Tipps für Ihre Geldanlagen: Aktuelles zu Börsen & Märkten

Newsletter vom 5. Juni 2019

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Die aktuelle Lage

In der Schweiz bleibt die Stimmung in der Industrie gedämpft. Der von der Credit Suisse gemeinsam mit dem Einkaufs-Fachverband Procure berechnete Einkaufsmanagerindex (PMI) legte im Mai zwar minim um 0,1 auf 48,6 Zähler zu. Damit steht aber einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren für die Schweiz weiterhin unter der als Wachstumsschwelle definierten Marke von 50 Punkten. Im April war der PMI erstmals seit über vier Jahren unter 50 Zähler gesunken.

In der Eurozone ist die Inflation im Mai deutlich zurückgegangen. Die Konsumentenpreise lagen im Durchschnitt 1,2 Prozent höher als vor einem Jahr. Im April lag die Inflationsrate noch bei 1,7 Prozent. Angesichts dieser Entwicklung steigt die Spannung vor der EZB-Sitzung am Donnerstag. Die rekordtiefen Leitzinsen dürfte EZB-Direktor Mario Draghi zwar nicht antasten. Allerdings wird die EZB neue Prognosen für die Inflationsentwicklung und das Wirtschaftswachstums publizieren. Ob die bisherigen Wert beibehalten werden, scheint auch vor dem Hintergrund der schleppenden konjunkturellen Entwicklung zumindest fraglich zu sein. Für das zweite Halbjahr hatte die EZB eine Wachstumsbeschleunigung in Aussicht gestellt.

In den USA ist die Stimmung im Industriesektor auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2016 gefallen. Der vom Institute for Supply Management erhobene Einkaufsmanagerindex (ISM-PMI) gab im Mai um 0,7 auf 52,1 Punkte nach. Der in der Vorwoche publizierte Markit-PMI hatte ebenfalls einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Auch die jüngsten Zahlen zu den Industrieaufträgen (-0,8 Prozent) fielen schwach aus. Damit verdichten sich die Hinweise, dass sich die US-Industrie der globalen Wachstumsschwäche nicht entziehen kann.

In China hat sich die wirtschaftliche Dynamik in der Dienstleistungsbranche im Mai verlangsamt. Der vom Wirtschaftsmagazin Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) sank um 1,8 auf 52,7 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Februar. Insbesondere eine deutliche Abkühlung beim Export sei für das langsamere Wachstum verantwortlich, hiess es dazu. Weiterhin angespannt bleibt die Lage in der Industriebranche. Hier hat Caixin für den entsprechenden PMI einen im Vergleich zum Vormonat unveränderten Wert von 50,2 Punkten ermittelt. Seit längerem schon oszilliert der Industrie-PMI um die Marke von 50 Punkten herum. Die chinesische Industrie wird durch den Handelsstreit mit den USA belastet.

"Sichere Häfen" gesucht

US-Präsident Donald Trump gibt beim Handelskonflikt keine Ruhe. Nachdem die USA die Importzölle auf zahlreiche chinesische Waren bereits drastisch erhöht haben, kommen nun sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse hinzu. So haben die USA den chinesischen Telekomkonzern Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt, weil dieses Unternehmen angeblich die nationale Sicherheit bedroht.

China will im Gegenzug eine schwarze Liste mit "unzuverlässigen" Firmen veröffentlichen, auf welcher sich Fedex, die Google-Mutter Alphabet oder Apple wiederfinden könnten. Ausserdem wird laut über eine Exportbeschränkung bei spezifischen Metallen, sogenannten Seltenen Erden, nachgedacht, die fast nur in China gefördert werden und in vielen Schlüsseltechnologien eingesetzt werden, zB. in Mobilfunkgeräten.

US-Präsident Trump ist im Handelskonflikt jüngst auch Mexiko scharf angegangen und hat auch Indien und die EU im Visier. Es droht also auch eine geografische Ausdehnung des Zollstreits.

Als Folge dieser gestiegenen Unsicherheiten waren Sicherheit versprechende Vermögensanlagen, auch Safe Haven Assets genannt, zuletzt stark gefragt. So sind die Zinsen bei Schweizerischen, deutschen oder US-amerikanischen Staatsanleihen deutlich gesunken – weil deren Kurse aufgrund der Nachfrage gestiegen sind.

Auch weitere Safe Haven Assets wie Gold, der Schweizer Franken oder der japanische Yen haben in den vergangenen Tagen mit Kursgewinnen auf den Handelskonflikt reagiert (siehe Grafik).

Anlagen, welche eher konjunktursensitiv reagieren – nebst Aktien sind das z.B. Energierohstoffe und Industriemetalle – haben im Gegenzug teils kräftige Kursverluste erlitten.

Fazit: Diversifizierende Investitionen in Safe Haven Assets haben sich in den vergangenen Tagen bezahlt gemacht. Natürlich weiss niemand, wie genau es im Handelskonflikt der USA mit diversen anderen Ländern weitergeht – eine schnelle und umfassende Einigung scheint aber weniger wahrscheinlich als noch vor einer Woche. Daher dürfte es sich auch in absehbarer Zukunft bezahlt machen, auch einige defensive Anlagen im Portfolio zu halten.

Safe Haven Assets reagieren auf Handelskonflikt
Gold, der Schweizer Franken sowie der japanische Yen haben auf die gestiegenen Unsicherheiten mit deutlichen Kursgewinnen reagiert.
Safe Haven Assets reagieren auf Handelskonflikt

Quelle: Bloomberg, Berechnung der handelsgewichteten Währungen durch Deutsche Bank, Kurse indexiert

Im Fokus

Fed-Chef öffnet Tür für Zinssenkung: Der Chef der US-Notenbank Jerome Powell hat auf einer Notenbank-Konferenz in Chicago eine "angemessene" Reaktion auf die Auswirkungen des Handelskonflikts angekündigt, um den Aufschwung zu stützen. Die Aussagen Powells wurden an den Finanzmärkten als Hinweis auf eine Zinssenkung interpretiert. Bereits Fakten geschaffen hat die Notenbank von Australien, die diese Woche ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent gesenkt hat. Notenbankchef Philip Lowe verwies unter anderem auf die Auswirkungen des Handelskonflikts. Australien ist davon besonders betroffen, weil das Land als Rohstofflieferant Chinas einer der wichtigsten Handelspartner der Volksrepublik ist. Jede wirtschaftliche Abschwächung in China schlägt damit auf Australien durch. Australien ist bereits das zweite Industrieland, in dem die Notenbank den Leitzins gesenkt hat. Zuvor war ein solcher Schritt in Neuseeland erfolgt.

Weltbank rechnet mit deutlich langsameren Wachstum: Die Weltbank hat ihre Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum in 2019 auf 2,6 von 3,6 Prozent zusammengestrichen. Das wäre der schwächste Anstieg seit der Finanzkrise. Im nächsten Jahr könnte es leicht auf 2,7 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr war die Weltwirtschaft den Angaben zufolge um 4,1 Prozent gewachsen. Neben den Handelsstreitigkeiten sieht die Weltbank in dem hohen Schuldenniveau ein anhaltendes Problem. Hohe Schulden verhinderten neben anderen Faktoren, dass viele Länder wirtschaftlich zu Höchstform auflaufen könnten, sagte Weltbank-Präsident David Malpass.

Ölpreise auf Viermonatstief: Die Preise für Rohöl sind in den letzten Tagen und Wochen ins Rutschen geraten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent wurde am Mittwochmorgen unter 62 US-Dollar gehandelt, ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI kostete knapp 10 Dollar weniger. Beide Sorten notieren damit etwa auf einem Viermonatstief. Der Grund: konjunkturelle Ängste wegen des US-chinesischen Handelsstreits. Es besteht die Sorge einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft und einer sinkenden Rohölnachfrage.

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