Eine jährliche Rendite von über 7 Prozent

Basler Zeitung, 20.03.2010

So viel rentierten nachhaltige Anlagen in den letzten 1 5 Jahren durchschnittlich.

Von Serge Lutgen, Geschäftsleiter Region Basel, VZ VermögensZentrum

Nachhaltigkeit entwickelt sich zum Megatrend. Der Druck auf die Unternehmen steigt, nachhaltig, also ökologisch und sozial verträglich, zu wirtschaften. Und auch die Nachfrage der Investoren nach nachhaltigen Anlagen steigt.

Viele Nachhaltigkeitsfonds verlieren in Zeiten sinkender Börsenkurse zwar immer noch überdurchschnittlich an Wert. In Zeiten steigender Kurse legen sie dafür überdurchschnittlich zu. Kriterien der Fonds.

Jeder Nachhaltigkeitsfonds definiert Nachhaltigkeit anders. Die verschiedenen Fonds lassen sich deshalb nur bedingt miteinander vergleichen. Auch die Kriterien für die Auswahl der in Frage kommenden Aktien unterscheiden sich stark.

Viele Fonds formulieren Ausschlusskriterien. Sie investieren nicht in Erdöl-, in Rüstungs- oder in Tabakproduzenten. Aus dem verbleibenden Anlageuniversum wählen sie nach dem Prinzip des «Klassenbesten» die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche.

Einzelne Fonds fokussieren dabei mehr auf ökologische Aspekte wie die Energiebilanz des Unternehmens und den Umgang mit Rohstoffen. Andere konzentrieren sich vorab auf soziale Kriterien wie den Umgang mit Mitarbeitern und Zulieferern.

Wieder andere fassen den Begriff «Nachhaltigkeit» enger. Sie investieren ausschliesslich in Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien, Wasseraufbereitung und Energieeffizienz. In der Hochkonjunktur bis Mitte 2007 legten die Kurse solcher Fonds überdurchschnittlich zu.

Die höhere Rendite ist aber auch mit höheren Risiken verbunden. Diese Fonds investieren hauptsächlich in relativ wenige und kleinere Unternehmen. Viele dieser Unternehmen sind jung und ihr Geschäftsgang schwankt stark.

Und so schwanken auch die Aktienkurse solcher Firmen stärker als jene von grossen, etablierten Unternehmen. Energie und Technologie. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise mussten viele Nachhaltigkeitsfonds höhere Kurseinbussen hinnehmen als der Weltaktienindex MSCI World.

Viele nachhaltige Unternehmen sind in den Branchen Energie und Technologie tätig. Diese beiden Sektoren leiden stärker unter der Wirtschaftskrise als Branchen wie Telecom, Versorger und Pharma. Auch der jähe Sturz des Ölpreises wirkte sich negativ aus.

Je tiefer der Ölpreis sinkt, desto weniger attraktiv sind Investitionen in erneuerbare Energien. Vor allem die Solarbranche bekam den gesunkenen Ölpreis und die Krise zu spüren. Viele Unternehmen sahen sich mit Überkapazitäten konfrontiert und es kam zu Gewinneinbrüchen. In der Folge brachen auch die Aktienkurse ein.

Zum Beispiel Solarworld: Der Aktienkurs des deutschen Unternehmens stieg zwischen 2004 und 2007 von einigen wenigen Cents auf 48 Euro, um dann wieder auf rund 12 Euro zu fallen. Anleger sind risikobereiter. Seit März 2009 haben die Kurse von Nachhaltigkeitsfonds wieder deutlich zugelegt.

Die Erholung ist in erster Linie auf die grössere Risikobereitschaft der Anleger zurückzuführen. Langfristig dürfte sich das höhere Risiko von Fonds mit einem hohen Anteil an Öko-Energie-Unternehmen mit einer höheren Rendite bezahlt machen.

Von der Krise weniger betroffen sind Fonds, die das Fondsvermögen auch in Titel aus herkömmlichen Branchen anlegen und sich dabei auf Unternehmen mit hohen sozialen oder ökologischen Standards konzentrieren.

Ein Vergleich des Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability World und des Weltaktienindex MSCI World in Schweizer Franken zeigt: Nachhaltige Anlagen erzielten zwischen 1995 und 2009 eine jährliche Durchschnittsrendite von 7,47 Prozent, herkömmliche lediglich eine solche von 5,77 Prozent.


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