Obligationen: 2010 wird anspruchsvoll
Basler Zeitung, 06.03.2010
Aufgrund der drohenden Staatsbankrotte gewinnt die gute Bonität auch bei Anleihen von Industrieländern wieder an Bedeutung.
Von Lars Loleit, VZ VermögensZentrum, Basel
Die Kapitalmarktzinsen sind seit dem Ausbruch der Finanzkrise auf ein historisches Tief gefallen. Zehnjährige Bundesobligationen in Schweizer Franken rentieren aktuell noch mit knapp zwei Prozent – Mitte 2008 waren es noch rund 3,25 Prozent.
Auf dem Höhepunkt der Krise haben Investoren auf der Suche nach Sicherheit riesige Summen in Staatsanleihen umgeschichtet. Als Folge davon sind ihre Kurse gestiegen und die Renditen gesunken. Die Kurse vieler Staatsanleihen liegen heute um fünf bis zehn Prozent über dem Nennwert.
Unternehmensanleihen andererseits haben während der Krise unter dem Misstrauen der Anleger gelitten, ihre Kurse sanken teilweise kräftig.
Im vergangenen Jahr liess sich nun eine Rückkehr zur Normalität feststellen. Die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen sind deutlich gesunken, was steigende Kurse zur Folge hatte.
Kräftige Kursanstiege verzeichneten sowohl High-Yield-Anleihen, also Obligationen von Schuldnern mit schlechter Bonität, als auch Investment-Grade-Anleihen, Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität.
Unternehmensanleihen dürften im laufenden Jahr attraktiv bleiben, ohne allerdings ähnlich kräftige Kursgewinne verzeichnen zu können wie 2009. Die Krise hat viele Unternehmen gezwungen, ihre Bilanzen zu sanieren und aggressive Kostensenkungs- und Umschuldungsmassnahmen einzuleiten.
Dieser Trend wird wohl anhalten, was zusammen mit der sich erholenden Konjunktur für sinkende Risikoprämien auf Unternehmensanleihen sorgen sollte. Das verspricht auch im aktuellen Umfeld beschränktes Kurspotenzial.
Anders präsentiert sich dagegen die Situation bei Staatsanleihen: Die Notenbanken werden die Leitzinsen mehrheitlich wohl erst im zweiten Halbjahr 2010 zu erhöhen beginnen. Die langfristigen Kapitalmarktzinsen werden diese Zinserhöhungen wie in vergangenen Zinszyklen üblich aber um einige Monate vorwegnehmen.
Das dürfte Staatsanleihen unter Druck setzen. Die Kursverluste sind abhängig von der Restlaufzeit der betreffenden Obligation: Je länger die Restlaufzeit, umso grösser die Kurseinbusse.
Die aktuelle Diskussion über einen drohenden Staatsbankrott Griechenlands und weiterer EU-Länder könnte den Druck auf gewisse Staatsanleihen zusätzlich erhöhen, wenngleich ein effektiver Ausfall äusserst unwahrscheinlich ist.
Mit den folgenden Massnahmen können Anleger ihre Obligationen auf das künftige Zinsumfeld und die teilweise erhöhten Ausfallrisiken ausrichten:
Wer Staatsanleihen besitzt, deren Kurse aktuell deutlich über dem Nennwert liegen, sollte einen vorzeitigen Verkauf der Papiere in Betracht ziehen. Der realisierte Kursgewinn ist für Schweizer Privatanleger steuerfrei. Der Erlös lässt sich auch in Unternehmensobligationen mit hoher Bonität investieren.
Anleger sollten sich bei der Wahl von Obligationen nicht nur auf die Bewertungen von Rating-Agenturen stützen. Der Markt hat oft andere Vorstellungen von Kreditqualität, als es die Ratings erwarten liessen.
Defensive Unternehmensanleihen können im aktuellen Umfeld durchaus stabiler sein als Staatsanleihen von Ländern mit hoher Schuldenlast oder schwachen Volkswirtschaften.
Obligationen mit sehr langer Restlaufzeit reagieren am stärksten auf steigende Marktzinsen. Wer solche Papiere im Depot hat, sollte sich einen Tausch mit kurzen bis mittleren Laufzeiten von rund drei bis maximal fünf Jahren überlegen.
Neben klassischen Obligationen eignen sich in der aktuellen Situation auch Wandelobligationen. Sie profitieren von allfälligen Kurssteigerungen bei Aktienanlagen.
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