Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 11. September 2019

Informieren Sie sich jede Woche aktuell über die neuesten Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Die aktuelle Lage

Die Schweizer Wirtschaft kann sich dem schwierigen internationalen Umfeld nicht entziehen. So hat sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) wie erwartet im zweiten Quartal abgeschwächt. Konkret resultierte gemäss Daten des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) in der Periode von April bis Juni 2019 gegenüber dem Vorquartal noch ein BIP-Wachstum von 0,3 Prozent. Auffallend ist, dass massgeblich der Industriesektor für diesen Anstieg verantwortlich ist. Denn europaweit zeigt sich die Industrie stark angeschlagen. In der Schweiz stützte aber einmal mehr die robuste Entwicklung in der wichtigen Pharma- und Chemieindustrie das BIP. Das Wachstum im ersten Quartal fiel schwächer aus als bislang bekannt. Das Seco hat das BIP-Wachstum von 0,6 auf 0,4 Prozent revidiert, was ebenfalls auf eine klare Verlangsamung des Wachstums hindeutet.

Die deutsche Industrie steht derweil weiter im Gegenwind. Das Auftragsvolumen ging im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent zurück, teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit beschleunigte sich der Rückgang im Vergleich zum Juni und fiel zudem stärker aus als Experten erwartet hatten. Auch die Produktion fiel im Juli erneut tiefer aus. Die Gesamtherstellung lag 0,6 Prozent unter dem Niveau vom Juni. Das ist der zweite Rückgang in Folge.

In der Eurozone hat sich die Anlegerstimmung im September nach drei Rückschlägen in Folge etwa erholt. Der vom Analysehaus Sentix erhobene Konjunkturindikator stieg um 2,6 Punkte auf minus 11,1 Zähler. Im August war der Stimmungsindikator noch auf den tiefsten Stand seit Oktober 2014 gefallen. Der Indexwert basiert auf einer Umfrage unter 922 europäischen Profianlegern.

Über der US-Industrie, die sich bislang in besserer Verfassung zeigte als jene in Europa, ziehen nun offenbar auch dunkle Wolken auf. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) sank im August um 2,1 Punkte auf 49,1 Zähler. Das ist nicht nur der tiefste Stand seit Januar 2016. Ein Wert von unter 50 Punkten deutet daraufhin, dass die wirtschaftliche Expansion zum Stillstand gekommen ist. Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Zwar erwirtschaftet die amerikanische Industrie einen wesentlich kleineren Teil als der deutlich grössere Dienstleitungssektor, für den der Index einen Wert von weiterhin deutlich über 50 Punkten anzeigt. Allerdings hängt das Geschäft vieler Dienstleiter vom Zustand der Industrie ab.

Signalisiert US-Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung oder Schwäche?

Der US-Arbeitsmarkt hat sich im August etwas schwächer entwickelt als von den meisten Ökonomen erwartet. Insgesamt darf die Lage am Arbeitsmarkt in der grössten Volkswirtschaft der Welt aber als weiterhin solide bezeichnet werden.

Die Arbeitslosenquote verharrte im August bei tiefen 3,7 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Im April und Mai lag die Quote mit 3,6 Prozent auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahrhundert. Die Partizipationsrate konnte sogar leicht zulegen.

Im August sind 130'000 neue Arbeitsplätze entstanden. Erwartet wurden im Mittel jedoch 160'000 neue Jobs. Zudem fiel der Stellenaufbau in den Vormonaten Juni und Juli schwächer aus als bislang bekannt.

Diese Entwicklung könnte auf eine Verschlechterung hindeuten – insbesondere, wenn die Entwicklung in den vergangenen Monaten mit einbezogen wird (siehe Grafik).

Die Kardinalsfrage ist nun: Zeigt der jüngste Trend bei dem Jobaufbau nach unten, weil die US-Wirtschaft Vollbeschäftigung erreicht hat, oder weil die Wirtschaft schwächelt, und die Unternehmen deshalb weniger Leute einstellen als früher?

In einer Volkswirtschaft, in der bereits nahezu Vollbeschäftigung herrscht, nimmt die Dynamik von neu geschaffenen Stellen ab. Die robusten Zahlen zur Arbeitslosenquote und Partizipationsrate sind erste Indizien für eine Vollbeschäftigung, und wohl weniger als Zeichen einer Schwäche zu lesen. Auch der Umstand, dass die durchschnittlichen Stundenlöhne stärker steigen, als in der jüngeren Vergangenheit, deutet in diese Richtung.

Erst in einigen Monaten oder Quartalen gibt es Gewissheit, ob Vollbeschäftigung tatsächlich erreicht ist. Dies lässt sich meist daran ablesen, dass die Inflation aufgrund höherer Arbeitskosten steigt.

Neu geschaffene Stellen in den USA
Die US-Wirtschaft schafft weiterhin neue Arbeitsplätze, auch wenn sich die Dynamik zuletzt etwas abschwächte.
Neu geschaffene Stellen in den USA

Quelle: Bureau of Labor Statistics; Jobs ausserhalb der Landwirtschaft

Im Fokus

US-Handelsdefizit wird kleiner: Der Fehlbetrag in der Handelsbilanz der USA mit dem Rest der Welt hat sich im Juli weiter verringert. Gemäss dem US-Handelsministerium schrumpfte das Defizit im Vergleich zum Vormonat um 1,5 Milliarden auf minus 54 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2018 lag der Monatsdurchschnitt bei 53 Milliarden, 2017 bei 46 Milliarden. Das grösste Defizit verzeichnen die USA im Handel mit China, auch wenn es sich im Juli um 0,5 Milliarden auf 29,6 Milliarden US-Dollar verringerte. US-Präsident Das stört US-Präsident Donald Trump, der einen ausgewogenen Handel anstrebt.

Chinas Notenbank lockert Geldpolitik: Chinas Notenbank stemmt sich gegen die schwächelnde Wirtschaft und lockert mitten im Handelsstreit mit den USA ihre Geldpolitik. Der Mindestreservesatz wird um 0,5 Prozentpunkte auf 13,0 Prozent reduziert. Für einige Banken fällt der Satz in zwei Schritten sogar um insgesamt einen ganzen Prozentpunkt. Der Mindestreservesatz gibt vor, welchen Anteil ihrer Einlagen die chinesischen Banken bei der Notenbank deponieren müssen. Je niedriger der Satz, desto mehr Kredite können die Banken für Konsum und Investitionen vergeben. Es ist das dritte Mal in diesem Jahr, dass die Notenbank den Satz reduziert.

Schwedische Zentralbank schert aus der Reihe: Im Gegensatz zu vielen anderen Notenbanken bekräftigte die schwedische Zentralbank, ihren Leitzins bald anheben zu wollen. Konkret kündigte die Zentralbank an, Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres einen Zinsschritt nach oben zu tun. Derzeit liegt der Leitzins bei minus 0,25 Prozent. Es ist allerdings fraglich, ob die schwedische Zentralbank an diesem Vorhaben festhalten wird, wenn die EZB diesen Donnerstag im Anschluss an ihre geldpolitische Sitzung ein grösseres Stimulierungsprogramm verkündet. In diesem Fall dürfte der Euro ab- und die schwedische Krone aufwerten, was für die schwedische Exportwirtschaft eine erhebliche Belastung wäre. Ähnlich wie die Schweizerische Nationalbank ist die schwedische Zentralbank stark abhängig von der Geldpolitik im Euroraum.

Diese Seite teilen