Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 16. Oktober 2019

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Die aktuelle Lage

In der Schweiz sind die Produzentenpreise leicht gesunken. Der Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise (PPI) gab im September im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent nach, wie das Bundesamt für Statistik mitteilte. Im Vergleich zum September des Vorjahres liegt das Preisniveau nun 2,0 Prozent tiefer. Der PPI gilt als Vorlaufindikator für die Entwicklung der Konsumentenpreise, da die Kosten der Produktion normalerweise auf die Konsumentenpreise abgewälzt werden. Er hat allerdings deutlich höhere Ausschläge bzw. ist aufgrund der hohen Abhängigkeit von Rohstoffen viel volatiler.

In Deutschland haben sich die Konjunkturerwartungen der Finanzexperten nicht so stark eingetrübt wie befürchtet. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bildete sich im Oktober um 0,3 auf minus 22,8 Punkte zurück. Analysten hatten im Durchschnitt ein Abgleiten auf minus 26,4 Punkte prognostiziert. Deutlich verschlechtert hat sich hingegen die Beurteilung der aktuellen Lage. Der entsprechende Indikator sank um 5,4 auf minus 25,3 Punkte. Dies ist der niedrigste Wert seit dem Frühjahr 2010. Auch die vom ZEW erhobenen Werte für die Eurozone haben sich verschlechtert. So gab der Indikator für die Konjunkturerwartungen um 1,1 auf minus 23,5 Punkte nach und jener für die Beurteilung der aktuellen Lage fiel sogar um 10,8 auf minus 26,4 Punkte zurück.

In der Eurozone haben die Industrieunternehmen ihre Produktion im August gesteigert. Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat lag die Gesamtproduktion 0,4 Prozent höher als im Vormonat. Besonders deutlich stieg die Erzeugung von Investitionsgütern. Sie legte um 1,2 Prozent zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging die Gesamtproduktion aber um 2,8 Prozent zurück.

In den USA hat sich die Kauflaune der Bevölkerung überraschend und deutlich aufgehellt. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima stieg im Oktober um 2,8 auf 96,0 Zähler, wie die Universität laut einer ersten Schätzung mitteilte. Analysten hatten dagegen mit einem Rückgang auf 92,0 Punkte gerechnet. Der Privatkonsum leistet in den USA einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum.

Chinesischer Dienstleistungssektor zeigt Schwäche

In China hat sich die Geschäftstätigkeit innerhalb der wichtigen Dienstleistungsbranche verlangsamt. An den Finanzmärkten gibt das zu reden, denn der Dienstleistungssektor ist für etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung Chinas verantwortlich.

Der vom Wirtschaftsmagazin Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex ist zwar im September zum vierten Mal in Folge gestiegen (siehe Grafik graue Linie). Der Wermutstropfen: Im wichtigen Dienstleistungssektor hat sich die Stimmung aber unerwartet deutlich eingetrübt (hellblaue Linie). Der Subindex fiel mit 51,3 Punkten gar auf den tiefsten Stand seit Februar.

Der Subindex für das verarbeitende Gewerbe hingegen verzeichnete den vierten Anstieg in Folge. Notierte er in den Monaten Juni und Juli noch unter der als Wachstumsschwelle definierten Marke von 50 Punkten, so steht er mit aktuell 51,4 Punkten auf dem höchsten Niveau seit über einem Jahr. Das ist insofern bemerkenswert, da die PMI für das verarbeitende Gewerbe sowohl in der Eurozone als auch in den USA seit einiger Zeit unter 50 Punkte notieren – und damit auf eine wirtschaftliche Kontraktion im Industriesektor hindeuten.

Viele Investoren warten nun gespannt auf die Wachstumszahlen für das dritte Quartal, welche diesen Freitag veröffentlicht werden. Im zweiten Quartal hatte sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts mit 6,2 Prozent auf den tiefsten Wert seit fast drei Jahrzehnten abgeschwächt. Und zwischen Juli und September dürfte das Wirtschaftswachstum erneut an Dynamik eingebüsst haben.

Fazit: Während im Industriesektor die Handelsstreitigkeiten und die abkühlende Weltwirtschaft als Gegenwind wirken, sah die Situation im Dienstleistungssektor bislang deutlich optimistischer aus. Die jüngste Abschwächung steigert den Druck auf die chinesische Regierung, marktstützende Massnahmen wie Steuersenkung umzusetzen. Die weiterhin verhaltene Entwicklung der Kerninflation lässt auch weitere Zinssenkungen als Handlungsoption offen.

Die Entwicklung des Caixin-Einkaufsmanagerindexes
Die Geschäftsaktivität hat sich bei den chinesischen Dienstleistern im September verlangsamt.
Die Entwicklung des Caixin-Einkaufsmanagerindexes

Quelle: Bloomberg

Im Fokus

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Starke Differenzen im EZB-Rat: Im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat es bei den jüngsten geldpolitischen Entscheidungen erhebliche Differenzen zwischen den Mitgliedern gegeben. Darüber wurde bereits in den Medien spekuliert. Das vor wenigen Tagen veröffentlichte Protokoll der Ratssitzung vom 11. und 12. September bestätigt dies. Wie aus dem Dokument hervorgeht, hätten die Meinungen bei verschiedenen Elementen des umfangreichen Massnahmenpakets zur Lockerung der Geldpolitik weit auseinandergelegen. Der Widerstand innerhalb des Gremiums zielte vor allem gegen den Beschluss, ab November Anleihen in einem Volumen von monatlich 20 Milliarden Euro zu kaufen. So hatten die Notenbankchefs aus Deutschland, Frankreich, der Niederlande, Österreich und Estland nach der Sitzung ihre Ablehnung deutlich gemacht. Laut Medienberichten waren auch die Direktoriumsmitglieder Benoit Coeure und Sabine Lautenschläger dagegen. Lautenschläger ist mittlerweile von ihrem Posten zurückgetreten. Aus dem Protokoll der EZB-Sitzung geht aber auch hervor, dass die Entscheidung zu den Anleihenkäufen letztendlich mit einer "breiten Mehrheit" gefallen sei.

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