Die Angst vor einer Immobilienblase

Basler Zeitung, 04.09.2010

Was ein Preissturz bei Eigenheimen für Wohneigentümer bedeuten könnte.

Von Adrian Wenger, VZ VermögensZentrum


Die Nationalbank hat in den vergangenen Monaten mehrfach vor einer Immobilienblase gewarnt. Das Volumen an Hypothekarkrediten habe trotz Wirtschaftskrise relativ stark zugenommen. Das sei einerseits eine Folge der historisch tiefen Zinsen, welche die Attraktivität eines Eigenheims steigern. Andererseits sei aber auch der harte Wettbewerb unter den Hypothekarbanken dafür verantwortlich, erklärt die Nationalbank.

Sie kritisiert, dass die Banken teilweise zu hohe Kredite vergeben und die Tragbarkeit mit zu tiefen kalkulatorischen Zinsen berechnen würden. Wegen der grossen Nachfrage nach Eigenheimen seien in einzelnen Regionen der Schweiz Zeichen einer Überhitzung zu beobachten.

Bei einem übermässigen Preisschub am Immobilienmarkt spricht man von einer Immobilienblase. Steigen dann die Hypothekarzinsen, erhöhen sich die Wohnkosten für Eigenheimbesitzer. Wer keinen finanziellen Spielraum hat, kann sich die Immobilie nicht mehr leisten, er muss sie verkaufen. Die Preise fallen. Wegen des Wertverlusts vieler Immobilien verlangen die Banken zusätzliche Sicherheiten. Weitere Zwangsverkäufe sind die Folge. Die Preise fallen weiter. Ein solcher Schneeball kam in den USA Anfang 2007 ins Rollen – die sogenannte Subprime-Krise. Sie stürzte die ganze Weltwirtschaft in ihre schwerste Krise seit Jahrzehnten.

Viele Immobilienbesitzer fragen sich nun, welche Folgen das Platzen einer Immobilienblase für sie hätte. Dabei gilt es, zwei Gruppen zu unterscheiden.

Eigentümer mit ausreichend finanziellen Mitteln müssen sich keine Sorgen machen, sofern sie keinen Verkauf ihrer Immobilie planen. Die finanziellen Mittel gelten dann als ausreichend, wenn die Wohnkosten bei einem angenommenen Hypothekarzins von fünf Prozent weniger als ein Drittel des Einkommens betragen. Und wenn der Wohneigentümer während ein, zwei Jahren aus dem Vermögen leben kann. Diese Gruppe von Eigentümern wäre von einer geplatzten Immoblase nur insofern betroffen, als dass der Wert ihrer Liegenschaft sinken würde.

Die zweite Gruppe umfasst jene Liegenschaftenbesitzer, deren Finanzen die genannte Kriterien nicht erfüllen. Sie könnten bei einem Zinsanstieg gezwungen werden, ihre Immobilie zu verkaufen. Je nach Höhe des Preiszerfalls können sie ihr Eigenkapital verlieren. Oder sie können gar die Hypothek nicht mehr vollständig zurückzahlen, was einen Privatkonkurs nach sich ziehen könnte.

Wer sich jetzt um die Finanzierung einer Immobilie bemüht, sollte sein Vorhaben deshalb kritisch hinterfragen.
 

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