Thema der Woche

Thema der Woche vom 29. Oktober 2019

Lesen Sie hier Hintergrundberichte und Wissenswertes zum Thema Finanzmärkte.

SMI setzt neue Rekordmarke

Der Schweizer Leitindex SMI hat sich zu neuen Höhen aufgeschwungen. Solange die Notenbanken auf dem geldpolitischen Gaspedal stehen, dürften weitere Rekorde fallen.

Es will nicht so recht ins Bild passen: Die Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung haben sich vielerorts eingetrübt. Insgesamt deuten die Makroindikatoren auf einen zyklischen Abschwung der Weltwirtschaft hin, dem sich die Schweiz als offene Volkswirtschaft kaum entziehen könnte.

Und was macht der Schweizer Aktienmarkt? Er erreicht eine neue Flughöhe. Der Leitindex SMI überbot am vergangenen Freitag das bisherige Allzeithoch vom 12. September bei 10'140,93 Punkten. Mittlerweile wurde die Messlatte auf 10'254,64 Punkte heraufgesetzt (siehe Grafik).

SMI auf Allzeithoch
Jüngst hatten Entspannungssignale zwischen den USA und China sowie in den Brexitverhandlungen für frischen Wind an den Aktienmärkten gesorgt. Der SMI übersprang dabei die alte Rekordmarke vom September.
SMI auf Allzeithoch

Quelle: Bloomberg, Daten per 28.10.2019

Mit einem Anstieg um 21,4 Prozent im bisherigen Jahresverlauf lässt der SMI andere Indizes wie den Euro Stoxx (+18,5 Prozent in CHF) oder den Weltaktienindex MSCI World (+19,9 Prozent in CHF) hinter sich. Treibende Kraft hinter der starken Entwicklung sind vor allem die Nestlé-Aktien (+34 Prozent), die im SMI das grösste Gewicht haben. Auch die beiden anderen Indexschwergewichte Roche (+25 Prozent) und Novartis (+21 Prozent) hatten 2019 bislang einen starken Lauf.

Spitzenreiter im SMI sind die Zurich-Aktien (+41 Prozent), die seit dem Amtsantritt von CEO Mario Greco im Frühjahr 2016 ihren Wert fast verdoppelten. Mit Swiss Life (+35 Prozent) schwingt ein weiterer Assekuranzwert oben aus. Auch die beiden Chemieaktien Lonza (+40 Prozent) und Sika (+37 Prozent) stehen bei den Anlegern auf den Einkaufszetteln. Kursgewinne von über 30 Prozent verzeichnen noch die Titel des Sanitärtechnik-Konzerns Geberit sowie jene des Personalvermittlers Adecco. Abgeschlagen am Tabellenende notieren die Aktien von Swatch und jene der UBS.

Was treibt an?

Doch woher kommt die Zuversicht der Aktieninvestoren, wenn sich das konjunkturelle Umfeld doch einzutrüben beginnt? Wie lassen sich mit dieser Aussicht neue Kursrekorde rechtfertigen? Speziell für den Schweizer Aktienmarkt gilt: Die Schweiz wird mit ihren sehr gesunden Unternehmen und vergleichsweise hoher Dividendenrendite sowie der politischen Stabilität zu den sicheren Häfen gezählt. In einer Zeit mit Handelskonflikten und geopolitischen Unsicherheiten ist das ein wichtiges Argument. Und generell gilt: Aktien sind in der derzeitigen und historisch einmaligen Tiefzinsphase gegenüber praktisch allen anderen Anlageklassen alternativlos.

Diese Alternativlosigkeit von Aktien macht auch grössere Rückschläge unwahrscheinlich. In der Wirtschaftspresse wird zwar vor der Gefahr von Korrekturen aufgrund von Gewinnmitnahmen gewarnt – wie immer, wenn ein neuer Rekord erreicht wird. Doch dieser Einwand läuft im aktuellen Umfeld ins Leere. Denn wo sollten die mitgenommenen Aktiengewinne denn rentabel investiert werden? Anleihen von Industriestaaten sind grosso modo ein Verlustgeschäft. Rohstoffinvestments erscheinen angesichts des offenbar bevorstehenden zyklischen Abschwungs der Weltwirtschaft ebenfalls nicht besonders verlockend. Und Barreserven über ein taktisch notwendiges Mass hinaus zu halten ergibt ebenfalls wenig Sinn.

Ungewöhnliche Umstände

Grundsätzlich sollten die Bewertungsniveaus im Negativzinsumfeld und aufgrund der expansiven Geldpolitik eine untergeordnete Rolle spielen. Natürlich sind gewisse Niveaus im historischen Massstab ungewöhnlich hoch, aber die Umstände an den Finanzmärkten sind wegen der internationalen Geldpolitik eben auch sehr ungewöhnlich.

Viel interessanter ist die Frage, wie lange der derzeitige Bullenmarkt noch anhalten wird. Aus der Dauer eines Bullenmarkts lässt sich jedenfalls keine Aussage über die Wahrscheinlichkeit seines Endes ableiten. Anders gesagt: Nur weil der Bullenmarkt schon lange anhält, ist das Risiko eines Absturzes keineswegs besonders stark ausgeprägt. Es verhält sich damit ähnlich wie bei einem Würfelspiel: Fällt vier Mal hintereinander eine sechs, ist die Wahrscheinlichkeit, dass beim nächsten Wurf erneut eine sechs fällt, genauso hoch wie beim ersten Wurf – und jedem anderen. Auch das Argument, was hoch fliegt fällt tief, liegt schief in der Börsenlandschaft. Denn die Performance eines Bullenmarktes – sprich die Rendite, sagt nichts über das Ausmass einer möglicherweise anschliessenden Korrektur.

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