Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 12. Juni 2019

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Die aktuelle Lage

In Deutschland haben Aussenhandel und Industrie einen Fehlstart ins zweite Quartal hingelegt. Dabei musste die Exportwirtschaft einen besonders kräftigen Rückschlag einstecken. Im April sind die Ausfuhren im Monatsvergleich um 3,7 Prozent gesunken und damit so stark wie seit 2015 nicht mehr, teilte das deutsche Statistikamt mit. Experten waren vom Ausmass des Rückgangs überrascht. Sie hatten nur einen Dämpfer um 0,9 Prozent erwartet. Betrachtet man aber den gesamten bisherigen Jahresverlauf, liegt der deutsche Aussenhandel noch auf Wachstumskurs (+1,8 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum). Eine schwache Entwicklung zeigte sich auch bei der Industrieproduktion. Hier meldete das Statistikamt einen Rückgang von 1,9 Prozent im Monatsvergleich – das stärkste Minus seit August 2015. Auch hier waren die Experten vom Ausmass des Rückgangs überrascht. Neben dem Handelskonflikt, der den "Exportweltmeister" Deutschland stark trifft, belasteten auch Probleme im Automobilsektor sowie in der chemischen Industrie die Entwicklung im April.

Die französische Industrie wiederum zeigte sich im April wieder etwas stärker als zuletzt. Die Produktion legte gemäss dem nationalen Statistikamt Insee im Monatsvergleich um 0,4 Prozent zu. Gestützt wurde die Industrieproduktion durch den Energiesektor. Hier meldete das Statistikamt einen kräftigen Anstieg, während es im Bausektor im April einen Dämpfer gegeben hat.

In der Eurozone trübte sich die Anlegerstimmung deutlich ein. Der vom Analysehaus Sentix erhobene Konjunkturindikator fiel im Juni zum Vormonat um 8,0 Punkte auf minus 3,3 Zähler. Das ist der tiefste Stand seit Februar. Im Mai hatte sich der Indikator noch spürbar aufgehellt. Noch ernster ist die Lage in der grössten Volkswirtschaft des Währungsgebietes: In Deutschland tauchte der Indikator um 8,6 Punkte und sank erstmals seit März 2010 in den negativen Bereich.

In China hat die Teuerung angezogen. Die Konsumentenpreise lagen im Mai im Durchschnitt 2,7 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Analysten hatten mit dieser Entwicklung gerechnet. Im April war eine Teuerungsrate von 2,5 Prozent ermittelt worden. Für den Anstieg im Mai sind vor allem höhere Lebensmittelpreise verantwortlich, zum Teil wegen Versorgungsengpässen, wie es heisst. Für die chinesische Notenbank besteht jedoch kein Handlungsdruck, unter anderem wegen der Entwicklung der Produzentenpreise – das sind jene Preise, die Hersteller ihren Kunden in Rechnung stellen. Hier ging die Teuerungsrate von 0,9 Prozent auf 0,6 Prozent im Mai zurück.

US-Arbeitsmarkt schwächelt überraschend

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich im Mai schwach entwickelt. Nach Zahlen des US-Arbeitsministeriums wurden lediglich 75'000 neue Arbeitsplätze geschaffen (siehe Grafik). Das lag deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Diese hatten im Durchschnitt 175'000 neue Stellen prognostiziert. Zudem war der Stellenaufbau im April und März geringer als bislang bekannt.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Arbeitslosigkeit in den USA mit 3,6 Prozent bereits sehr niedrig ist. Die hohen Jobwachstumsraten der Vergangenheit dürften damit immer schwieriger zu erreichen sein.

Die Löhne und Gehälter sind zwar weiter gestiegen. Doch auch hier wurden die Markterwartungen verfehlt. Die Lohnentwicklung spielt eine wichtige Rolle für die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed, weil die Fed zwar ihr Beschäftigungsziel, nicht aber ihr Inflationsziel erreicht hat. Steigende Löhne lösen über die Lohn-Preis-Spirale eine anziehende Inflation aus.

Fazit: Der US-Arbeitsmarkt zeigt bereits wieder eine Schwäche, nachdem er erst vor wenigen Monaten enttäuschte. Die jüngste Entwicklung ist volkswirtschaftlich zwar gut begründ- und verschmerzbar. Die schwachen Daten dürften jedoch Spekulationen auf konjunkturelle Stimulierungsmassnahmen wie Leitzinssenkungen zusätzlich anheizen. In den vergangenen Tagen hatten Mitglieder der US-Notenbank die Tür für Zinssenkungen aufgestossen.

Neugeschaffene Stellen ausserhalb der Landwirtschaft
Im Mai wurden in den USA weniger Stellen geschaffen als erwartet.
Neugeschaffene Stellen ausserhalb der Landwirtschaft

Quelle: Bureau of Labor Statistics

Im Fokus

EZB schiebt Zinswende weiter auf: Die rekordtiefen Zinsen im Euroraum werden wohl noch eine ganze Weile Bestand haben. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat im Anschluss an seine geldpolitische Sitzung in der Vorwoche bekanntgegeben, dass mit einer Zinserhöhung nicht vor Mitte 2020 zu rechnen ist. Damit wurde die sogenannte forward guidance um ein halbes Jahr nach hinten verschoben. Ausserdem signalisierte EZB-Präsident Mario Draghi die Bereitschaft, die Geldpolitik – falls nötig – weiter zu lockern. Einige Ratsmitglieder hätten während der geldpolitischen Beratungen die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung vorgebracht, sagte Draghi. Andere Ratsmitglieder wiederum hätten die Möglichkeit zusätzlicher Anleihekäufe durch die Notenbank angesprochen.

Schwächeres Wirtschaftswachstum in Deutschland erwartet: Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird in diesem Jahr nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank deutlich schwächer ausfallen als noch im Dezember erwartet. Die Ökonomen der Bundesbank gehen nun von 0,6 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandprodukt 2019 aus. Vor einem halben Jahr hatten die Volkswirte noch ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent für möglich gehalten. "Sobald die Auslandsnachfrage wieder in Gang kommt, wird das Wachstum der deutschen Wirtschaft wieder auf einem breiteren Fundament stehen", liess sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zitieren. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Ausfuhren ab der zweiten Hälfte dieses Jahres nach und nach wieder stärker zulegen werden. Im Jahr 2020 traut sie der deutschen Wirtschaft unter anderem deswegen mit 1,2 Prozent auch wieder spürbar mehr Wachstum zu. Allerdings liegt auch dies unter der noch optimistischeren Dezember-Prognose von 1,6 Prozent.

China erleichtert Investitionen in Infrastruktur: Die chinesische Regierung will Investitionen lokaler Behörden in Infrastrukturprojekte erleichtern und damit die Wirtschaft ankurbeln. Konkret soll den Entscheidungsträgern auf lokaler Ebene erlaubt werden, Gelder aus der Emission spezieller Anleihen zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten zu nutzen, wie das Finanzministerium mitteilte. Durch die Ausgabe dieser Anleihen können lokale Behörden ausgewählte Projekte auch ausserhalb des regulären Haushalts finanzieren. In China hatten sich zuletzt die Investitionen in Infrastrukturprojekte abgeschwächt, was die heimische Konjunktur bremste.

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