Thema der Woche

Thema der Woche vom 20. November 2019

Lesen Sie hier Hintergrundberichte und Wissenswertes zum Thema Finanzmärkte.

So vermeiden Sie die häufigsten Fehler beim Aktienkauf

Das Werweissen über die Chancen eines Jahresendrallys an den Aktienmärkten ist in vollem Gange. Solche Prognosen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Bei der Investition in Aktien können Anleger vieles falsch machen. Eine Übersicht über die häufigsten Fehler.

Viele Anleger treffen ihre Anlageentscheide ohne eine übergeordnete Strategie. Sie kaufen und verkaufen Aktien relativ planlos. Mal ist ihr Anlagevermögen beispielsweise fast ausschliesslich in Aktien investiert, zu einem anderen Zeitpunkt halten Sie dann einen hohen Anteil an Gold oder Cash. Dabei erfolgen die Umschichtungen meist aufgrund von Hoffnungen oder vagen Prognosen über künftige Chancen und Risiken. Auch das Bauchgefühl und der Herdentrieb haben einen grossen Einfluss auf die Anlageentscheide.

Ihnen fehlt eine nachvollziehbare und auf ihre persönliche und finanzielle Situation abgestimmte Anlagestrategie. Eine Anlagestrategie hält fest, wie das Vermögen in die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien und Obligationen aufgeteilt werden soll. Für die Herleitung einer solchen Strategie müssen zwei Faktoren berücksichtigt werden: die Risikofähigkeit und die Risikobereitschaft. Sie berücksichtigen die objektive und die subjektive Fähigkeit des Anlegers, mit Risiken umzugehen (siehe Grafik).

Herleitung einer Anlagestrategie
Herleitung einer Anlagestrategie

Die Risikofähigkeit besagt, in welchem Zeitraum der Anleger welchen Anteil seines Vermögens benötigt. Wer beispielsweise im kommenden Jahr einen Grossteil seines Vermögens und Einkommens für den Kauf eines Hauses verwenden will, hat eine tiefe Risikofähigkeit.

Die Risikobereitschaft drückt aus, wie gut der Anleger vorübergehende Kursverluste auf seinen Investitionen emotional verkraften kann. Wer kurzfristige Kurstaucher nicht in Kauf nehmen kann, weil ihm das schlaflose Nächte bereitet, der hat eine tiefe Risikobereitschaft. Das gilt auch im umgekehrten Fall: Steigen die Kurse über längere Zeit, sollte man ebenfalls einen kühlen Kopf bewahren können.

Zu viele Käufe und Verkäufe

Hin und Her, macht die Taschen leer: Hohe Transaktionsgebühren als Folgen von häufigen Depotumschichtungen können die Anlagerendite empfindlich schmälern. Beim Versuch, durch möglichst häufiges Handeln die Kauf- und Verkaufskurse der Aktien möglichst gewinnbringend auszunutzen, tappen viele Anleger in die Falle des Aktionismus. Sie reagieren auf die kleinsten Kursschwankungen und sind sich der anfallenden Kosten oft nicht bewusst. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Wahl einer Depotbank mit attraktiven Konditionen.

Und überhaupt investieren viele Anleger zu kurzfristig. Sie möchten bald einen Erfolg sehen und schnelle Gewinne einfahren. Wer Aktien aufgrund einer hergeleiteten Anlagestrategie seinem Portfolio beimischt und längerfristigen Anlageerfolg sucht, sollte seinen Blick aber längerfristig ausrichten und nicht auf jede Kursänderung reagieren.

Zu geringe Diversifikation

Anleger investieren häufig in jene Titel, zu denen sie eine Beziehung haben oder über die in den Medien oft berichtet wird. Das sind oft Titel aus der Schweiz und aus einigen wenigen Branchen. Eine Investition in diese Titel verspricht auf den ersten Blick zwar Sicherheit, das Klumpenrisiko steigt aber erheblich. Ein breit diversifiziertes Portfolio führt hingegen zur Streuung des Risikos und macht das Portfolio weniger schwankungsanfällig. Anleger optimieren damit das Verhältnis von Risiko und Rendite.

Sinnvoll ist daher eine Aufteilung des Vermögens über verschiedene Regionen, Sektoren und Anlageansätze. Beim Einbruch einer bestimmten Branche machen andere Branchen den Verlust unter Umständen wieder wett.

Bei Einzeltiteln ist eine breite Streuung allerdings erst ab einer gewissen Summe umsetzbar. Eine Möglichkeit zur breiten Diversifikation bei geringem Einsatz bieten ETF und Indexfonds, die zudem vergleichsweise günstig sind.

Selbstüberschätzung

Viele Anleger überschätzen die eigene Risikobereitschaft. Sie nehmen sich vor, bei einem negativen Kursverlauf Ruhe zu bewahren. Hat die Investition dann aber deutlich an Wert verloren, reagieren die meisten Anleger emotionaler als angenommen. Ein überstürzter Verkauf und das Über-den-Haufen-Werfen der ursprünglich festgelegten Anlagestrategie erweisen sich im Nachhinein oft als Fehler.

Viele Anleger glauben zudem von sich, schneller und besser informiert zu sein als der Markt. Meist ist es aber so, dass kurstreibende Informationen bereits im Aktienwert eingepreist sind. Ein Privatanleger hat selten einen Vorsprung gegenüber den anderen Marktteilnehmern.

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