Der Goldpreis wird wohl weiter steigen

Basler Zeitung, 28.08.2010

Gold wird seinem Ruf als sicherem Hafen wieder einmal gerecht. Doch die Preise schwanken.

Lars Loleit, VZ VermögensZentrum

Wer Anfang Jahr in Gold investiert hat, kann sich bis heute über eine Rendite in Schweizer Franken von rund elf Prozent freuen. Weil Gold in US-Dollar gehandelt wird, ist für einen Schweizer Anleger aber auch die Entwicklung des Dollar/Franken-Kurses von Bedeutung. Verliert der Dollar gegenüber dem Franken an Wert, verbilligt sich auch das Gold in Franken.

Anfang Juni, als der Dollarkurs gegenüber dem Franken einen Höchststand erreichte, lag der Goldpreis in Franken fast zwölf Prozent höher als heute. Der jähe Absturz des Dollarkurses hat dem Goldpreis in Franken seither zugesetzt.

Aber nicht nur der Goldpreis hat sich 2010 erfreulich entwickelt. Auch Goldminenaktien haben gemessen am FTSE-Gold-Mines-Index im laufenden Jahr eine Rendite in Schweizer Franken von fast zehn Prozent erzielt.

Der steigende Goldpreis hat mehrere Gründe: Die dramatische Finanzkrise vor zwei Jahren steckt vielen Anlegern nach wie vor in den Knochen, die Schuldenkrise in der Eurozone und die aufkommenden Zweifel an der konjunkturellen Erholung in den USA haben einen erneuten Vertrauensverlust zur Folge.

In solch stürmischen Zeiten ist Gold ein sicherer Hafen für verunsicherte Investoren. Ausserdem dürfte die physische Gold-Nachfrage das Angebot bis auf Weiteres übersteigen, da es mehrere Jahre dauert, bis neue Goldlager erschlossen sind.

Eine Investition in Gold ist aber auch attraktiv, weil sich der Goldpreis tendenziell gegenläufig zu Aktienkursen entwickelt: Sinken die Aktienkurse, steigt der Goldpreis und umgekehrt. Dank dieser Eigenschaft eignet sich das Edelmetall hervorragend zur Diversifikation und Absicherung eines Aktienportfolios.

Eine andere, früher immer wieder festgestellte gegenläufige Entwicklung zeigt sich im ersten Halbjahr 2010 allerdings nicht: jene zum US-Dollar. Wegen der Euro-Krise war auch der Dollar als sicherer Hafen gesucht, allerdings nur bis Anfang Juni.

Und was spricht gegen Gold? Das Edelmetall wirft im Unterschied zu vielen anderen Anlageklassen keinen Ertrag ab in Form von Zinsen oder Dividenden. Im aktuellen Tiefstzinsumfeld ist das aber nicht von grosser Bedeutung für die weitere Preisentwicklung, weil die Anlagealternativen fehlen. Als Anleger muss man sich zudem bewusst sein, dass der Goldpreis stark schwankt. Man sollte deshalb nicht mehr als zehn Prozent jenes Vermögensteils in Gold investieren, der für risikoreiche Anlagen vorgesehen ist.

Entscheidend zur Renaissance von Gold als Anlagemedium beigetragen haben die Gold-ETF. Das erste dieser leicht handelbaren, transparenten und günstigen Anlageprodukte wurde im März 2003 aufgelegt. Per Mitte 2010 waren bereits 82 Milliarden US-Dollar in Gold-ETF investiert, was einem Volumen von 1906 Tonnen Gold entsprach. Zu- und Abflüsse in ETF sind mittlerweile wohl der wichtigste kurzfristige Preistreiber.

An der Schweizer Börse lassen sich auch Gold-ETF mit Absicherung des Dollar-Risikos kaufen. Als Anleger kann man damit an einem allfälligen Anstieg des Goldpreises partizipieren, ohne Wechselkursrisiken beachten zu müssen.

Goldminenaktien oder in Goldminenaktien investierende, aktiv verwaltete Fonds haben einen höheren Hebel auf den Goldpreis, allerdings nach oben wie nach unten. Hinzu kommen im Vergleich zu Gold-ETF eine stärkere Korrelation mit Aktienmärkten und unternehmensspezifische Risiken. Goldbarren und Goldmünzen sind nur Nostalgikern zu empfehlen.

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