Stockpicking als Alternative

Basler Zeitung, 06.02.2010

Die Entwicklung der Börsenkurse hat an Schwung verloren. Zwischen den einzelnen Branchen sind aber deutliche Unterschiede festzustellen.

Von Lars Loleit, VZ VermögensZentrum, Basel

Einzelne Sektoren oder Branchen wie Konsum Grundbedarf, Industrie und Finanzdienstleister entwickeln sich in einem Konjunkturzyklus unterschiedlich. Das war sowohl in der Phase des Abschwungs zwischen Oktober 2007 und März 2009 als auch im bisherigen Aufschwung deutlich festzustellen.

Im Abschwung verloren die Aktienmärkte durchschnittlich 55 Prozent. Die Sektoren Konsum Grundbedarf, Gesundheit und Versorger schnitten mit –30 bis –40 Prozent am besten ab. Unternehmen in diesen Sektoren sind weniger zyklisch, das heisst ihre Gewinnentwicklung hängt weniger stark vom allgemeinen Wirtschaftsverlauf ab.

Im Mittelfeld lagen die Branchen Telekom, Energie und Informationstechnologie. Sie hatten rund 50 Prozent an Wert eingebüsst. Am meisten wurden die Sektoren Grundstoffe, Industrie und Finanzdienstleister abgestraft, wobei der Bereich Finanzen mit über 70 Prozent mit Abstand am meisten einbüsste.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Finanzdienstleister haben mit ihren riskanten Geschäften die Finanzkrise ausgelöst. Der Grundstoff- und der Industriesektor litten als zyklische Sektoren massiv unter dem kräftigen Konjunkturabschwung. Wie viel ein Anleger insgesamt verloren hat, hängt deshalb stark von der Verteilung seiner Investitionen auf die verschiedenen Sektoren ab.

Seit März 2009 sind die Börsen um etwa 45 Prozent gestiegen. Hier fällt auf, dass tendenziell jene Sektoren am stärksten zulegten, die in der Krise am stärksten einbrachen.

Die Finanztitel haben bis Oktober 2009 über 70 Prozent zugelegt. Dahinter folgen die Sektoren Grundstoffe und Industrie, die 40 bis 50 Prozent gewonnen haben. Unterdurchschnittlich haben sich Titel aus den Branchen Versorger, Gesundheit und Konsum entwickelt. Unter dem Strich bleibt allerdings in allen Sektoren ein dickes Minus seit Beginn der Krise Ende 2007.

Seit Mitte Oktober haben die Aktienmärkte an Schwung verloren. Die Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Konjunktur sind grösser geworden. Die hohe Arbeitslosigkeit und die hohe Staatsverschuldung praktisch sämtlicher Industriestaaten sowie die erwartete restriktivere Geldpolitik der meisten Zentralbanken wirken hemmend. Die Unsicherheit spiegelt sich auch in der Performance der einzelnen Sektoren, die ein uneinheitliches Bild aufzeigt. Ein klarer Trend ist nicht sichtbar.

Das Jahr 2010 dürfte ein Jahr des Übergangs werden. Das uneinheitliche Bild der vergangenen drei Monate wird sich wohl auch in den kommenden Monaten fortsetzen, klare Sektorentrends sind eher unwahrscheinlich. In einem solchen unsicheren Umfeld wird das sogenannte Stockpicking wichtiger, also die Suche nach einzelnen qualitativ guten Unternehmen mit Potenzial.

Weniger geeignet ist im aktuellen Umfeld eine Buy-and-hold-Strategie, also das langfristige Halten einzelner Aktien oder Indices.

Daran dürfte sich vermutlich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Die Unsicherheiten sind zu gross und die Schwankungen an den Börsen werden wohl eher noch weiter zunehmen. Das macht eine konsequente Überwachung des Portfolios unabdingbar. Wer in einer solchen Phase als Anleger Erfolg haben will, muss seine Investitionen häufiger als in anderen Marktphasen anpassen.

Kurzfristig dürften sich defensive Sektoren wie Konsumgüter, Grundbedarfsgüter, Gesundheit und Versorger besser entwickeln als zyklische wie Grundstoffe und Industrie, wiederum wegen der erhöhten Unsicherheiten, aber auch aus Bewertungsgründen. Eine zu einseitige Investition in einzelne Sektoren ist grundsätzlich – vor allem aber im aktuellen Marktumfeld – nicht zu empfehlen.

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