Von Lars Loleit, VZ VermögensZentrum, Basel
Die günstigen Exchange Traded Funds, kurz ETF, sind beliebt. Sie haben aber einen entscheidenden Nachteil gegenüber den herkömmlichen Anlagefonds: Der Anleger verzichtet mit diesen sogenannt passiven
Fonds auf die Chance gegenüber dem Index eine Mehrrendite zu erzielen. Passive
Fonds folgen nämlich dem Index mit so wenig Abweichung wie möglich.
Die Manager von herkömmlichen Fonds haben vergleichsweise deutlich mehr Spielraum. Sie können je nach Fondsreglement Titel unter- oder übergewichten, auch Währungsrisiken absichern und in risikoreichere oder -ärmere Anlageklassen umschichten. Immerhin rund ein Drittel der aktiv gemanagten Fonds schlägt damit den Index.
Risiko oder sicherheit. Nur, wie findet man als Investor diese erfolgreichen Fonds? Wichtig ist, sich vorab selbst klar zu werden, was man mit der Investition eigentlich erreichen will. Soll der Fonds als Kernposition oder als taktische Position eingesetzt werden? Kernpositionen sind als langfristige Anlagen breit diversifiziert und bieten ausreichende Sicherheit. Taktische Positionen bilden indes kurzfristige Trends ab mit dem Ziel einer Mehrrendite – bei entsprechend höheren Risiken.
Hat man sich dann für eine bestimmte Anlageidee entschieden, muss diese möglichst präzise formuliert werden. Zum Beispiel: Aktien USA, klein- bis mittelkapitalisierte Firmen, Sektorenschwerpunkt Energie/Industrie. Bei der Suche nach Fonds aus diesem Anlageuniversum helfen Fondsdatenbanken im Internet.
Aber Vorsicht: Viele in der entsprechenden Kategorie aufgelisteten Fonds setzen die gewünschte Investition nur ansatzweise um, da die Fondsnamen oft missverständlich sind. Um eine detaillierte Überprüfung der einzelnen Produkte und Strategien kommt man deshalb nicht herum.
Zuvor sollte man die infrage kommenden Fonds allerdings quantitativ analysieren. Dabei sind ebenfalls Fondsdatenbanken hilfreich: Welche Fonds haben in einem bestimmten Zeitraum die beste Rendite erzielt? Welche sind dabei die geringsten Risiken eingegangen?
Man sollte sowohl die Phasen steigender als auch die Phasen fallender Kurse betrachten. Denn vielfach brechen jene Fonds bei fallenden Märkten übermässig ein, die bei steigenden Märkten obenaus geschwungen sind.
Selbstverständlich sagt die vergangene Rendite nichts über die künftige Entwicklung aus. Doch man kann davon ausgehen, dass ein in der Vergangenheit erfolgreicher Fondsmanager auch künftig eher erfolgreicher sein wird als ein Fondsmanager, der bis anhin keine glückliche Hand bei der Titelauswahl hatte. Vor diesem Hintergrund ist auch ein Wechsel des Fondsmanagers kritisch zu hinterfragen. Interessant – wenngleich auch nur bedingt aussagekräftig – sind Fondsratings von Agenturen wie Morningstar, Standard & Poors, Citywire und auch Feri.
Nachdem man die Zahl der infrage kommenden Fonds aufgrund ihrer Rendite und ihres Risikos weiter eingeschränkt hat, steht als nächster Schritt eine inhaltliche Analyse an. Factsheets, Monats- und Jahresberichte sowie Präsentationen und Prospekte der Fonds geben Hinweise über Anlageuniversum, Anlagestil sowie allfällige Einschränkungen und spezielle Risiken.
Weitere Ausschlusskriterien können der Steuerstatus, die Fondsgrösse, das Domizil oder das Mindestalter der Fonds sein – und nicht zuletzt sollte man die Gebühren nicht ausser Acht lassen: Ausgabe- und Rücknahmekommission sowie laufende Gebühren können sich stark unterscheiden.
Eine weitergehende Beurteilung der verschiedenen Produkte ist für Privatanleger in der Regel nicht möglich. Bei grösseren Investitionen kann sich eine professionelle Beratung daher durchaus lohnen. Vor allem die Berater von Banken unterliegen aber Interessenkonflikten: Sie verkaufen mit Vorliebe ihre eigenen Fonds.