Im Unterschied zu herkömmlichen Anlagefonds verzichten ETFs auf ein aktives Management, das mit dem Kauf und Verkauf von Titeln eine Mehrrendite gegenüber dem entsprechenden Index zu erzielen versucht. ETFs haben stattdessen zum Ziel, einen Index eins zu eins abzubilden.
Dieser Verzicht auf ein aktives Management hat zur Folge, dass die Verwaltungsgebühren von ETFs nur rund ein Drittel der Gebühren von herkömmlichen Anlagefonds betragen. Das Management von herkömmlichen Fonds verpasst sein Ziel zudem oft, eine Mehrrendite gegenüber dem Vergleichsindex zu erzielen. Vor allem in sogenannt effizienten Märkten wie den USA und Europa ist es schwierig, den Index zu schlagen.
Weshalb nun, fragen sich viele Privatanleger, soll ich die relativ hohen Verwaltungskosten für einen aktiven Fonds zahlen, wenn dessen Rendite allenfalls deutlich hinter seinem Vergleichsindex zurückbleibt? Mit einem günstigen ETF kaufe ich quasi den Index.
Nur, so einfach ist es nicht. Auch die Performance von ETFs unterscheidet sich – teilweise deutlich – von jener des zugrunde liegenden Index. Für diesen sogenannten Tracking Error ist einerseits natürlich die Verwaltungsgebühr verantwortlich.
Hinzu kann aber eine ganze Reihe weiterer Gründe kommen: ETFs bilden den Index oft nicht eins zu eins ab, sondern beschränken sich auf die wichtigsten Titel. Anpassungen am Vergleichsindex werden von ETFs oft nur verzögert übernommen.
Auch der Umgang mit Dividendenzahlungen des Fonds und die steuerliche Behandlung von Dividenden können zu Abweichungen führen. Ausserdem umfasst die genannte Verwaltungsgebühr nur einen Teil der anfallenden Kosten.
Hinzu kommen unter anderem Kosten für Transaktionen und Depot, für Werbung und Vertrieb. Und nicht zuletzt drückt auch die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, die sogenannte Geld-Brief-Spanne, auf die Rendite. ETFs entbinden zudem die Anlegerschaft keineswegs von der Aufgabe, eine individuelle Anlagestrategie zu definieren. Die Strategie muss der Risikofähigkeit und den finanziellen Zielen des Investors entsprechen. Sie ist mit Abstand der wichtigste Faktor für den langfristigen Anlageerfolg.
Erst in einem zweiten Schritt kann die Suche nach dem oder den geeigneten ETFs erfolgen. Auch diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen. Zwei Indizes mit ähnlichen Namen und in ähnlichen Bereichen eines Marktes können sich stark unterscheiden. Allein an der Schweizer Börse sind ETFs auf mehr als ein halbes Dutzend verschiedene US-Indizes mit teilweise deutlich unterschiedlichen Eigenschaften kotiert. Vor der Wahl eines ETF steht deshalb immer die Suche nach dem geeigneten Index.
ETFs sind immer zu 100 Prozent investiert. Sie folgen ihrem Index im Gleichschritt auch in eine Abwärtsbewegung oder gar in einen Crash. Bei herkömmlichen Fonds kann das Management in Übereinstimmung mit dem Fondsreglement in solchen Phasen die Aktienquote reduzieren oder in defensive Werte umschichten. ETFs delegieren solche anspruchsvollen taktischen Anpassungen an den Anleger.
Und nicht zuletzt verzichtet der Investor mit seinem Entscheid für ETFs auf eine mögliche Mehrrendite gegenüber dem Index. ETFs schlagen ihren Index grundsätzlich nie. Mit aktiven Fonds ist eine – auch markante – Mehrrendite gegenüber dem gewählten Index jederzeit möglich. Entscheidend ist hier die Wahl der richtigen Produkte.