Schweizer Investoren haben in den vergangenen Jahren grosse Beträge in Euro-Staatsanleihen investiert. Verantwortlich dafür waren das rund 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte höhere Zinsniveau im Euro-Raum, die guten Bonitäten der Euro-Länder und die relativ tiefen Kursschwankungen zwischen Euro und Schweizer Franken. Heute beklagen viele dieser Anleger sogar Minderrenditen gegenüber Anlagen in Schweizer-Franken-Obligationen.
Ein Beispiel: Ein Anleger hat vor sechs Jahren eine deutsche Bundesobligation mit einem attraktiven Coupon von 5,25 Prozent gekauft. Heute, rund drei Monate vor Verfall, verkauft er die Obligation. Seine um die Kursdifferenz bereits geminderte Rendite in Euro beträgt pro Jahr 3,72 Prozent. In Franken gerechnet liegt sie bei 1,83 Prozent.
Franken war besser. Angenommen, der gleiche Anleger hat zum gleichen Zeitpunkt eine Schweizer Bundesobligation mit einem Coupon von verhältnismässig tiefen 3,5 Prozent gekauft. Ein Währungsrisiko ist er damit nicht eingegangen. Heute, ebenfalls rund drei Monate vor Verfall, verkauft er auch diese Obligation. Seine Rendite beträgt 2,34 Prozent pro Jahr und liegt damit trotz geringerem Risiko und tieferem Coupon über der Rendite der Euro-Obligation in Schweizer Franken. Verantwortlich für diese Entwicklung ist vor allem der Eurokurs, der im genannten Zeitraum gegenüber dem Schweizer Franken rund acht Prozent gesunken ist.
Das Währungsrisiko spielt bei Obligationen eine entscheidende Rolle für die Gesamtrendite – nicht erst seit der Schuldenkrise und der damit verbundenen deutlichen Abwertung des Euro. Die Entwicklung des Wechselkurses ist eng mit der Zinsentwicklung verbunden. Sinken im Ausland die Zinsen, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Währung abwerten, weil Investoren Anlagen in Ländern mit höheren Zinsen vorziehen. Eine solche Abwertung hat eine tiefere Rendite in Schweizer Franken zur Folge.
Zudem schwanken die Kurse von Staatsobligationen grundsätzlich relativ schwach. Umso gewichtiger ist der Einfluss von Währungsschwankungen auf das Gesamtrisiko von Staatsobligationen. Eine Analyse der Fremdwährungsrisiken von Obligationen im Zeitraum von 2000 bis 2008 zeigt, dass das Währungsrisiko bei vielen Fremdwährungsobligationen den grössten Anteil am Gesamtrisiko ausmacht.
Bei Obligationen in US-Dollar betrug das Währungsrisiko beispielsweise 54 Prozent am Gesamtrisiko, bei Obligationen in australischen Dollar 67 Prozent und in japanischen Yen gar 80 Prozent. Bei Euro-Obligationen lag es wegen der tiefen Euro/Franken-Schwankungen bei bescheidenen 31 Prozent. Heute liegt der entsprechende Wert für den Euro deutlich höher.
Bei Aktien in Fremdwährungen hingegen spielt das Währungsrisiko eine deutlich geringere Rolle am Gesamtrisiko. Die Kurse von Aktien schwanken grundsätzlich stärker als jene von Obligationen. Ausserdem werden Währungsverluste teilweise kompensiert: Ein international tätiges Unternehmen profitiert von einer sinkenden Lokalwährung, weil die Nachfrage nach seinen Gütern aus dem Ausland steigt. Das lässt auch den Aktienkurs in Lokalwährung steigen.