Investoren machen immer gleiche Fehler
Basler Zeitung, 30.04.2010
Spekulationsblase, Crash, Kaufrally, Überhitzung – das Verhalten von Anlegern folgt wiederkehrenden Mustern.
Von Lars Loleit, VZ Vermögenszentrum, Basel
Bei der Erforschung der Finanzmärkte haben Wissenschaftler die Anleger während Jahrzehnten als rein vernunftgemäss handelnde Marktteilnehmer gesehen. Seit der Finanzkrise hat dieses Bild von effizienten Märkten Kratzer abbekommen – weil sich damit die Bildung von Finanzblasen nicht erklären lässt. Gemäss traditioneller Finanzmarkttheorie dürften gar keine Blasen entstehen, weil der Preis einer bestimmten Anlage sich nicht systematisch vom fundamentalen Wert dieser Anlage entfernen dürfte.
Hier setzt die sogenannte Behavioral Finance an (deutsch etwa Anlageverhalten). Dieser relativ junge Forschungsansatz betrachtet die Anleger als oft unvernünftig handelnde und von Gefühlen getriebene Marktteilnehmer. Mit Behavioral Finance lassen sich wichtige Verhaltensmuster beschreiben, die dem Anlageerfolg abträglich sind. Zum Beispiel:
Selektive Wahrnehmung. Anleger mit diesem Verhaltensmuster nehmen vorwiegend jene Informationen wahr, die ihren eigenen Meinungen entsprechen. Informationen, die dazu im Widerspruch stehen, verdrängen sie.
Sehr viele Anleger überschätzen sich. Sie trauen sich zu, künftige Ereignisse vorherzusagen. Das kann zu übermässigem Kaufen und Verkaufen von Titeln und zu Risikoblindheit führen. Der Investor bildet sich seine Meinung aufgrund jener Informationen, die für ihn am leichtesten zugänglich sind; das sind nicht immer die wichtigsten. Dieses Verhalten kann zu falschen Schlussfolgerungen führen.
Solche Anleger neigen dazu, Meinungsführern zu folgen. Von Gier getrieben und oft entgegen ihrer eigenen Überzeugung, rennen sie einem Trend hinterher und tragen so zur Bildung einer Blase bei, die in der Regel platzt. Und nach dem Platzen der Blase verkaufen sie in Panik und verstärken so den Abwärtstrend.
Verlustaversion. Wer ein solches Verhalten an den Tag legt, misst einem Verlust ein höheres Gewicht zu als einem Gewinn in identischer Höhe. Er leidet stärker unter einem Verlust, als dass er sich über einen Gewinn in gleicher Höhe freut, und tendiert dazu, Verluste auszusitzen, statt sie zu realisieren und die frei werdenden Mittel in Titel mit mehr Potenzial zu investieren. Umgekehrt verkauft er im Plus liegende Titel zu schnell und verpasst so allenfalls Gewinne. Somit maximiert er die Verluste und begrenzt die Gewinne.
Viele Anleger gewichten den Heimmarkt bei der Verteilung ihrer Investitionen überproportional. Sie unterliegen bei heimischen Titeln einer Kontrollillusion und bilden sich ein, die Kursentwicklung vorhersagen zu können.
Behavioral Finance ersetzt die herkömmliche Fundamentalanalyse nicht. Im Idealfall erkennt der Anleger falsche Verhaltensmuster und vermeidet sie.
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