Was Anleger über China wissen sollten

Basler Zeitung, 24.07.2010

China steigt in rasantem Tempo zur Weltmacht auf. Für Investoren sind die Anlagemöglichkeiten somit äusserst attraktiv, bergen jedoch auch ein hohes Risiko.

Von Lars Loleit, VZ VermögensZentrum, Basel

Die Zahlen sind eindrücklich: Im ersten Quartal 2010 ist die chinesische Wirtschaft gegenüber dem Vorjahresquartal um fast zwölf Prozent gewachsen. 2009 wurden in China erstmals mehr Autos verkauft als in den USA, und in der Rangliste der leistungsstärksten Nationen rückte China auf Platz zwei vor – hinter den USA, aber vor Japan.

Chinas
wachsende Bedeutung äussert sich auch an den Finanzmärkten. Leitet die chinesische Regierung Massnahmen ein gegen eine Überhitzung der Wirtschaft, sinken die Börsenkurse weltweit. Das macht deutlich, wie hoch die Erwartungen sind: Selbst das von der Regierung genannte Wachstumsziel von ehrgeizigen acht Prozent pro Jahr enttäuschte viele Anleger.

Dabei ist eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft nötig. Nur so lassen sich Überkapazitäten und eine drohende Blasenbildung verhindern. Die chinesische Regierung und die Notenbank versuchen seit einigen Monaten mit verschiedenen Methoden, eine Überhitzung der Wirtschaft und des Immobiliensektors zu verhindern.

 

Nicht notwendig sind solche Massnahmen im Exportsektor. Die chinesischen Exporte haben sich schon seit Beginn der Finanzkrise 2007 deutlich zurückgebildet und dürften wegen des vermutlich schwachen Wachstums der Industrieländer mittelfristig begrenzt bleiben.

Nun ist auch die Investitionstätigkeit der chinesischen Industrie leicht rückläufig. Billigere Rohstoffe und vor allem tiefere Aktienkurse sind die Folge: Nach einem kräftigen Rally im ersten Halbjahr 2009 sind die Titel im Shanghai-A-Index seit August 2009 um rund 30 Prozent gefallen. Langfristig bleibt die positive Entwicklung aber intakt.

Als Anleger muss man sich allerdings bewusst sein, dass der chinesische Aktienmarkt auch künftig stark schwanken dürfte. Wer einen Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren hat, kann die aktuelle Schwächephase des chinesischen Aktienmarktes für einen Einstieg nutzen.

Eine Investition in Einzeltitel ist dabei nicht zu empfehlen. Privatanleger können sich nicht genügend detailliert über die einzelnen Unternehmen informieren. Besser geeignet sind Exchange Traded Funds (ETF) und vor allem herkömmliche Fonds mit aktivem Management. Die Transparenz des chinesischen Aktienmarktes ist noch verhältnismässig bescheiden, weshalb ein guter Fondsmanager durchaus einen Mehrwert bieten und ETF übertreffen kann.

Ein interessantes Anlagethema ist zurzeit der Binnenkonsum. Die chinesische Regierung hat in der Krise die zu grosse Abhängigkeit vom Export erkannt. Sie stärkt deshalb den Binnenkonsum über kurzfristige Programme, indem sie beispielsweise Anreize für einen Autokauf gibt oder Steuern senkt.

Längerfristige Initiativen sind ebenfalls vorgesehen. Dazu gehören der Aufbau von Sozialleistungen und Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitssystem. Ziel ist, die hohe Sparquote der chinesischen privaten Haushalte zu senken und so den Konsum anzukurbeln.

Die grössten Risiken für das weitere Wachstum Chinas bergen wirtschaftspolitische Fehlentscheide und soziale Unruhen. Auch ein Preissturz am überhitzten Immobilienmarkt würde die Aktienkurse unter Druck setzen. Die von der Regierung eingeleiteten Schritte zur Verhinderung einer Immobilienblase scheinen ihren Zweck allerdings zu erfüllen. Weitere Risikofaktoren sind die Überalterung der chinesischen Gesellschaft und die Abhängigkeit von den USA und vom US-Dollar.

Zur Übersicht


Rechtliche Hinweise | © VermögensZentrum 2012