Langfristig hohe Renditechancen

Unternehmerzeitung, 03.02.2010

Der Druck auf die Unternehmen ökologisch und sozial verträglich zu wirtschaften nimmt zu. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen. In Zeiten sinkender Börsenkurse verlieren viele Nachhaltigkeitsfonds aber immer noch überdurchschnittlich an Wert.

Von Rolf Biland, Leiter Anlagestrategie beim VZ VermögensZentrum

Jeder Nachhaltigkeitsfonds definiert Nachhaltigkeit anders. Die verschiedenen Fonds lassen sich deshalb nur bedingt miteinander vergleichen. Auch die Kriterien für die Auswahl der in Frage kommenden Aktien unterscheiden sich stark. Viele Fonds formulieren Ausschlusskriterien. Sie investieren nicht in Erdöl-, in Rüstungs- oder in Tabakproduzenten.

Aus dem verbleibenden Anlageuniversum wählen sie nach dem Prinzip des «Klassenbesten» die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche. Einzelne Fonds fokussieren dabei mehr auf ökologische Fragen, wie die Energiebilanz des Unternehmens und den Umgang mit Rohstoffen. Andere legen einen höheren Stellenwert auf soziale Fragen, wie den Umgang mit Mitarbeitern und Zulieferern.

Wieder andere fassen den Begriff «Nachhaltigkeit» enger. Sie investieren ausschliesslich in Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien, Wasseraufbereitung und Energieeffizienz. In der Hochkonjunktur bis Mitte 2007 legten die Kurse solcher Fonds überdurchschnittlich zu.

Die höhere Rendite ist aber auch mit höheren Risiken verbunden. Die Fonds investieren hauptsächlich in relativ wenige und kleinere oder mittelgrosse Unternehmen. Viele dieser Unternehmen sind jung und ihr Geschäftsgang schwankt stark. Und so schwanken auch die Aktienkurse solcher Firmen stärker als jene von grossen, etablierten Unternehmen.
 

Krise traf Nachhaltigkeitsfond

Seit Ausbruch der Finanzund Wirtschaftskrise mussten viele Nachhaltigkeitsfonds deutlich höhere Kurseinbussen hinnehmen als der Weltaktienindex MSCI World.

 

Viele nachhaltige Unternehmen sind in den Branchen Energie und Technologie tätig. Diese beiden Sektoren leiden deutlich stärker unter der Wirtschaftskrise als weniger konjunkturabhängige Branchen wie Telecom, Versorger und Pharma. Auch der jähe Sturz des Ölpreises wirkte sich negativ aus. Je tiefer der Ölpreis, desto weniger attraktiv sind Investitionen in erneuerbare Energien.

Vor allem die Solarbranche bekam den gesunkenen Ölpreis und die Krise stark zu spüren. Viele Unternehmen sahen sich mit gewaltigen Überkapazitäten konfrontiert und es kam zu dramatischen Gewinneinbrüchen. In der Folge brachen die Aktienkurse ein. Zum Beispiel Solarworld: Der Aktienkurs des deutschen Unternehmens stieg zwischen 2004 und 2007 von einigen wenigen Cents auf 48 Euro, um dann wieder auf rund 12 Euro zu fallen.
 

Langfristig höhere Rendite

 

Seit März 2009 haben die Kurse von Nachhaltigkeitsfonds wieder deutlich zugelegt. Die Erholung ist in erster Linie auf die Rückkehr des Risikoappetits bei den Anlegern zuriickzuführen. Langfristig dürfte sich das höhere Risiko von Fonds mit einem hohen Anteil an Öko-Energie-Unternehmen auch mit einer höheren Rendite bezahlt machen. Von der Krise ''weniger stark betroffen sind Fonds, die das Fondsvermögen auch in Titel aus herkömmlichen Branchen anlegen und sich dabei auf Unternehmen mit hohen sozialen oder ökologischen Standards konzentrieren.

Ein Vergleich des Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability World und des Weltaktienindex MSCI World in Schweizer Franken zeigt: Nachhaltige Anlagen erzielten seit 1994 eine jährliche Durchschnittsrendite von 6,47 Prozent, herkömmliche lediglich eine solche von 4,84 Prozent.
 

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