Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 23. Oktober 2019

Informieren Sie sich jede Woche aktuell über die neuesten Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Die aktuelle Lage

Die Schweizer Exporte haben im September wieder zugelegt, nachdem die Ausfuhren in den beiden Vormonaten auf hohem Niveau rückläufig gewesen waren. Gegenüber dem Vormonat resultiert ein Anstieg (nominal) um 8,2 Prozent, hat die Eidgenössische Zollverwaltung ermittelt. Im dritten Quartal stiegen die Ausfuhren damit um 0,9 Prozent. Für diesen Zuwachs ist die Chemie- und Pharmabranche verantwortlich, die rund die Hälfte zum Export der Schweiz beiträgt. Hier resultiert ein Plus von 2,7 Prozent. Der zweitwichtigste Exportzweig, die Maschinen- und Elektronikindustrie, verzeichnete dagegen einen Exportrückgang von 3,0 Prozent. Insgesamt standen im dritten Quartal Exporten von 58,7 Milliarden Franken Importen von 52,8 Milliarden gegenüber – beides sind für ein einzelnes Quartal Rekordwerte. In der Handelsbilanz der Schweiz ergibt sich damit ein Überschuss von 5,93 Milliarden Franken.

In Frankreich trübte sich die Stimmung in den Unternehmen im Oktober leicht ein. Der vom Statistikamt Insee erhobene Geschäftsklimaindex sank um einen Punkt auf 105 Zähler. Belastet wurde die Unternehmensstimmung durch die Industrie. Der entsprechende Indikator fiel um drei Punkte auf 99 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. Die globale Industrie leidet derzeit unter den zahlreichen Handelskonflikten. In den übrigen Sektoren – Dienstleistungen, Einzelhandel und Bau – blieb die Stimmung dagegen konstant.

In den USA ist die Industrieproduktion im September wieder gesunken. Die US-Notenbank hat einen Rückgang um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gemessen. Damit ist der Rückgang etwas deutlicher ausgefallen als von Analysten im Durchschnitt erwartet. Zugleich wurde aber der Anstieg im Vormonat von 0,6 auf 0,8 Prozent nach oben revidiert. Das war somit der stärkste Zuwachs seit einem Jahr.

In Japan ringen die Exportunternehmen weiter mit den Folgen internationaler Handelskonflikte und der weltweiten Konjunkturflaute. Im September sind die Ausfuhren gemäss Daten des Finanzministeriums in Tokio um 5,2 Prozent gesunken. Das ist der mittlerweile zehnte Rückgang in Folge. In Zahlen ausgedrückt wirkten sich die Handelsdispute folgendermassen aus: Die Exporte nach China sanken im September im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent, die in die USA um 7,9 Prozent und jene nach Südkorea um fast 16 Prozent. Unter den Branchen waren vor allem die Ausrüster der besonders konjunktursensiblen Halbleiterunternehmen und Autohersteller stark betroffen.

Chinas Wachstum schwächt sich ab – ist aber auf Zielkurs

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich etwas deutlicher verlangsamt als erwartet. Im dritten Quartal legte die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt nur noch um 6,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu (siehe Grafik).

Das nationale Statistikamt in Peking führt den Handelskrieg zwischen China und den USA, die Verunsicherung von Investoren und die Bemühungen der Regierung, gegen die wachsende Verschuldung anzugehen als Gründe für die – für chinesische Verhältnisse – schwache Dynamik an.

Ökonomen hatten für das dritte Quartal eigentlich mit einem Plus von 6,1 Prozent gerechnet. Allerdings ist nicht nur in den USA und weltweit die Nachfrage nach Waren "Made in China" stärker als erwartet zurückgegangen – auch die Binnennachfrage wird schwächer.

Das Wachstum für die drei Quartale zusammen liegt mit 6,2 Prozent im unteren Bereich der Zielvorgabe der Regierung, die für das Gesamtjahr eine Bandbreite von "6,0 bis 6,5 Prozent" in Aussicht gestellt hat.

Im ersten Quartal waren noch 6,4 und im zweiten 6,2 Prozent erreicht worden – damals der tiefste Wert seit fast drei Jahrzehnten. 2018 hatte Chinas Wirtschaft noch um 6,6 Prozent zugelegt.

Fazit: China ist trotz des schwächeren BIP-Wachstums weiterhin auf Zielkurs, um die angepeilten Wachstumszahlen zu erreichen. Mit einer weiteren Abschwächung in den nächsten Quartalen ist jedoch zu rechnen. Die Zentralregierung hält sich derweil mit Stimulusmassnahmen zurück. Da der Konsum 60 Prozent des BIP ausmacht, wären Massnahmen wie die Senkung der Einkommenssteuer wirkungsvoll. Gegenüber dem Handelskonflikt bleibt China weiterhin exponiert.

BIP-Wachstum büsst weiter an Dynamik ein
Von den früheren Wachstumsraten kann die chinesische Regierung derzeit nur träumen.
BIP-Wachstum büsst weiter an Dynamik ein

Quelle: Bloomberg

Im Fokus

Eurozone verringert Schuldenquote: Die 19 Länder der Eurozone haben ihre Verschuldung im vergangenen Jahr relativ zur Wirtschaftsleistung verringern können. Wie aus Zahlen des Statistikamts Eurostat hervorgeht, fiel die Staatsverschuldung von 87,8 auf 85,9 Prozent. In absoluten Zahlen nahm die Staatsverschuldung jedoch zu, und zwar um gut 100 Milliarden auf 9,93 Billionen Euro. Der Rückgang im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung liegt daran, dass das Bruttoinlandprodukt stärker gestiegen ist als die Verschuldung. Die höchste relative Verschuldung wiesen im Jahr 2018 Griechenland (181,2 Prozent zum BIP), Italien (134,8) und Portugal (122,2) auf. Die niedrigsten Schuldenquoten erzielten Estland (8,4) und Luxemburg (21,0).

Deutsche Bundesbank erwartet keinen Wirtschaftseinbruch: Derzeit ist viel über einen möglichen Absturz der deutschen Wirtschaft zu lesen. Die Ökonomen der Deutschen Bundesbank teilen diese Schwarzmalerei nicht. Zwar könnte sich die Wirtschaftsleistung wegen des Abschwungs in der exportorientierten Industrie im dritten Vierteljahr 2019 "nochmals leicht verringert haben", schreibt die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. "Eine Rezession im Sinne eines deutlichen, breit angelegten und länger anhaltenden Rückgangs der Wirtschaftsleistung bei unterausgelasteten gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten zeichnet sich bislang aber nicht ab." Die Bundesbank hatte bereits in früheren Publikationen darauf hingewiesen, dass sie einen leichten Rückgang des Bruttoinlandprodukts im Sommer als Teil einer konjunkturellen Normalisierung werten würde, weil es zuvor eine Phase der wirtschaftlichen Überauslastung gegeben habe.

Draghis letzter Auftritt: Am morgigen Donnerstag tritt das Direktorium der Europäischen Zentralbank zu ihrem monatlichen Meeting zusammen. Zum letzten Mal wird EZB-Präsident Mario Draghi die Sitzung leiten, dessen achtjährige Amtszeit im Oktober endet. Der Italiener übernahm im November 2011 die Präsidentschaft der EZB vom Franzosen Jean-Claude Trichet. Nachfolgerin von Draghi wird die ehemalige französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde, die zuletzt als Direktorin des Internationalen Währungsfonds tätig war. Lagarde hatte mehrmals durchblicken lassen, dass sie die lockere Geldpolitik Draghis im Grossen und Ganzen fortsetzen möchte.

Diese Seite teilen