«Wie die Krise ausgeht, steht nicht fest»
Der Landbote, 31.12.2011
Staatsobligationen werfen keinen Zins mehr ab,
Aktien sind ausser Mode, im Immobilienbereich droht eine Blase: Selten war es so schwierig wie heute, sein Geld anzulegen. Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum rät, auf Zeit zu spielen.
Der Landbote: Es drohen Rezessionen, es könnten Banken kollabieren: Wäre es nicht am gescheitesten, die Ersparnisse unter dem Kopfkissen zu lagern?
Rolf Biland: Das ist keine gute Idee. Denn es ist zum einen unwahrscheinlich, dass wir in eine Weltrezession rutschen. Global betrachtet dürfte die Wirtschaft im Jahr 2012 um 2,5 bis 3 Prozent wachsen. Das genügt, um profitable Anlagechancen zu finden. Gegen das Kopfkissen spricht ausserdem neben dem Diebstahlrisiko das Inflationsrisiko: Ein Vermögen, das keinen Ertrag abwirft, kann wegen der Inflation schnell schmelzen.
Wie würden Sie im jetzigen Umfeld 200 000 Franken anlegen, die Sie frei zur Verfügung hätten?
Bei jeder Anlage muss zuerst die Risikobereitschaft und -fähigkeit abgeklärt werden. Ich gehe davon aus, dass hinter den 200 000 Franken eine risikofähige Person steht, die eine ausgewogene Anlagestrategie verfolgt. Dann würde ich rund 40 Prozent in Aktien investieren, 5 bis 10 Prozent in Gold und Ähnliches sowie die restlichen 50 bis 55 Prozent in Obligationen und Geldmarktanlagen.
Der hohe Aktienanteil erstaunt mich. Aktien haben über die letzten 10 Jahre kaum rentiert.
Das stimmt. Wenn man aber in die Zukunft blickt, könnten Aktien wieder attraktiv werden. Denn das Ertragspotenzial der Obligationen ist mittlerweile so gering, dass dem Anleger fast nur noch Aktien bleiben und dadurch Gelder aus dem festverzinslichen Bereich ins Aktiensegment fliessen.
Welche Regionen könnten für Aktienanlagen interessant sein?
Ich würde von den 40 Prozent je 12 Prozent in Schweizer und US-Aktien in vestieren. Und je 8 Prozent in europäische und pazifische Titel. Bei der vorgegebenen Investitionssumme würde ich dabei zu Fonds greifen und nicht zu Einzeltitel. Nur so kann man das Risiko verteilen. Ausserdem ist anzunehmen, dass der Fondsmanager auch auf Titel mit hoher Dividende setzt. Dies mildert das Kursrisiko zusätzlich.
Den hohen Schweizer und US-Anteil müssen Sie mir erklären. In beiden Ländern droht eine Rezession.
Es ist nicht zwingend, dass Aktien während einer kurzen Rezessionsphase an Wert verlieren. Die Schweiz steht zudem im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr gut da. Ausserdem ist es wegen des Währungsrisikos sinnvoll, einen relativ grossen Teil im eigenen Land anzulegen. Der kurzfristige Konjunkturausblick für die USA hat sich in den letzten Monaten deutlich verbessert. Amerika dürfte 2012 mit über 2 Prozent wachsen - deutlich mehr als Europa, Japan oder die Schweiz.
Welche Branchen sind interessant?
Der Gesundheitsbereich und IT. Denn der Gesundheitssektor wächst beständig und ohne grosse Ausschläge. IT ist interessant, weil in diesem Bereich in den letzten Jahren wenig investiert wurde was jetzt nachgeholt werden dürfte. Vorsichtiger wäre ich mit Bankaktien, weil tatsächlich unklar ist, wie sich diese Branche 2012 entwickeln wird. Zurückhaltend wäre ich auch mit Telekomaktien. In dieser Branche sitzt derzeit das Geld nicht so locker.
Sie empfehlen, einen Teil in Gold anzulegen. Ist der Goldpreis nicht zu hoch?
Gold hat immer noch gute Karten. Denn Gold ist in einem gewissen Sinn eine alternative Währung. Wer das Gefühl hat, der Dollar steuere auf ein Problem zu, der Euro sei kaum mehr zu retten und der Franken sei an diesen Euro gebunden, dem bleiben nicht mehr viele Alternativen. Gold gibt einem Portfolio zudem einen gewissen Inflationsschutz: Geldscheine kann man drucken, Gold nicht. Man muss sich aber bewusst sein, dass der Goldpreis stark schwankt. Ein gestaffelter Einstieg ist sinnvoll.
Sie haben auch andere Rohstoffe erwähnt.
Das ist etwas für Liebhaber und Spekulanten, kann sich aber lohnen. Bei Rohstofffonds rate ich jedoch zur Vorsicht: Der Anleger sollte sie sehr genau unter die Lupe nehmen.
Rund die Hälfte des Geldes würden Sie in Obligationen investieren. Dabei sagten Sie vorhin selber, dass diese kaum mehr etwas abwerfen.
Bei diesem Teil der Anlage geht es darum, das Risiko zu beschränken. Damit meine ich in erster Linie steigende Zinsen. Solche sind zwar nicht heute und morgen zu erwarten. Aber auf lange Sicht werden die Zinsen steigen. Deshalb macht es keinen Sinn, eine zehnjährige schweizerische Staatsanleihe zu kaufen. Denn diese wirft nur 0,7 Prozent Zins ab. Wenn man davon ausgeht, dass es im Verlauf der nächsten zehn Jahre eine höhere Inflation geben wird, lohnt sich diese Investition nicht. Auf der anderen Seite lohnen sich Investitionen in riskante Staatsanleihen auch nicht, weil das Verlustrisiko zu hoch ist.
Was also soll man tun?
Höchstens 10 Prozent der Investition würde ich dennoch in ausländische Obligationen tätigen – aber nicht in Euro, sondern in Dollar und in Schwedische Kronen. Rund 25 Prozent würde ich kurzfristigen Schweizer Obligationen parkieren. Zum Beispiel in einem Fonds für Unternehmensanleihen. Damit gewinne ich zwar im Moment kaum etwas, kann aber bei Zinsveränderungen reagieren.
Ich zähle nach: 40 Prozent Aktien, 10 Prozent Gold, 25 Prozent kurzfristige schweizerische Obligationen, 10 Prozent ausländische Obligationen. Es fehlen noch 15 Prozent.
Die würde ich in Spezialitäten fliessen lassen. Ich denke an inflationsgeschützte Anleihen. Auch dafür gibt es Fonds. Ich denke zudem an Fonds, die kein Fremdwährungsrisiko tragen. Auch da geht es also darum, Sicherheit ins Portfolio zu bringen.
Keine Rolle spielen in Ihren Überlegungen Immobilien. Warum nicht?
Das ist eine heikle Frage. Denn es ist in letzter Zeit sehr viel Geld in den Schweizer Immobilienmarkt geflossen. Schweizer Immobilienfonds kosten derzeit ein Viertel mehr, als aufgrund des Verkehrswerts der Liegenschaften gerechtfertigt wäre. Sie haben somit Potenzial nach unten.
Fazit: Sie empfehlen eine vorsichtige Anlagestrategie, die Zeit gewinnen will.
So ist es. Denn wir sind noch nicht über den Berg. Die Euro-Krise kann sich in beide Richtungen entwickeln: Eine plötzliche Aufhellung ist möglich, es kann aber auch noch schlimmer kommen. Dem trägt diese Anlagestrategie Rechnung.
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