Kollektiv-Kostenexplosion bei Vertragserneuerung
UnternehmerZeitung, 01.09.2010
Versicherer erheben oft massive Prämienaufschläge beim kollektiven Krankentaggeld, wenn die Zahl der Krankheitsfälle im Unternehmen gestiegen ist. In solchen Fällen kann sich ein Wechsel des Anbieters lohnen.
Steigt die Zahl der krankheitsbedingten Ausfälle in einem Unternehmen, bedeutet das für den Versicherer des Kollektiv-Krankentaggeldes eine finanzielle Einbusse. In der Regel wird er versuchen, sich mit einem Prämienaufschlag schadlos zu halten. Die Erfahrungen des VZ zeigen, dass es sich in solchen Fällen lohnt, das Kollektiv-Krankentaggeld neu auszuschreiben.
Die krankheitsbedingten Absenzen haben bei vielen Firmen wegen der negativen Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen Jahren zugenommen. Spätestens beim Ablauf überprüfen die Versicherer, wie ein Kollektiv-Krankentaggeldvertrag abgeschnitten hat. Sind die Prämieneinnahmen im Verhältnis zum Leistungs- und Verwaltungsaufwand zu tief, liegt eine Prämienerhöhung nahe. Die neue Prämie setzt sich üblicherweise aus dem prognostizierten Schadenaufwand und einem Kostenzuschlag des Versicherers zusammen.
Fast 120 Prozent Prämienaufschlag
Wie gross die Prämienerhöhung ausfallen kann, zeigt das Beispiel eines Produktionsbetriebes mit 110 Mitarbeitenden und einer jährlichen Lohnsumme von sechs Millionen Franken. Die Schadenzahlungen für Krankheitsfälle des Unternehmens beliefen sich zwischen 2005 und 2009 auf durchschnittlich 73’000 Franken pro Jahr.
Der bisherige Versicherer hatte seinem Kunden eine Erneuerungsofferte mit einem Prämienaufschlag von beinahe 120 Prozent unterbreitet. Gegenüber 58’000 Franken gemäss bisherigem Vertrag verlangte er neu 126’000 Franken. Er prognostizierte eine deutliche Verschlechterung der Schadenentwicklung.
Wegen diesem massiven Prämienaufschlag beauftragte das Unternehmen das VZ, das Kollektiv-Krankentaggeld neu auszuschreiben. Sechs Anbieter wurden kontaktiert, drei verzichteten auf eine Offerteingabe. Die Offerten der übrigen drei Versicherer liegen weit auseinander, aber bis zu 40 Prozent unter der Offerte des bisherigen Anbieters (siehe Grafik).
Ein Vergleich lohnt sich, auch wenn die Prämie nicht steigt
Das attraktivste Angebot liegt nur unwesentlich über der durchschnittlichen Schadenbelastung der vergangenen fünf Jahre – und sieht eine Prämiengarantie während drei Jahren vor. Dieser Anbieter geht offenbar von einer günstigeren Schadenprognose aus. Auch mit dieser attraktiven Offerte wird die Kollektiv-Krankentaggeldversicherung für das Produktionsunternehmen ab nächstem Jahr teurer. Ein Trend, der sich nach Ablauf der Prämiengarantie fortsetzen könnte, falls die Krankheitsfälle in diesem Zeitraum nicht abnehmen.
Beim Kollektiv-Krankentaggeld dreht sich die Preisspirale nach wie vor kräftig abwärts. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich auf jeden Fall, die bestehende Police mit einer Ausschreibung einer Prüfung zu unterziehen. Konkurrenzangebote werden zeigen, ob das aktuelle Prämienniveau marktgerecht ist. Sinnvollerweise erfolgt die Ausschreibung der Personenversicherungen vor dem Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist, denn vor allem bei schadenbelasteten Verträgen gilt der Grundsatz: keine Kündigung vor Abschluss einer Folgeversicherung!
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