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Newsletter vom 4. September 2019

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Die aktuelle Lage

In der Eurozone bleibt die Inflation schwach. Für den August hat das Statistikamt Eurostat einen Anstieg der Konsumentenpreise im Vergleich zum Vorjahr von 1,0 Prozent ermittelt. Damit verharrte die Teuerungsrate auf dem Niveau vom Juli. Die weniger schwankungsanfällige Kerninflation, die als Orientierungsgrösse für den Inflationstrend gilt und auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) stark beachtet wird, entwickelte sich mit +0,9 Prozent ebenfalls stabil zum Vormonat. Wegen der ungewöhnlich schwachen Inflation und der sich abschwächenden Konjunktur prüft die EZB derzeit eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik. Am 12. September steht die nächste EZB-Sitzung an: die letzte mit Mario Draghi als Präsident. Ab November übernimmt Christine Lagarde das EZB-Präsidium.

Auch in den USA hinkt die Inflation dem Notenbankziel hinterher, wenn auch nicht so deutlich wie im Euroraum. Gemessen an dem von der US-Notenbank Fed bevorzugten Inflationsmass PCE stiegen die Konsumentenpreise im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,4 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte. Die Kerninflation betrug 1,6 Prozent. Derzeit blickt die Fed vor allem auf die Entwicklung des Handelsstreits zwischen den USA und China, weil sie davon ausgehende Bremseffekte für die Konjunktur befürchtet. Wegen derartiger Risiken hat die Notenbank ihren Leitzins Ende Juli bereits gesenkt. Weitere Reduzierungen sind möglich.

In China gibt es einen Hoffnungsschimmer für die zuletzt schwache Stimmung im Industriesektor. Der vom Wirtschaftsmagazin Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex stieg im August überraschend auf 50,4 Punkte. Damit liegt der Index, der vor allem die kleineren und mittelgrossen Unternehmen erfasst, wieder über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Werte oberhalb dieser Marke signalisieren ein Wachstum in der Industrie, während Werte unterhalb ein Schrumpfen andeuten. Etwas anders sieht allerdings die Lage bei den grossen und staatlichen Industriebetrieben aus. Der vor allem bei diesen Unternehmen ermittelte Indikator ging im August weiter zurück, und zwar um 0,2 Punkte auf 49,5 Zähler. Dabei handelt es sich um den vierten Rückgang in Folge.

Die Industriebetriebe in Japan haben ihre Produktion im Juli überraschend deutlich hochgefahren. Der Anstieg betrug 1,3 Prozent, wie Regierungsdaten zeigen. Analysten hatten im Durchschnitt ein Zuwachs von lediglich 0,3 Prozent veranschlagt. Im Juni war die stark vom Export abhängige Produktion noch um 3,3 Prozent eingebrochen.

Gedämpfter Konjunkturausblick in der Schweiz

Für die Schweizer Wirtschaft dürften die kommenden Monate nicht einfacher werden. Mit dem Einkaufsmanagerindex PMI und dem Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH, kurz KOF, deuten zwei der wichtigsten vorlaufenden Makroindikatoren auf eine eher trübe Stimmung in der Schweizer Industrie hin (siehe Grafik).

Der PMI ist im August zwar um 2,5 auf 47,2 Zähler gestiegen, teilte die Credit Suisse mit, die den Index gemeinsam mit dem Einkaufsfachverband procure.ch erhebt. Die Marke von 50 Punkten, die als Wachstumsschwelle definiert ist, wurde aber zum fünften Mal in Folge unterschritten. Das deutet auf eine rückläufige Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin.

Obwohl sich der PMI im August gefangen habe, stimme der Blick auf die Subkomponenten der PMI-Umfrage nur bedingt zuversichtlich und lasse keine rasche Trendwende erwarten, führte die Credit Suisse aus.

Das KOF Konjunkturbarometer wiederum verharrte im August bei 97,0 Zählern. Dies signalisiert, dass sich die Schweizer Wirtschaft weiterhin unter ihrem Potenzialwachstum bewegt, welches bei einem Indexstand von 100 Punkten liegt.

Fazit: Die Schweiz kann sich der Verlangsamung der globalen Konjunktur nicht entziehen. Das generelle unsichere Umfeld, die schwache Konjunktur in den Abnehmerländern von Schweizer Industrieprodukten und der starke Franken belasten. Der binnen- und konsumorientierte Dienstleistungssektor bleibt wohl vorerst die Stütze des Schweizer Wirtschaftswachstums.

Einkaufsmanagerindex und KOF Konjunkturbarometer
Die Schweizer Wirtschaft steht zunehmend im Gegenwind. Darauf deuten der Einkaufsmanagerindex und das KOF Konjunkturbarometer hin.
Einkaufsmanagerindex und KOF Konjunkturbarometer

Quelle: procure.ch, CS, KOF

Im Fokus

Notenbanker am Drücker: Die kommenden zwei Wochen dürften spannend werden. Bei der nächsten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 12. September gilt eine Senkung des Einlagesatzes zwar als komplett eingepreist. Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet sogar einen Doppelschritt von 20 Basispunkten (auf -0,6 Prozent). Ob allerdings ein neues Anleihenkaufprogramm aufgelegt wird, ist noch nicht sicher. Aussagen von EZB-Vertretern deuten darauf hin, dass in dieser Sache keine Einigkeit herrscht. Sollte die EZB den Einlagesatz tatsächlich von -0,4 auf -0,6 Prozent absenken, kommt die Schweizerische Nationalbank unweigerlich unter Zugzwang. Diese hält ihr Zinsmeeting am 19. September ab. Einen Tag zuvor, am 18. September, steht zudem die Zinssitzung der US-Notenbank Fed auf dem Programm. Hier wird eine weitere Zinssenkung zu 100 Prozent erwartet. Der Grund: Nach der letzten Fed-Sitzung im Juli hat sich der wirtschaftliche Ausblick erneut eingetrübt, vor allem die Eskalation des Handelskonfliktes hat zu einem massiven Rückgang der Renditen geführt.

Argentinien im Abwärtsstrudel: Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise will Argentiniens Regierung den Devisenhandel einschränken. Sie hält diese Sondermassnahme für notwendig, um das normale Funktionieren der Wirtschaft zu gewährleisten. Der Hintergrund: Argentiniens Landeswährung steht zum wiederholten Male heftig unter Druck, nachdem bei Vorwahlen der wirtschaftsliberale Präsident Mauricio Macri eine herbe Niederlage gegen den linken Oppositionskandidaten Alberto Fernandez hinnehmen musste. Im Oktober steht eine Präsidentenwahl an. Die Finanzmärkte befürchten einen Sieg des protektionistisch orientierten Fernandez. Die Einschränkungen im Devisenhandel stehen auch im Zusammenhang mit den Ratingagenturen S&P und Fitch. Beide hatten ihre Daumen über Argentinien gesenkt und die Bonität des Landes auf "teilweisen Zahlungsausfall" bzw. "eingeschränkten Kreditausfall" zurückgestuft. Das hoch verschuldete südamerikanische Land versucht sich mit einer – einseitig beschlossenen – Umschuldung finanziell über Wasser zu halten.

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