Thema der Woche

Thema der Woche vom 5. Juni 2019

Lesen Sie hier Hintergrundberichte und Wissenswertes zum Thema Finanzmärkte.

Welcher Anlagephilosophie folgen?

Bei der Geldanlage kann zwischen zwei Investmentphilosophien unterschieden werden: dem diskretionären bzw. klassischen und dem systematischen bzw. regelbasierten Ansatz.

Diskretionäre Entscheide zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich am Einzelfall orientieren und nicht auf ein standardisiertes Regelwerk zurückgreifen. Bei dieser Anlagestrategie wird beispielsweise versucht, von globalwirtschaftlichen Entwicklungen zu profitieren. Der Anleger berücksichtigt dabei eine Vielzahl von Inputfaktoren individuell, zum Beispiel Unternehmensgewinne, konjunkturelle Wachstumsraten und geopolitische Entwicklungen – er betreibt Fundamentalanalyse, wie es in der Finanzwelt heisst.

Bei der Bewertung der Inputfaktoren greift der Anleger auf seine Erfahrung zurück, auf Analysen und Prognosen. Der Anlageentscheid wird schlussendlich vom Anleger getroffen (siehe Grafik).

Klassisch vs. regelbasiert
In der klassischen Geldanlage folgen die Entscheidungen keinem Regelwerk. Sie werden nach menschlichem Ermessen getroffen und richten sich am Einzelfall aus. In der regelbasierten Geldanlage greift der Mensch nur bei der Definition der Regeln ein. Die Anlageentscheide werden ohne menschliche Einflussnahme gefällt.
Klassisch vs. regelbasiert

Quelle: VZ VermögensZentrum

Der Vorteil dieser Anlagestrategie: Der Anleger ist bei seinen Investitionsentscheiden weitgehend frei von Beschränkungen. Und er kann relativ spontan auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren. Allerdings waren die letzten Jahre für diskretionäre Ansätze schwierig. Denn die weltweiten Finanzmarktinterventionen der Nationalbanken haben wirtschaftliche Prognosen erschwert.

Da die Anlageentscheide von Fall zu Fall und situationsabhängig getroffen werden, sind sie für Aussenstehende häufig nicht konsistent: Die gleichen Daten und Einschätzungen hätten ein paar Monate oder allenfalls auch nur Tage später nicht zwingend denselben Entscheid zur Folge. Und ein nächster Anlageentscheid bezieht sich allenfalls auf völlig andere Inputfaktoren. Statt der Unternehmensgewinne betrachtet der Anleger dann die Wechselkursentwicklung oder die Arbeitslosenraten.

Klar definierte Regeln

Anders der systematische Ansatz. Bei dieser Herangehensweise sind die Inputfaktoren in einem Regelwerk abschliessend definiert. Der Anleger berücksichtigt bei seinen Kauf- und Verkaufsentscheiden beispielsweise lediglich den Kursverlauf einer oder mehrerer Anlagen.

Solche regelbasierten Anlagelösungen haben verschiedene Vorteile. Sie können auf Prognosen verzichten und schalten Emotionen aus, denn der Anlageentscheid wird von den Regeln gefällt und nicht vom Anleger. Deswegen gelten regelbasierte Anlageentscheide im Vergleich zu diskretionären Entscheiden als transparenter.

Ein weiterer wichtiger Vorteil liegt darin, dass die Anlagestrategie, sprich das Regelwerk, getestet werden kann. So kann der Anleger beispielsweise untersuchen, wie das Regelwerk in der Vergangenheit funktioniert hätte – was bei einem diskretionären Ansatz, bei dem situationsabhängig entschieden wird, nicht der Fall ist.

Doch Anleger müssen sich nicht zwischen dem Fünfer und dem Weggli entscheiden, sondern können beide Anlageansätze kombinieren. So bietet die traditionelle Fundamentalanalyse in Verbindung mit regelbasierten Ansätzen vielversprechende Chancen. Einige Grössen unter den fundamentalbasierten Profi-Investoren haben ihre Anlagestrategien bereits mit systematischen Ansätzen ergänzt.

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