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Newsletter vom 14. August 2019

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Die aktuelle Lage

In der Schweiz hat sich die Geschäftslage der Firmen im Juli nicht weiter verschlechtert. Nach sieben Rückgängen in Folge verharrt der von der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH erhobene Geschäftslageindikator auf dem Vormonatswert. Das konjunkturelle Umfeld bleibe aber schwierig, schreibt die KOF.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal geschrumpft. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) sank gegenüber dem ersten Quartal 2019 um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer Vorabschätzung mitteilte. Im ersten Jahresviertel hatte für die grösste Volkswirtschaft der Eurozone noch ein Plus von 0,4 Prozent herausgeschaut. Die exportorientierte deutsche Industrie bekommt die Abkühlung der Weltwirtschaft, die Unsicherheiten wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie die Unwägbarkeiten des Brexits mit voller Wucht zu spüren. Hinzu kommt der Strukturwandel in der wichtigen Autoindustrie durch die Elektromobilität.

In den USA ist die Inflation im Juli gestiegen. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, legten die Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,8 Prozent zu. Im Juni wurde eine Teuerungsrate von 1,6 Prozent ermittelt. Die Kerninflationsrate, die stärker schwankende Güter wie Energie und Lebensmittel ausklammert, legte ebenfalls zu. Sie stieg von 2,1 Prozent im Vormonat auf 2,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Januar. Die US-Notenbank Fed strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Sie orientiert sich allerdings an dem Preisindex PCE, der im Juni bei 1,4 Prozent zu liegen kam.

Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal schneller gewachsen als gedacht. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) legte zwischen April und Juli gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent zu, teilte die Regierung in Tokio auf Basis vorläufiger Daten mit. Analysten hatten aufgrund globaler Handelskonflikte und der Abkühlung der Weltkonjunktur ein BIP-Wachstum von lediglich 0,4 Prozent veranschlagt. Grund für den relativ starken Anstieg war den Angaben zufolge die Kauflaune der Konsumenten sowie die Investitionen der Unternehmen im Vorfeld der Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

In China müssen die Menschen für alltägliche Konsumausgaben tiefer in die Tasche greifen. Der Konsumentenpreisindex, ein zentraler Indikator für die Inflation, stieg im Juli gemäss offiziellen Daten auf das Jahr hochgerechnet um 2,8 Prozent. Das entspricht dem höchsten Niveau seit etwa anderthalb Jahren. Hauptursache sind aber vor allem die aufgrund einer seit Monaten grassierenden Schweinepest gestiegenen Preise für Schweinefleisch.

Schwache Konjunkturerwartungen in Deutschland

In Deutschland trüben sich die konjunkturellen Aussichten weiter ein. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im August um 19,6 Punkte auf minus 44,1 Zähler, wie das ZEW mitteilte. Nach dem vierten Rückgang in Folge notiert das Stimmungsbarometer auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2011 (siehe Grafik).

Für das vorproduzierende Gewerbe in der Schweiz, für welches die deutsche Industrie der wichtigste Abnehmer ist, sind das keine guten Neuigkeiten. Auch hier deuten verschiedene Konjunkturindikatoren bereits seit längerem auf eine sich abschwächende Wirtschaftsdynamik hin.

Ähnlich trübe wie in Deutschland präsentiert sich die Lage in der gesamten Eurozone. Hier hat das ZEW für ihren Erwartungsindikator im August eine weitere Verschlechterung auf minus 43,6 Punkte ermittelt – ein Rückgang um 23,3 Punkte gegenüber Juli.

Das ZEW-Institut führt regelmässig Umfragen unter Finanzexperten zur Konjunkturerwartung für die kommenden sechse Monate durch.

Fazit: Die Schwäche des ZEW-Indikators ist vor allem auf die erneute Eskalation im Handelsstreit sowie die gestiegene Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits zurückzuführen. Und dies in einem ohnehin schwächelnden Wirtschaftsumfeld. Gemäss dem starken Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen im August dürfte sich die Entwicklung der deutschen Exportindustrie sowie der Industrieproduktion weiter verschlechtern. Die EZB tagt am 12. September und wird wohl Massnahmen zur konjunkturellen Stimulierung ergreifen.

In Deutschland trüben sich die Konjunkturerwartungen weiter ein
Dunkle Wolken am deutschen Konjunkturhimmel: Die ZEW Konjunkturerwartungen sind auf den tiefsten Stand seit 2011 gesunken
Quelle: ZEW

Im Fokus

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