Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 7. August 2019

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Die aktuelle Lage

Die Stimmung in der Schweizer Wirtschaft scheint sich weiter abzukühlen. So ist der Einkaufsmanager-Index für die Industrie (PMI) im Juli um 3,0 auf 44,7 Zähler gesunken, wie Procure und CS mitteilten. Damit wurde die Marke von 50 Punkten, die als Wachstumsschwelle gilt, zum vierten Mal in Folge unterschritten. Das letzte Mal soll der Index vor zehn Jahren ein so tiefes Niveau erreicht haben. Die Firmen hätten ihre Einkäufe stark verringert. Auch seien die Lieferfristen den fünften Monat in Folge rückläufig. Gleichzeitig deutet laut Ökonomen aber nichts darauf hin, dass die Drosselung auch auf den Arbeitsmarkt übergreifen wird.

Das KOF-Barometer, das von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich berechnet wird, ist im Juli erstmals seit März wieder gestiegen. Der Frühindikator legte um 3,3 auf 97,1 Zähler zu. Zum Aufatmen ist es allerdings noch zu früh, wie Marktbeobachter berichten. Nach wie vor zeige das Barometer eine unterdurchschnittliche Dynamik an. Die Schweizer Konjunktur schwächelt weiterhin.

In Deutschland sind die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Juni gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit legte das Neugeschäft in der deutschen Industrie so stark wie seit August 2017 nicht mehr zu. Marktbeobachter gingen von einem durchschnittlichen Anstieg von 0,5 Prozent aus. Hierzu trugen die Aufträge aus dem Nicht-Euroraum bei, die unterstützt durch umfangreiche Grossaufträge um 8,6 Prozent zunahmen. Die Bestellungen aus dem Inland gingen demgegenüber um 1,0 Prozent und die aus dem Euroraum um 0,6 Prozent zurück. Bereinigt um Grossaufträge gingen 0,4 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat.

In den USA hat sich der Arbeitsmarkt im Juli in einer robusten Verfassung gezeigt – trotz der zunehmenden konjunkturellen Unsicherheiten durch den Handelskonflikt mit China. Wie das US-Arbeitsministerium in Washington mitteilte, hat die Wirtschaft ausserhalb der Landwirtschaft 164'000 neue Stellen geschaffen. Dieser Anstieg wurde von Marktbeobachtern in etwa so erwartet. Allerdings mussten die Zahlen für die Monate Mai und Juni nach unten korrigiert werden: So sind in diesen zwei Monaten total 41'000 Stellen weniger entstanden als zuvor berechnet. Die US-Arbeitslosenquote verharrte im Juli wie im Monat zuvor auf 3,7 Prozent.

Fed und EZB: Steht die SNB unter Zugzwang?

In den USA setzen die Notenbanker wieder auf eine Politik des billigen Geldes. Die US-Notenbank Fed will den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 2 bis 2,25 Prozent senken. An den Märkten wurde dieser Schritt so erwartet.

Ausserdem kündigte die Fed an, mit der Reduzierung des Anleihekaufprogramms schon im August aufzuhören – statt wie ursprünglich vorgesehen zwei Monate später. Hintergründe seien die Sorge um die globale Konjunktur und die gedämpfte Inflation. Fed-Chef Jerome Powell signalisierte zudem Bereitschaft, weitere Zinssenkungen zu tätigen, sollte sich der Handelskonflikt weiter zuspitzen und das Wirtschaftswachstum weiterhin stocken.

Und in Europa? Seit dem besorgten "dovishen" Auftritt der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli ist eine Leitzinssenkung von 10 Basispunkten im September eingepreist. Möglich sind zudem eine zweite Senkung der Leitzinsen bis Ende 2019 sowie ein neues Programm der "Quantitativen Lockerung".

Diese Aussichten bringen den Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck (siehe Grafik). Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte nach der EZB-Sitzung den Franken mit Devisenmarktinterventionen gestützt haben – die SNB-Sichtguthaben sind angestiegen. Das "inoffizielle" Kursziel der SNB beläuft sich auf circa 1,10 Franken zum Euro. Die EZB bringt die SNB so unter Zugzwang. Ein ausserterminliches Handeln der SNB vor ihrer nächsten Sitzung vom 19. September ist möglich. Damit würde sie Marktspekulationen zuvorkommen.

Zwei Szenarien sind denkbar. Die SNB verzichtet auf eine Senkung der Leitzinsen und bleibt am Devisenmarkt aktiv. Damit lässt sie eine (leichte) Aufwertung des Frankens zu; die Schweizer Wirtschaft könnte mit einem moderat stärkeren Franken leben. Andererseits kann die SNB die Leitzinsen tatsächlich senken, um die Zinsdifferenz zwischen Euro und Franken zu vergrössern. Durch die mögliche Anhebung der Freibeträge würde die Wirkung der aktuellen Negativzinsen aber gedämpft.

Franken/Euro: Kursentwicklung Juli 2018 bis Juli 2019
Franken/Euro: Kursentwicklung Juli 2018 bis Juli 2019

Quelle: Bloomberg per 5. August 2019

Im Fokus

USA vs. China: Neue Eskalation im Handelsstreit: US-Präsident Donald Trump erhöht nochmals den Druck auf China und kündigt weitere Strafzölle an. Konkret sollen chinesische Importwaren im Wert von rund 300 Milliarden Dollar mit einem Strafzoll von 10 Prozent belegt werden. Wie Trump per Twitter mitteilte, sollen die Abgaben vom 1. September an fällig sein. In der Folge hat Chinas Notenbank den Yuan abgewertet: Erstmals seit 2008 kostet ein Dollar mehr als sieben Yuan. Laut NZZ sei dieser Schritt ein Signal Pekings an Washington: Chinas Machthaber sollen ihre Hoffnung auf eine Lösung im Handelskonflikt verloren haben. Laut Trump ist die Abwertung des Yuan ein "schwerwiegender Verstoss", der als Währungsmanipulation bezeichnet werden müsse.

Briten lassen Leitzinsen unverändert: Die Bank of England rüttelt nicht an ihren Leitzinsen. Trotz nahendem Brexit und der Zinssenkung in den USA bleibt der Schlüsselsatz auf dem Niveau von 0,75. Das haben die britischen Währungshüter an ihrer ersten geldpolitischen Sitzung seit Ernennung von Boris Johnson zum Premierminister beschlossen. Zudem hat die Notenbank auch ihre Wachstumsprognose für die Wirtschaft gekürzt. Hinweise auf eine mögliche Senkung der Leitzinsen gab sie aber keine. Laut Marktbeobachtern dürfte ein harter Brexit die Wirtschaft deutlich belasten. Die Spekulationen auf eine Zinssenkung bis Ende nächsten Jahres haben zugenommen.

Öl- und Goldpreis mit auffälligen Bewegungen: Die Anleger an den Rohstoffmärkten rechnen anscheinend fest mit einer Rezession. Das zeigen zumindest die Bewegungen, die die erneuten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit mit China ausgelöst haben. Der Ölpreis brach letzten Donnerstag um rund 8 Prozent ein – der grösste Tagesverlust seit vier Jahren. Laut Analysten hat der US-Präsident dem Ölmarkt einen Schock verpasst. Ende Woche machte der Ölpreis einen Grossteil der Verluste wieder wett. Der seit einigen Wochen anhaltende Trend nach oben wurde aber gestoppt. Der Goldpreis kletterte seinerseits um zwischenzeitlich zwei Prozent auf mehr als 1450 Dollar pro Feinunze – ein neuer Jahreshöchstwert. Ende Woche hatte Gold allerdings einen Teil der Gewinne wieder abgegeben.

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