Thema der Woche

Thema der Woche vom 6. November 2019

Lesen Sie hier Hintergrundberichte und Wissenswertes zum Thema Finanzmärkte.

Zurück im November

Eine Börsenweisheit empfiehlt den Einstieg in den Aktienmarkt im November. Was ist dran?

An den Aktienmärkten lassen sich saisonale Muster beobachten. So haben Aktien beispielsweise zwischen November und April die Tendenz, besser abzuschneiden als in den Monaten Mai bis Oktober. Dies ist wohl eine der bekanntesten Kalenderanomalien. Und sie hat mit dem Sprichwort "Sell in May and go away, but remember to come back in November" ihren festen Platz unter den Börsenweisheiten.

Doch was ist dran an diesem Phänomen? Warum sollten Anleger, die ihre Aktien im Mai verkaufen und erst wieder im November auf den Aktienmarkt zurückkehren, tatsächlich besser abschneiden als jene Anleger, die ihre Aktien das ganze Jahr über halten?

Das VZ hat diesen Effekt in einer Studie untersucht und konnte ihn in seinen Analysen tatsächlich bestätigen, zum Beispiel anhand der Kursentwicklung beim Deutschen Aktienindex (DAX). Hier zeigt die durchschnittliche Renditeentwicklung über jeweils vier Zehnjahresperioden gut das saisonale Muster (siehe Grafik).

Saisonales Muster zu erkennen
In den Monaten November bis April entwickelte sich der DAX (Rendite in CHF) jeweils besser als in den restlichen Monaten.
Saisonales Muster zu erkennen

Quelle: Bloomberg

Die Rendite ist in diesem Beispiel über sämtliche vier Zehnjahresperioden in den Monaten November bis April durchschnittlich klar positiv:

  • 1975–1985: +9,07 Prozent
  • 1985–1995: +8,95 Prozent
  • 1995–2005: +14,26 Prozent
  • 2005–2015: +8,30 Prozent

Die restlichen sechs Monaten bzw. zwischen Mai und Oktober schneiden deutlich schlechter ab:

  • 1975–1985: –3,07 Prozent
  • 1985–1995: +3,21 Prozent
  • 1995–2005: –4,16 Prozent
  • 2005–2015: +1,27 Prozent

Mit anderen Worten: Eine konsequente Umsetzung einer Sell-in-May-Strategie hätte in jeder dieser betrachteten Zehnjahresperioden eine Überrendite gegenüber einer Kaufen-und-Halten-Strategie erzielt. Andere Untersuchungen kommen auf Basis des amerikanischen Aktienmarktes (S&P 500) in der Periode von 1950 bis 2010 auf vergleichbare Resultate.

Geringere Verluste

Das VZ zeigt in der Studie zudem, dass die von der Sell-in-May-Strategie erzielten Überrenditen hauptsächlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Verluste in grossen Krisen im Vergleich zur Kaufen-und-Halten-Strategie reduziert werden konnten.

Eine Sell-in-May-Strategie lässt sich heute dank des mittlerweile grossen Angebots an passiven und kostengünstigen Anlagefonds wie ETF und Indexfonds zwar leicht umsetzen. Doch die VZ-Studie zeigt auch, dass Anleger dafür einen langen Atem brauchen. Denn die Strategie schlägt einen Kaufen-und-Halten-Ansatz lediglich, wenn man lange Zeiträume von zehn Jahren und mehr betrachtet.

Da die Ursachen für diese Kalenderanomalie bis heute nicht genau geklärt sind, sollten Anleger trotz der in der Vergangenheit teilweise beeindruckenden Resultate jedoch kritisch gegenüber einer Marktsaisonalität wie "Sell in May" eingestellt sein.

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