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Newsletter vom 9. Oktober 2019

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Die aktuelle Lage

Die Schweizer Wirtschaft bremst ab. Nun hat die Konjunkturforschungsstelle der ETH, kurz KOF, ihre Prognosen für die konjunkturelle Entwicklung für das laufende sowie das kommende Jahr gesenkt. Neu rechnen die KOF-Ökonomen für 2019 mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 0,9 Prozent, nachdem sie im Sommer noch ein Plus von 1,6 Prozent erwartet hatten. Für 2020 senkten sie ihre Wachstumsprognose auf +1,9 Prozent nach bisher +2,3 Prozent. In den vergangenen Wochen hatten u.a. bereits die Ökonomen des Bundes (Seco) sowie der Nationalbank ihre Prognosen nach unten revidiert. Im Tenor wird die Prognosesenkung mit der globalen Konjunkturabschwächung begründet, der sich die Schweiz als offene Volkswirtschaft nicht entziehen kann.

Die deutsche Industrie hat sich im August nach jüngsten Produktionsrückgängen überraschend gefangen. Die Gesamtherstellung stieg im Monatsvergleich gemäss Angaben des Statistischen Bundesamts um 0,3 Prozent. Zuvor war die Produktion im Juli und im Juni jeweils gesunken. Weiter schwach zeigte sich dagegen die Entwicklung im Jahresvergleich. In dieser Betrachtung schrumpfte die Gesamtherstellung im August um 4,0 Prozent und lieferte damit den zehnten Rückgang in Folge. Als Hauptgründe für die Flaute in der stark vom Export abhängigen deutschen Industrie gelten die schwächere Weltwirtschaft und internationale Handelskonflikte. Angespannt bleibt die Situation bei den Auftragseingängen. Im August gingen die Bestellungen bei den Industriebetrieben im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent zurück, gegenüber dem Vorjahresmonat resultiert ein Minus von 6,7 Prozent.

In der Eurozone hat sich die Stimmung unter Profianlegern im Oktober wieder verschlechtert. Der vom Analysehaus Sentix erhobene Stimmungsindikator bildete sich um 5,7 Punkte auf minus 16,8 Zähler zurück, nachdem er sich noch im September leicht erholt hatte. Gemäss Sentix ist der Index nun auf den tiefsten Stand seit April 2013 abgerutscht. "Den Notenbankern ist es mit den bisherigen Massnahmen nicht gelungen, die Abwärtsspirale zu durchbrechen", lässt sich Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy in der Mitteilung zitieren. Der Indexwert basiert auf einer Umfrage unter knapp 1000 europäischen Anlegern.

Das Defizit in der Handelsbilanz der USA mit dem Rest der Welt hat sich nach einem Rückgang im Juli im August wieder ausgeweitet. Der Fehlbetrag stieg gegenüber dem Vormonat um 0,9 Milliarden auf 54,9 Milliarden US-Dollar, wie das Handelsministerium mitteilte. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2018 lag der Monatsdurchschnitt bei 53 Milliarden, 2017 bei 46 Milliarden. Das grösste Defizit verzeichnen die USA im Handel mit China, auch wenn es sich im August erneut verringerte (um 1,0 Milliarden auf 31,8 Milliarden US-Dollar).

US-Arbeitsmarkt hält sich gut

Vom US-Arbeitsmarkt kommen gemischte Signale. Einerseits wurden im September weniger neue Arbeitsplätze geschaffen als erwartet, andererseits ist die bereits tiefe Arbeitslosenquote weiter gesunken (siehe Grafik).

Konkret entstanden in der US-Wirtschaft 136'000 neue Stellen, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Ökonomen hatten dagegen im Durchschnitt etwa 10'000 Stellen mehr erwartet. Allerdings war der Stellenzuwachs in den beiden Vormonaten stärker als bislang bekannt. So wurden im Juli und August insgesamt 45'000 Jobs mehr geschaffen als zuvor ausgewiesen.

Die Arbeitslosenquote verringerte sich zeitgleich um 0,2 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent und fiel damit auf den tiefsten Stand seit 50 Jahren. Auf den aktuellen, bereits sehr niedrigen Ständen stellt dies eine deutliche Überraschung dar.

Auch wenn sich die US-Wirtschaft damit praktisch im Modus der Vollbeschäftigung befindet, bleibt der Lohndruck im historischen Vergleich schwach. Im September haben die Löhne und Gehälter gegenüber dem Vormonat sogar stagniert. Im Jahresvergleich resultiert hingegen ein Anstieg um 2,9 Prozent.

Fazit: Wo liegt die Wahrheit nun tatsächlich: Beim überraschend starken Rückgang der Arbeitslosigkeit oder bei der schwachen Anzahl der neu geschaffenen Stellen? Wahrscheinlich irgendwo dazwischen: Bei solch tiefen Arbeitslosenraten ist es schwieriger im grossen Umfang neue Stellen zu besetzen, da qualifizierte Arbeitnehmer nur schwer zu finden sind. Zudem darf nicht vergessen werden, dass der Arbeitsmarkt ein nach- und kein vorlaufender Indikator der Konjunkturentwicklung ist.

Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt
In den USA ist die Arbeitslosenquote im September gesunken, der Stellenaufbau war jedoch schwach.
Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt

Quelle: Bureau of Labour Statistics

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