Das Sparpotenzial bei einem Pensionskassenwechsel ist enorm
Organisator, 21.05.2010
Mit dem richtigen Anbieter und dem passenden Modell können Unternehmen und Mitarbeitende in grossem Umfang Prämien sparen. Nach der recht prekären Lage, in der sich einige autonome Sammelstiftungen in den letzten zwei Jahren befanden, überlegen sich viele Unternehmen den Wechsel zu einer risikoarmen Vollversicherungslösung.
Von Stefan Thurnherr, Geschäftsführer der VZ Insurance Services AG
Ende März 2009 befanden sich rund 60 Prozent aller Pensionskassen in einer Unterdeckung – fast 20 Prozent davon im kritischen Bereich unter 90 Prozent. Mit der Börsenerholung hat sich die Lage der Pensionskassen wieder etwas verbessert: Viele Sammelstiftungen verfügen derzeit über einen Deckungsgrad von nur knapp unter 100 Prozent, bei einigen beträgt der Deckungsgrad sogar wieder leicht über 100 Prozent.
Das Ausmass, das die Unterdeckungen vorübergehend angenommen hatten, hat bei den betroffenen Arbeitnehmern und Arbeitgebern tiefe Spuren hinterlassen. Je nach Sammelstiftung waren oder sind noch immer einschneidende Sanierungsmassnahmen nötig.
Grosses Dilemma für viele Unternehmen
Viele Unternehmen überlegen sich deshalb den Wechsel zu einer Sammelstiftung mit einer risikoarmen Vollversicherungslösung, um bei der nächsten Börsenkrise nicht erneut in eine unangenehme Lage zu geraten.
Im Gegensatz zu einer autonomen Sammelstiftung haben die Versicherten beim Vollversicherungsmodell kein Mitspracherecht bei den Kapitalanlagen. Der Lebensversicherer verwaltet die Vermögen und garantiert einen Mindestzins. Das Anlagerisiko tragen die Aktionäre des Lebensversicherers: Sie müssen im schlimmsten Fall Kapital einschiessen. Bei Sammelstiftungen, die voll versichert sind, besteht also kein Unterdeckungsrisiko.
Solange bei der jetzigen Pensionskasse eine Unterdeckung besteht, kann ein Wechsel zu einer Pensionskasse mit Vollversicherung allerdings mit hohen Kosten verbunden sein. Vollversicherer verlangen nämlich praktisch immer die Ausfinanzierung der Lücke. Pensionskassenverträge müssen zudem in der Regel Ende Juni gekündigt werden.
Mitte Jahr steht aber noch nicht fest, wie hoch der Deckungsgrad Ende Jahr ausfallen wird. Ein Ausweg aus diesem Dilemma stellt die Verkürzung der Kündigungsfrist auf zum Beispiel drei Monate dar. Pensionskassen willigen in der Regel ein, wenn Unternehmen einen entsprechenden Antrag stellen.
25 Prozent Prämienersparnis
Ein Pensionskassenwechsel kann sich auch für Unternehmen lohnen, die am bisherigen Versicherungsmodell festhalten möchten. Ein Angebotsvergleich, den das VZ kürzlich für ein Ingenieurbüro mit 89 Angestellten erstellt hat, belegt das enorme Sparpotenzial. Bei den vier eingeholten Offerten beträgt der Prämienunterschied fast 25 Prozent.
Der günstigste Anbieter stellt für Invaliditäts- und Todesfallleistungen sowie Zusatzabgaben und Verwaltung jährlich rund 253’000 Franken in Rechnung. Das teuerste Angebot beläuft sich auf über 335’000 Franken – bei identischen Leistungen. Die Kostenersparnis beträgt bei der günstigsten Lösung rund 920 Franken pro Versicherten und Jahr.
Bei einem PK-Wechsel zu beachten
Während ein Wechsel von einer autonomen Sammelstiftung mit Unterdeckung zu einem Vollversicherer bedeutende finanzielle Folgen für das Unternehmen haben kann, steht dem Wechsel von einem Vollversicherer zu einem anderen Vollversicherer nichts im Wege, weil hier eine Unterdeckung ausgeschlossen ist.
Der Wechsel von einem Vollversicherer zu einer autonomen Stiftung ist ebenfalls möglich. Befindet sich die Stiftung in einer Unterdeckung, sollte sich das Unternehmen aber unbedingt die Deckungsdifferenz als freie Stiftungsmittel für den eigenen Anschluss reservieren lassen. Bei einem Wechsel von Stiftung zu Stiftung muss eine allfällige Deckungsdifferenz nicht zwingend eingebracht werden. Verhandlungen lohnen sich!
Ein Wechsel von einer Stiftung mit einem Deckungsgrad unter 90 Prozent in eine gesündere Kasse mit zum Beispiel 95 Prozent ist durchaus realistisch. Damit können sich die Ausfinanzierungszahlungen massiv verringern. Allerdings ist eine vertiefte Prüfung angebracht, weil der Deckungsgrad nicht die einzige Messgrösse sein darf.
Zuerst die Leistungen optimieren
Ein Vergleich der verschiedenen Modelle von Pensionskassenlösungen ist anspruchsvoll und stellt die Pensionskassen-Verantwortlichen eines Unternehmens vor eine grosse Herausforderung. In den Vergleich zwingend mit einzubeziehen sind neben den Prämien weitere Faktoren wie Umwandlungssätze und Verzinsungen, Deckungsgrad, Garantien sowie mögliche Gesundheitsprüfungen.
Ein Marktvergleich bringt am meisten, wenn zuerst der Leistungskatalog kritisch und unvoreingenommen hinterfragt wird. Entspricht der aktuelle Leistungsplan noch den Bedürfnissen des Versichertenkollektivs? Sind die Leistungen ausreichend, oder besteht sogar eine Überversicherung? Wie flexibel ist die Kaderlösung? Ist die erwirtschaftete Rendite zufriedenstellend?
Aus diesen und vielen weiteren Antworten lässt sich das künftige Leistungskonzept ableiten, das im Markt ausgeschrieben werden soll. Nur so lassen sich die eingehenden Angebote vergleichen. Ein Angebotsvergleich ohne detaillierten Leistungskatalog ist Zeitverschwendung.
Voraussetzungen für einen PK-Wechsel
Für einen erfolgreichen Wechsel muss zudem eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein:
• Die Laufzeit von Pensionskassen-Verträgen beträgt meistens drei bis fünf Jahre, um Rückkaufswert-Verluste auszuschliessen. Eine Kündigung vor Vertragsablauf ist nicht möglich.
• Ein Wechsel ist nur möglich, wenn die Altersstruktur der Versicherten und das Verhältnis von Rentnern zu aktiven Versicherten ausgewogen sind.
• Es gibt keine Garantie dafür, dass ein Unternehmen günstigere Angebote bekommt oder dass eine andere Pensionskasse die Mitarbeitenden überhaupt versichern will. Kleinkunden und Branchen mit überdurchschnittlichen Schadenquoten erhalten kaum interessante Angebote.
• Das Mitwirkungsgesetz sieht vor, dass die Versicherten wichtige Entscheide mittragen. Ist eine Vorsorgekommission vorhanden, ist ihre Zustimmung nötig. Selbstverständlich erwarten Arbeitgeber und Versicherte tiefere Kosten, bessere Leistungen oder ein geringeres Risiko.
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