehr als von Analysten erwartet wurde. Der grosse Streik beim US-Autohersteller General Motors hat den amerikanischen Arbeitsmarkt damit nicht aus dem Tritt gebracht Die Streikaktivitäten führten zwar zu einer rechnerischen Belastung des Arbeitsmarkts von 42'000 Stellen, weil die streikenden Arbeiter statistisch als Arbeitslose gezählt werden. Dies wurde aber durch einen umso stärkeren Stellenaufbau in anderen Bereichen ausgeglichen. Darüber hinaus fiel der Stellenzuwachs in den beiden Vormonaten merklich höher aus als bisher bekannt.

In China hat sich die Stimmung in den kleinen und mittleren Industriebetrieben überraschend verbessert. Der vom Wirtschaftsmagazin Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im Oktober um 0,3 auf 51,7 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit über zwei Jahren. Der Index, der vor allem kleinere und mittlere Unternehmen erfasst, liegt bereits den dritten Monat in Folge oberhalb der 50-Punkte-Marke und deutet damit auf Wachstum hin. Anders sind dagegen die Signale des staatlichen Stimmungsindikators, der vor allem bei grossen und staatlichen Industriebetrieben ermittelt wird. Dieser liegt weiterhin unter der Wachstumsschwelle (-0,5 auf 49,3 Punkte im Oktober).

Leicht verbesserter Konjunkturausblick in der Schweiz

In der Schweiz lassen wichtige Konjunkturindikatoren auf eine Belebung der zuletzt schwächelnden Wirtschaft hoffen.

Die Stimmung im Industriesektor hatte sich jüngst überraschend verbessert. Der vom Fachverband Procure und der Credit Suisse erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg im Oktober um deutliche 4,9 auf 49,4 Punkte (siehe Grafik). Damit rückt die Wachstumsschwelle von 50 Punkten wieder in Griffweite.

Positive Impulse kamen insbesondere von den wichtigen Subkomponenten Auftragslage und Produktion. Erstere stieg um 8 Punkte auf 49,2 Zähler, die Subkomponente "Produktion" legte um 5,5 Punkte auf 50,4 Zähler zu. Beide Werte sind eine deutliche Verbesserung. Noch im Juli lagen sie auf Mehrjahrestiefständen.

Auch das Barometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH, kurz KOF, signalisiert für den Oktober eine leichte Erholung (+1,6 auf 94,7 Punkte). Verantwortlich für den Anstieg sind die Indikatoren aus dem Bank-, Versicherungs- und dem Gastgewerbe. Das KOF-Konjunkturbarometer notiert trotz des Anstiegs weiterhin unter seinem langjährigen Durchschnittswert.

Der PMI und das KOF-Konjunkturbarometer gelten als die beiden wichtigsten Frühindikatoren für die Schweizer Wirtschaft.

Wie es tatsächlich um die Schweizer Wirtschaft steht, werden die Zahlen zur Entwicklung des Bruttoinlandproduktes für das dritte Quartal zeigen. Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht diese Daten am 28. November.

Fazit: Die negativen Konjunkturaussichten der Schweiz scheinen sich ein wenig aufzuhellen. Insbesondere das Baugewerbe profitiert vom niedrigen Zinsumfeld. Die Auslandsnachfrage erholt sich ein wenig gegenüber dem Vormonat, wofür vor allem die chemisch-pharmazeutische Industrie verantwortlich ist. Vom verbesserten Konjunkturausblick profitieren vor allem kleine und mittelgrosse Unternehmen.

Trendwechsel nach oben?
Sowohl der Einkaufsmanagerindex als auch das KOF-Konjunkturbarometer sind im Oktober gestiegen.
Trendwechsel nach oben?

Quelle: procure.ch, CS, KOF

Im Fokus

Iran provoziert erneut: Der Iran plant einen weiteren Teilausstieg aus dem internationalen Atomabkommen, das die Entwicklung von Nuklearwaffen in der Islamischen Republik verhindern soll. Gemäss Medienberichten sollen in einer Atomanlage des Gottesstaates bislang inaktive Zentrifugen zur Urananreicherung genutzt werden. Die angekündigten Massnahmen lösten international Besorgnis aus und könnten das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe ernsthaft gefährden. Die USA waren im Mai 2018 einseitig aus dem Atomabkommen ausgestiegen, das dem Iran eine friedliche Nutzung der Kernkraft gestattet, aber die Entwicklung von Kernwaffen verwehrt. Die USA wollen den Iran mit harten Sanktionen und einer Politik des "maximalen Drucks" dazu bewegen, einem neuen Abkommen mit härteren Auflagen zuzustimmen und die Unterstützung von Terrorgruppen in der Region einzustellen. Die bisherigen US-Sanktionen haben die wichtige Öl- und Gasförderung des Irans hart getroffen und eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Der Iran fühlt sich in der Folge immer weniger an die Bestimmungen des Atomabkommens gebunden.

Führungswechsel bei der EZB: Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beginnt eine neue Ära. Die Französin Christine Lagarde hat am vergangenen Freitag ihr Amt als EZB-Präsidentin angetreten. Die Juristin und frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds löste Mario Draghi ab, dessen achtjährige Amtszeit am 31. Oktober endete. Lagarde, ehemals französische Wirtschafts- und Finanzministerin, hatte bereits Sympathie für eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik der EZB erkennen lassen. Allerdings kündigte sie an, mögliche negative Folgen und Nebeneffekte des EZB-Kurses genauer in den Blick nehmen zu wollen.

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