Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 30. Oktober 2019

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Die aktuelle Lage

In der Schweiz ist die Abwärtsbewegung der Konjunktur vorerst gestoppt. Darauf deutet zumindest das Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH, kurz KOF, hin. Im Oktober legte das Barometer um 1,6 Punkte auf 94,7 Zähler zu, wie die KOF mitteilte. Es notiert jedoch weiterhin unter seinem langfristigen Durchschnittswert. Verantwortlich für den Anstieg im Berichtsmonat sind gemäss KOF insbesondere Indikatoren aus dem Bank- und Versicherungsgewerbe sowie aus dem Gastgewerbe. Ausserdem würden Indikatoren bezüglich der Auslandsnachfrage und aus dem Dienstleistungsbereich in eine etwas weniger negative Richtung als noch im Vormonat hindeuten. Einen leichten Rückgang verzeichneten hingegen Indikatoren aus dem verarbeitenden Gewerbe.

In Deutschland hat sich die Kauflaune der Bürger wieder eingetrübt. Für November prognostiziert das Marktforschungsinstitut GfK einen Rückgang seines Konsumklima-Barometers um 0,2 auf 9,6 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit etwa drei Jahren. Sowohl die Unterindikatoren zur Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch zur Anschaffungsneigung verzeichneten Rückgänge. Neben den bekannten Risikofaktoren wie globale Konjunkturschwäch, Handelskonflikte und Brexit-Chaos häuften sich Meldungen zum Arbeitsplatzabbau, beispielsweise in der Autoindustrie oder im Finanzmarkt, heisst es in der GfK-Mitteilung.

Die französische Wirtschaft hat ihr Wachstumstempo im dritten Quartal überraschend halten können. Wie das Statistikamt Insee mitteilte, lag die Wirtschaftsleistung (BIP) im Zeitraum Juli bis September 0,3 Prozent höher als im zweiten Quartal. Den Angaben zufolge stand das Wachstum auf breitem Fundament. So weiteten die Konsumenten ihre Ausgaben aus, ebenso so der Staat. Die Investitionen der Unternehmen erhöhten sich ebenfalls. Allein der Aussenhandel belastete das Wachstum. Das aber nur, weil die Importe deutlich stärker zulegten als die Exporte.

Positive News kommen auch aus Italien: Dort hellte sich die Zuversicht der Unternehmen im Oktober etwas auf. Der vom Statistikamt Istat erhobene Index zum Unternehmensvertrauen stieg um 0,6 Punkte auf 99,6 Zähler. Damit entfernt sich das Barometer etwas von seinem im Vormonat erreichten Fünfjahrestief. Die Konsumentenstimmung fiel dagegen um 0,5 Punkte auf 111,7 Zähler. Im Gegensatz zur Unternehmensstimmung befindet sich die Konsumlaune auf wesentlich höherem Niveau.

Stagnation in Eurozone

Der Konjunkturmotor in der Eurozone läuft nicht mehr auf allen Zylindern. Der Einkaufsmanagerindex für das Währungsgebiet steht so tief wie schon lange nicht mehr (siehe Grafik). Doch jüngst hellte sich das Bild etwas auf.

Der vom Forschungsinstitut IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex (kurz PMI; die Abkürzung steht für Purchasing Managers Index) stieg im Oktober gemäss einer Vorabschätzung um 0,1 Punkte auf 50,2 Zähler. Dabei wurde allerdings der Vormonatswert um 0,3 auf 50,1 Punkte nach unten revidiert. Das ist damit der schwächste Wert seit dem wirtschaftlichen Aufschwung in der Eurozone im Sommer 2013 – der aktuelle Wert folgt an zweiter Stelle.

Das beschleunigte Wirtschaftswachstum in Frankreich und die leicht verlangsamte Talfahrt in Deutschland bewahrten die Eurozone im Oktober vor einem Abgleiten in den roten Bereich, heisst es in der Mitteilung von Markit.

Ausschlaggebend für die insgesamt schwache Entwicklung des PMI ist erneut das verarbeitende Gewerbe, wo die Produktion zum neunten Mal hintereinander und ähnlich stark wie im September reduziert wurde. Dieser Bereich steckt gemäss Markit in der tiefsten Krise seit 2012.

Der Dienstleistungssektor wuchs trotz leichter Beschleunigung mit einer der niedrigsten Raten seit Ende 2014, vor allem, weil beim Auftragseingang kaum noch nennenswerte Zuwächse verbucht wurden.

Fazit: Zur Stabilisierung des Einkaufmanagerindexes beigetragen haben entschärfende Signale bezüglich des Handelsstreits zwischen USA und China sowie des Brexits. Doch nach wie vor befindet sich die Wirtschaft in der Eurozone nahe einer Stagnation. Damit dürfte das Wirtschaftswachstum im Währungsgebiet im vierten Quartal lediglich moderat ausfallen.

Einkaufsmanagerindex für die Eurozone
Der Markit-PMI konnte sich im Oktober von der 50-Punkte-Linie leicht nach oben absetzen. Die Lage im verarbeitenden Gewerbe bleibt derweil angespannt.
Einkaufsmanagerindex für die Eurozone

Quelle: Bloomberg

Im Fokus

Bitcoin mit stärkstem Rally seit eineinhalb Jahren: Der Bitcoin sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. Über das Wochenende schoss der Kurs der bekanntesten und wichtigsten Kryptowährung um rund ein Drittel auf fast 10'000 US-Dollar in die Höhe. Das war das stärkste Rally seit eineinhalb Jahren. Für den Kursschub werden die Pläne der chinesischen Regierung verantwortlich gemacht, den Einsatz der den Kryptowährungen zugrundeliegenden Blockchain-Technologie für grenzüberschreitende Finanztransaktionen zu prüfen. Die Nachrichtenagentur Xinhua zitierte Staatschef Xi Jinping, dass Blockchain eine "wichtige Rolle in der nächsten Runde der technologischen Innovation und industriellen Transformation spielen wird". Der Wert eines Bitcoin hat sich im laufenden Jahr mehr als verdoppelt. Von den Höchstständen um 20'000 US-Dollar, die um den Jahreswechsel 2017/2018 herum erreicht wurden, ist der Kurs aber noch weit entfernt.

Schnabel dürfte das Rennen machen um den freien Sitz im EZB-Direktorium: Nach und nach sickert durch, wer die Lücke der Deutschen Sabine Lautenschläger im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) schliessen soll. Wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten, soll die renommierte Ökonomin Isabel Schnabel für die Ende Oktober zurücktretende Lautenschläger nachrücken. Zu den Forschungsschwerpunkten der 48jährigen Schnabel zählen die Bankenregulierung und Finanzkrisen. Die gebürtige Dortmunderin hatte zuletzt die EZB-Geldpolitik gegen die häufig scharfen Angriffe aus Deutschland verteidigt. Lautenschläger hingegen gilt als Kritikerin der lockeren Geldpolitik. Sie hatte nach der Wiederaufnahme der Anleihenkäufe durch EZB überraschend ihren vorzeitigen Rücktritt bekanntgeben. Gute Chancen wurden ursprünglich auch der Vizepräsidentin der Bundesbank, Claudia Buch, nachgesagt. Traditionell besetzen Deutschland, Frankreich und Italien jeweils eine Position in dem sechsköpfigen EZB-Direktorium, welches die geldpolitischen Beschlüsse vorbereitet.

Peronisten übernehmen wieder die Macht in Argentinien: Für Argentiniens wirtschaftsfreundlichen Staats- und Regierungschef Mauricio Macri ist nach einer Amtszeit Schluss. Er unterlag bei der Präsidentschaftswahl am Wochenende dem Mitte-Links-Kandidaten Alberto Fernández. Dem Reformkandidaten Macri ist es nicht gelungen, die Wirtschaftskrise abzuwenden. Die Inflationsrate liegt bei über 50 Prozent. Neue Vizepräsidentin wird Macris direkte Vorgängerin Cristina Kirchner, die von 2007 bis 2015 regiert hatte. Sie und Fernández sind sogenannte Peronisten, gehören also der sogenannten Justizialistischen Partei an, die einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus sucht. Seit ihrer Gründung durch Juan Perón im Jahr 1946 hat die Partei die meisten demokratisch gewählten Präsidenten Argentiniens gestellt.

Russische Notenbank schraubt Leitzins erneut zurück: Die russische Notenbank hat ihren Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf 6,50 Prozent gesenkt. Die mittlerweile vierte Zinssenkung im laufenden Jahr wurde zwar erwartet. Da die Zinssenkungen zuvor um jeweils einen Viertelprozentpunkt erfolgt waren, ist dieser grosse Zinsschritt aber doch eher eine Überraschung. Da die Inflationsrate im Oktober unter die angepeilte Marke von vier Prozent gefallen war und die Prognosen für das Wirtschaftswachstum nochmals nach unten korrigiert wurden, erwägt die Notenbank noch weitere Zinssenkungen. Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank befinden sich wieder im Lockerungsmodus, was Schwellenländern wie Russland mehr Spielraum gibt.

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